5. Loris Capirossi

Die jüngeren MotoGP-Fans kennen Loris Capirossi wohl vor allem in seiner Rolle als Sicherheitsberater der Dorna. Wann immer auf den Rennstrecken dieser Welt ein Ölleck oder stehendes Wasser beseitigt werden muss, steht der Italiener wenige Meter vom Ort des Geschehens entfernt und überblickt die Lage. Das war aber nicht immer so, denn zwölf Jahre lang war der Italiener selbst als Racer auf den Strecken der Königsklasse unterwegs, für deren Sicherheit er jetzt sorgt. Und das sogar sehr erfolgreich. Mit 17 Jahren und 165 Tagen krönte sich 'Capirex' zum jüngsten Weltmeister der Geschichte, ein Jahr später sogar zum jüngsten Doppelweltmeister. Eine herausragende Leistung, jedoch gelang Capirossi dieser Erfolg noch zu seinen 125cc-Zeiten. Auch in der 250cc-Klasse wurde er sieben Jahre später Champion, bevor er im Jahr 2000 in die Königsklasse aufstieg. Der Erfolg schien programmiert, auf ganzer Linie wollte er sich aber nicht einstellen. Dreimal schnappte sich Capirossi den dritten WM-Rang, der Titel in der Königsklasse blieb jedoch aus. An seinem Legendenstatus ändert das jedoch wenig.

4. Sete Gibernau

Gleich zwei Jahre in Folge schrammte Sete Gibernau nur haarscharf am MotoGP-Weltmeistertitel vorbei. Die Saisons 2003 und 2004 beendete der Spanier jeweils als Vize-Champion. Eine starke, wenn auch ein wenig ärgerliche Bilanz, immerhin glänzte Gibernau in den beiden Jahren mit jeweils vier Siegen und sechs weiteren Podiumsplätzen. Noch ärgerlicher ist jedoch, dass der Spanier dann auch beide Male gegen denselben Piloten das Nachsehen hatte. Valentino Rossi erwies sich einfach als eine Nummer zu groß für Gibernau. Egal, ob 2003 als Marken-Kollege auf dem Honda-Bike oder 2004 nach seinem Wechsel zu Yamaha. Auf beiden Motorrädern, die unterschiedlicher kaum hätten sein können, überragte Rossi schlussendlich Gibernau, obwohl dieser wie bereits erwähnt fantastische Leistungen ablieferte. Aber vielleicht war der Spanier einfach zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. An Talent, um sich zum MotoGP-Champion zu krönen, hat es Gibernau sicher nie gemangelt.

3. Max Biaggi

Acht Jahre lang war Max Biaggi in der 500cc-Klasse und der MotoGP unterwegs. Außerhalb der Top-3 hat er die Gesamtwertung in diesen acht Jahren nur zwei Mal beendet, 1999 als Vierter und 2005 als Fünfter. Somit hat der Römer sich am Ende des Jahres nicht ein einziges Mal aus der Top-5 kicken lassen. Eine beeindruckende Leistung, die ihm kaum jemand nachmachen kann. Für einen Titel in der Königsklasse hat es dennoch nie gereicht, so schwer zu glauben das auch fällt. Dreimal landete Biaggi auf dem dritten Gesamtrang, drei weitere Male wurde er Vize-Weltmeister. Immer hatte er ein Nachsehen gegen die Mick Doohans, die Kenny Roberts Juniors, die Sete Gibernaus und natürlich, besonders bitter, gegen die Valentino Rossis der WM. Obwohl er seinem Erzfeind Rossi und auch allen anderen Konkurrenten auf der Rennstrecke mit 13 Siegen und 58 Podien in acht Jahren regelmäßig die Stirn bot, reichte es für den ultimativen Triumph in der Königsklasse am Ende nicht. Dafür musste erst der Wechsel in die Superbike-WM her.

Max Biaggi biss sich an Valentino Rossi die Zähne aus - Foto: Repsol
Max Biaggi biss sich an Valentino Rossi die Zähne ausFoto: Repsol

2. Andrea Dovizioso

Andrea Dovizioso stieg von 2017 an zum größten Konkurrenten von Überflieger Marc Marquez auf. Und obwohl sich die beiden Superstars drei Jahre in Folge immer wieder haarsträubende Duelle lieferten, gelang es Dovizioso nicht einmal, seinen jüngeren Rivalen auf lange Sicht zu schlagen. Trotz seiner überragenden Leistungen, seiner Leidenschaft und seiner beeindruckenden Arbeitsmoral hat das Naturtalent Marquez' am Ende des Jahres immer über "Professor" Dovizioso triumphiert. 2020 hätte sich dem Italiener nach der Verletzung seines Rivalen die große Chance geboten, doch er kam nie wirklich auf Touren und beendete die Saison nur auf Gesamtrang vier. 2021 will er sich eine Auszeit nehmen. Ob die Rückkehr noch einmal gelingt, ist fraglich. Der MotoGP-Titel könnte für Dovizioso unerreichbar bleiben. Macht ihn das zu einem schlechteren Fahrer? Mitnichten. Denn niemand außer Dovi kann von sich behaupten, dem 'Außerirdischen' Marquez in seiner Bestform der letzten Jahre regelmäßig die Stirn geboten zu haben.

1. Dani Pedrosa

13 Jahre Erfahrung, 31 Siege, 112 Podien und insgesamt 2970 Punkte - bei einer solchen Bilanz würde wohl ein jeder davon ausgehen, dass ein derart erfolgreicher MotoGP-Pilot zumindest einen Titel in der Königsklasse vorweisen kann. Doch dem ist nicht so. Der Mann, der diese mehr als beachtliche Statistik aufgestellt hat, ist Dani Pedrosa. Und obwohl es seine Leistungen ohne Zweifel mit denen anderer MotoGP-Giganten aufnehmen können, kann der Spanier "nur" auf drei Vize-Titel und drei weitere dritte Plätze in der Gesamtwertung zurückblicken. Für den Titel des MotoGP-Weltmeisters hat es für den langjährigen Repsol-Honda-Pilot einfach nicht gereicht. Ob das nun an Pedrosas ausgesprochenem Verletzungspech lag oder an der Tatsache, im Verlauf seiner kompletten MotoGP-Karriere immer einen noch besseren Piloten vor die Nase gesetzt bekommen zu haben, darüber kann nur spekuliert werden. Fest steht jedoch eines ohne Zweifel: Pedrosa ist einer der ganz, ganz Großen dieses Sports. Eine MotoGP-Legende, sogar ganz offiziell. Und das auch ohne Titel.

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