Ein völlig neues Motorrad bei Aprilia, ein Holeshot-Device bei Yamaha und eine vermutete Weiterentwicklung dieses Systems bei Ducati, dazu noch jede Menge Aero-Updates mit teils kuriosen Auswüchsen. Beim MotoGP-Test in Sepang gab es eine Menge zu sehen. Die spannendsten Neuerungen im Detail.

Yamaha auf der Suche nach besseren Starts

In der MotoGP-Saison 2019 verlor Yamaha viele Rennen bereits in der Startphase. Das soll in diesem Jahr der Geschichte angehören. Mit besseren Starts, die ein Holeshot-Device ermöglichen soll. Dieses verwendete Yamaha erstmals in Sepang, wie bei den Startübungen klar zu erkennen war.

Seine Premiere in der MotoGP feierte dieses System ja im Vorjahr bei Ducati, wo die Fahrer mit einer Art Flügelmutter auf der Gabelbrücke ihre Desmosedicis 'tieferlegen' konnten, um so am Start mehr Traktion zu generieren. Yamaha hat dieses System nun kopiert. Die Aktivierung erfolgt hierbei aber über ein kleines Rädchen auf der linken Rahmenseite der M1.

Gut zu sehen: Das Rädchen zur Aktivierung - Foto: LAT Images/Motorsport-Magazin.com
Gut zu sehen: Das Rädchen zur AktivierungFoto: LAT Images/Motorsport-Magazin.com

Ducati und das Holeshot-Device 2.0?

Während man bei Yamaha also an einer ersten Version des Holeshot-Devices arbeitet, könnte man bei Ducati schon einen Schritt weiter sein. Das zumindest glauben Teile der Konkurrenz. Ihre Vermutung: Ducati hat ein System entwickelt, mit dem man die Fahrzeughöhe beziehungsweise den Winkel zur Fahrbahn auch nach dem Start noch verändern kann. So könnte man sich etwa beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven einen Vorteil erarbeiten.

Grund für die Spekulationen war das Verhalten der Desmosedicis vor allem beim Herausbeschleunigen aus der engen Zielkurve auf die lange Gerade. Dort waren Dovizioso und Co. in teilweise eigenartig anmutenden Positionen unterwegs, was sowohl außenstehenden Beobachtern als auch Fahrern der Konkurrenz auffiel.

Wie genau dieses System funktionieren soll, ist aktuell noch nicht klar. Fest steht: Elektrisch oder elektronisch kontrollierte Fahrwerke sind nicht erlaubt. Veränderungen dürfen nur durch manuelle, menschlichen oder mechanische respektive hydraulische Eingriff erfolgen. So steht es im technischen Reglement der MotoGP geschrieben. Auch stellt sich die Frage, wie die Fahrer das System aktivieren könnten. Über den Hebel an der Gabelbrücke wäre es bei voller Fahrt definitiv nicht möglich.

Ducati zog wieder viele Blicke auf sich - Foto: LAT Images
Ducati zog wieder viele Blicke auf sichFoto: LAT Images

Aerodynamik-Schlacht geht weiter

Kleinere Aerodynamik-Updates brachten fast alle Hersteller nach Sepang, Honda und Ducati etwa zeigten leicht veränderte Winglets an der Front ihrer Maschinen. Für das aufsehenerregendste Konzept sorgte aber KTM. Pol Espargaro bestritt die Premiere mit einer Variante, die im Bereich des Lenkers wellenförmige Ausschnitte aufwies. Manche Beobachter fühlten sich an den Bissabdruck eines Haifischs erinnert. Über die genaue Überlegung dahinter wollte man bei KTM keine Auskunft geben, vermutet wird aber ein besserer Luftfluss im Bereich der Hände.

Kuriose Verkleidung an der KTM von Pol Espargaro - Foto: Ronny Lekl
Kuriose Verkleidung an der KTM von Pol EspargaroFoto: Ronny Lekl

Alle neu bei Aprilia

Auch die Verkleidung der Aprilia hat sich über den Winter verändert, doch an der RS-GP wurde generell so ziemlich alles umgekrempelt, was man einer MotoGP-Maschine so verändern kann. Die Aerodynamik ist wie erwähnt völlig neu, der Rahmen wurde abgeändert, der Motor bekam mit 90 Grad einen neuen Öffnungswinkel verpasst und auch die Architektur der gesamten Auspuffanlage brachte man auf den neuesten Stand.

Im Vergleich: Die Aprilia RS-GP am Saisonende 2019... - Foto: LAT Images
Im Vergleich: Die Aprilia RS-GP am Saisonende 2019...Foto: LAT Images
...und beim Sepang-Test 2020 - Foto: LAT Images
...und beim Sepang-Test 2020Foto: LAT Images