"Das Podium war mein Ziel", verrät Valentino Rossi nach dem MotoGP-Rennen von Le Mans. Ein Ziel, dass er verpasste. Von Platz fünf aus gestartet konnte der Yamaha-Star zwar zu Beginn Boden gut machen und lag zwischenzeitlich auf Rang drei, dann pendelte sich Rossi aber auf P5 ein. Die gesamte zweite Rennhälfte verbrachte er auf dieser Position.

Gegen die Ducatis von Andrea Dovizioso, Danilo Petrucci und Jack Miller auf den Rängen zwei bis vier machte er keinen Stich, gegen Sieger Marc Marquez erst recht nicht. "Es war ein schwieriges Rennen", analysiert Rossi. "Mein Start war gut und ich habe alles gegeben, aber ich war einfach nicht schnell genug. Ich habe auf den Geraden und in der Beschleunigung aus langsamen Kurven zu viel Zeit verloren."

Das kann freilich viele Gründe haben: Elektronikprobleme, mangelnder Abtrieb durch die Winglets oder zu wenig durch das Chassis erzeugter Grip. Für Valentino Rossi liegt das Grundübel aber ganz wo anders. "Uns fehlt es einfach an Motorleistung", gibt er bereitwillig zu und spricht damit die Worte aus, die jedem Hersteller wohl am meisten schmerzen.

Rossi und Yamaha mit schwachem Topspeed

"Es sieht so aus, als hätten die anderen Hersteller in diesem Bereich einen Schritt nach vorne gemacht, vor allem Honda. Nun ist der Unterschied auf den Geraden eben sehr groß", so Rossi. Ein Blick in die Topspeed-Liste aus Le Mans bestätigt Rossis Aussagen. Mit 300,1 Stundenkilometer fehlten ihm 10,8 km/h auf den Bestwert von Andrea Dovizioso. Nur drei Piloten waren langsamer als Rossi: Die auf ihren Ersatzmaschinen gestarteten Joan Mir und Karel Abraham sowie Tito Rabat, der nur drei Runden weit kam.

Rossi und seiner Crew sind beim Motor die Hände gebunden - Foto: Monster Yamaha
Rossi und seiner Crew sind beim Motor die Hände gebundenFoto: Monster Yamaha

Yamaha befindet sich also wieder in Problemen mit dem Motor. Im Vorjahr sorgte dieser ja für viel zu hohen Reifenverschleiß, was Rossi und Vinales in den Schlussphasen der Rennen jegliche Chancen raubte. "Da haben wir uns gesteigert. Das Motorrad ist wirklich gut zu fahren. Aber den Topspeed müssen wir verbessern", fordert Rossi.

Die Frage ist nur: Wie soll das gelingen? Die Motoren werden vor dem ersten Rennen in Katar versiegelt, für den Rest der Saison ist keine Weiterentwicklung möglich. "Ich glaube nicht, dass wir uns stark verbessern werden können", weiß auch Rossi. "Die Situation ist jetzt eben, wie sie ist. Wir haben auch Stärken. Das Motorrad ist gut zu fahren." Ob das alleine reichen wird?