15 Grad Außentemperatur, 19 Grad auf der Strecke, dazu hohe Luftfeuchtigkeit - das waren die Bedingungen für das MotoGP-Rennen in Le Mans. Verhältnisse, die dem sonst so sicheren Marc Marquez wohl gehörig ins Grübeln gebracht haben. Denn genau bei solchen Verhältnissen hat er schon des Öfteren seine Honda weggeworfen. Etwa 2014 und 2016 auf Phillip Island oder 2017 in Termas de Rio Hondo.

Weil Marquez der wohl härteste Bremser im MotoGP-Feld ist und dadurch im Normalfall immer einen Vorderreifen wählen muss, der mindestens eine Stufe härter ausfällt als der seiner Konkurrenten auf Ducati, Suzuki oder Yamaha. Ansonsten läuft Marquez Gefahr, den Vorderreifen durch zu heftige Bremsmanöver zu überbeanspruchen. Bei niedrigen Temperaturen bietet ein härterer Reifen aber freilich besonders wenig Grip, was das Risiko von Stürzen erhöht.

In Marquez setzte Marquez deshalb auf eine für ihn ungewöhnliche Strategie und wählte wie fast das gesamte Feld den Soft-Slicks am Vorderrad, nur Honda-Kollege Cal Crutchlow entschied sich für den Medium. "Normalerweise habe ich bei kühlen Temperaturen immer Probleme, aber hier konnte auch ich den weichsten Vorderreifen wählen. Ich habe mich damit im Warm Up gut gefühlt und wusste, dass ich so die Pace hatte, um das Rennen zu gewinnen", erklärt Marquez.

Marquez tritt Flucht nach vorne an

Der Repsol-Honda-Pilot wusste aber auch, dass Überhitzung am Vorderreifen für ihn eine ständige Gefahr war. Umso mehr, wenn dieser beim Fahren hinter anderen Motorrädern nicht ausreichend Kühlung erhalten würde. "Deshalb wollte ich unbedingt immer Führen und habe voll gepusht, um frische Luft zu bekommen", verrät er. Das gelang Marquez in 25 von 27 Runden, nur vom fünften bis siebten Umlauf musste er sich hinter Jack Miller einreihen.

Als sich Marquez die Führung von Miller zurückgeholt hatte, trat er die Flucht nach vorne an. In den folgenden 14 Runden war er immer schneller als sein erster Verfolger und fuhr so einem schließlich ungefährdeten Sieg entgegen. "Ich bin heute wirklich gut und sehr sanft gefahren. Nur mit Petrucci und Miller musste ich kurz kämpfen, ansonsten hatte ich alles unter Kontrolle: Motorrad, Reifen...", stellte Marquez zufrieden fest.

Jack Miller konnte Marquez nur kurz fordern - Foto: LAT Images
Jack Miller konnte Marquez nur kurz fordernFoto: LAT Images

Für Marquez war es der dritte Sieg im fünften Saisonrennen, dennoch liegt er nur acht Punkte vor einem ersten WM-Verfolger Andrea Dovizioso. "Für die Nullnummer in Austin bezahlen wir jetzt natürlich", weiß der Titelverteidiger. "Das zeigt, dass wir konzentriert bleiben müssen, denn Dovi ist immer vorne dabei. So ist er ein harter Gegner um den WM-Titel."