Es war wieder einmal ein kollektives Donnerwetter, das nach dem Regenrennen der MotoGP in Brünn auf Einheitsreifenhersteller Michelin hereinbrach. Gleich an mehreren Bikes lösten sich die Vorderreifen in ihre Einzelteile auf. Motorsport-Magazin.com arbeitet das Reifen-Dilemma beim Tschechien-GP nochmal von ganz vorne auf:

Michelin-Desaster beim Tschechien-GP: Die betroffenen Fahrer

Am deutlichsten wurden die Probleme mit den Michelin-Regenreifen in Brünn sicherlich beim Ducati-Trio Andrea Iannone, Andrea Dovizioso und Scott Redding sichtbar. Doch das Problem der auflösenden Reifen betraf nicht nur die Roten, sondern auch Honda, Yamaha und Suzuki. Denn weitere Leidtragende waren beim Tschechien-GP Jorge Lorenzo, Bradley Smith, Dani Pedrosa und Maverick Vinales. Die beiden Erstgenannten kamen im Laufe des Rennens sogar zum Reifenwechsel an die Box, weil der vordere Pneu hinüber war! Das Reifenproblem im Nassen ist also nicht herstellerspezifisch, sondern betrifft alle die involviert sind.

Das war Lorenzo, Iannone und Co. in Brünn passiert

Fall 1 (Der Vorderreifen löst sich in seine Einzelteile auf): Dieser Fall ist bei Jorge Lorenzo sowie dem Ducati-Trio Iannone, Dovizioso und Redding eingetreten. Lorenzo sah sich sogar dazu gezwungen, zu einem Boxenstopp hereinzukommen. "Ich habe auf Slicks gewechselt, aber das war zu gefährlich. Ich wollte nur die Runde beenden und dann erneut das Bike wechseln. Es war es nicht wert, mit Slicks draußen zu bleiben. Mit dem ersten Reifen hätten wir das Rennen nicht beenden können", meinte Lorenzo nach dem Rennen.

Glaubt man Scott Reddings Ausführungen, dann war das Fahren auf einem nicht mehr vollständigen Vorderreifen sogar schlimmer als ein explodierender Hinterreifen: "Ich konnte nichts dagegen machen, das war schon beängstigend. Ich hatte ja in Argentinien schon mal einen Reifenplatzer und weiß also, wie sich sowas anfühlt. Aber das heute hat sich noch viel schlimmer angefühlt", schlug Redding Alarm. An ein Top-Ergebnis war für dieses Quartett jedenfalls nicht mehr zu denken.

Fall 2 (Die Performance hat dramatisch nachgelassen): Etwas harmloser ist dieser Fall, der bei Suzuki-Pilot Maverick Vinales aufgetreten ist. Vinales konnte sich so aber über die gesamte Renndistanz in den Top-10 halten. Im Zielsprint griff er sogar noch Andrea Iannone an, dessen Reifen völlig zerstört waren, doch Vinales verpasste Platz acht um 19 Tausendstel. "Wir sind auf den weichen Reifen gestartet und haben gedacht, dass es viel schneller auftrocknet, um wechseln zu können. Das ist aber nicht passiert und so hat die Performance stark nachgelassen", ärgerte sich Vinales nach dem Rennen.

Fall 3 (Kein Gefühl für die Front): Damit kämpft Dani Pedrosa schon seit längerer Zeit, doch besonders schlimm trifft es ihn bei kühlen oder nassen Verhältnissen. So auch in Brünn, als Pedrosa abgeschlagen als Zwölfter ins Ziel rollte. "Seitdem sie in Assen einen neuen Vorderreifen gebracht haben, habe ich kein Gefühl mehr für die Front. Außerdem hat die Front beim bremsen dauernd blockiert, daher musste ich überwiegend die Motorbremse verwenden. Ich weiß nicht woran es liegt, vielleicht am Setting. Aber ich habe kein Gefühl beim bremsen", so ein verzweifelter Pedrosa. Damit stand Pedrosa jedoch nicht alleine da.

Auch Danilo Petruccis Vorderrad blockierte in Brünn regelmäßig auf der Bremse. Der Pramac-Pilot meisterte die Bedingungen aber wesentlich besser und wurde am Ende noch Siebter. "Vielleicht, weil ich nicht so hart gebremst habe. Denn im Warm Up haben die Bremsen stark blockiert und ich hatte Angst, das Bike zu verlieren. Deswegen haben ich zu Rennbeginn sehr weich gebremst", spekulierte Petrucci. Angenehmer Nebeneffekt: Er hat dabei seinen weichen Vorderreifen wesentlich besser geschont als seine Markenkollegen Iannone, Dovizioso und Redding.

So heftig kritisierten die MotoGP-Piloten Michelin

Jorge Lorenzo war einer der Fahrer, der nach dem Tschechien-GP gegen Michelin schoss - Foto: Yamaha
Jorge Lorenzo war einer der Fahrer, der nach dem Tschechien-GP gegen Michelin schossFoto: Yamaha

Andrea Dovizioso: "Ich war nicht zu sehr überrascht darüber, was mir passiert ist. Der weiche Vorderreifen ist sehr, sehr soft, und wenn nicht viel Wasser auf der Strecke ist, dann kann sowas passieren. Aber ich bin nicht glücklich über die Auswahl. Wir hatten hier den extraweichen Reifen vom Sachsenring dabei und den härtesten. Der Abstand zwischen diesen Mischungen ist meines Erachtens einfach zu groß, man kann nicht jedes Mal mit diesen beiden Reifen zum Rennen fahren. Ich denke nicht, dass das die richtige Wahl ist. Ich glaube, Michelin hat die Situation im Regen immer noch nicht unter Kontrolle. Wir brauchen für solche Bedingungen mehr Spezifikationen."

Jorge Lorenzo: "Ich wünschte, ich hätte dieses Problem mit den Reifen nicht gehabt. Der Vorderreifen war am Limit von der Konstruktion her. Einige Fahrer hatten diese Probleme. Es hat auch beide Ducatis und Maverick erwischt. Das sollte nicht passieren. Michelin muss andere Reifen machen, damit so etwas nicht noch einmal passiert. Abnutzung ist okay, aber dass Teile aus dem Reifen fliegen, das darf einfach nicht passieren."

Scott Redding: "So eine Scheiße sollte nicht passieren! Reifen sollten nicht auseinanderfallen, sondern einfach nur nachlassen. Ich konnte nichts dagegen machen, das war schon beängstigend. Ich hatte ja in Argentinien schon mal einen Reifenplatzer und weiß also, wie sich sowas anfühlt. Aber das heute hat sich noch viel schlimmer angefühlt!"