Am Tag nach dem tödlichen Unfall von Moto2-Pilot Luis Salom in Barcelona steht die Motorrad-Welt am Circuit de Catalunya noch immer unter Schock. Dorna-Boss Carmelo Ezpeleta und FIM-Sicherheitschef Franco Uncini stellten sich am Samstag vor den Qualifyings den Medien und erklärten die Entscheidungen des gestrigen Abends. Das Protokoll der Stunden nach dem fatalen Unfall:

Sitzung der Safety Commission

Um 17.30 Uhr fand eine ohnehin geplante Sitzung der Safety Commission statt, in der neben Dorna und FIM auch Fahrer teilnehmen konnten. Zehn Fahrer nahmen diese Gelegenheit wahr. "Wir haben dort alle Informationen preisgegeben, die wir hatten", erklärte Ezpeleta. Danach hielt die Commission Rücksprache mit Luis Saloms Team, ob dieses eine Absage oder eine Fortführung des GP-Wochenendes wünsche. Der Rennstall stellte dem Gremium einen Freibrief aus, jede Entscheidung zu akzeptieren. Nach Rücksprache mit Saloms Familie, die sich für eine Fortführung des Wochenendes aussprach, entschied man sich gegen eine Absage.

So wog die Safety Commission die vorhandenen Optionen ab und fragte danach die Fahrer nach deren Meinung. "Nicht ein einziger Fahrer plädierte danach auf die Absage des Wochenendes", so Ezpeleta. "Mit dem gleichen Layout wollten wir allerdings nicht weitermachen, da die konkrete Unfallursache noch immer unklar ist. Und was einmal passiert, kann auch ein zweites Mal passieren. Doch hier auf dem Circuit de Catalunya hatten wir glücklicherweise Optionen."

Die Veränderung der Strecke

Formel 1 und MotoGP fahren auf dem Circuit de Catalunya unterschiedliche Layouts. Die schnelle Rechtskurve Turn 12, in der Salom am Freitag verunglückte, kann daher umfahren werden. Denn die Formel 1 biegt in einer Schikanen-Passage schon vor Turn 12 scharf rechts ab und kommt in einer Doppel-Schikane 14/15 wieder auf die ursprüngliche Strecke zurück. Diese Option wurde von der MotoGP vor zwei Jahren schon einmal getestet, allerdings für nicht attraktiv genug empfunden.

Da man Turn 12 nicht fahren, das Rennen aber durchführen wollte, entschied an sich am Samstagabend nach einer Begehung mit den Fahrern für diese Option. Allerdings mussten über Nacht ein paar mobile Begrenzungsmauern nach außen versetzt werden, eine zusätzliche Auslaufzone mit Airfence geschaffen werden und an einer Stelle wurde die Streckenmarkierung neu gesetzt. "Einer der Bremspunkte war zu nahe an einer Mauer. Daher zogen wir die weiße Linie zwei Meter weiter innen und stellten klar, dass niemand diese Linie beim Anbremsen überqueren dürfe", führte FIM-Sicherheitschef Uncini aus.

Umgebaut wurde allerdings auch die Passage rund um Kurve 10, eingangs des letzten Sektors. Statt einer langgezogenen Linkskurve geht es nun scharf nach links. "Ich habe keine Ahnung, wieso sie auch diese Passage verändert haben", wunderte sich Valentino Rossi.

Die beiden Layouts im Vergleich - Foto: Motorsport-Magazin.com
Die beiden Layouts im VergleichFoto: Motorsport-Magazin.com

Die Ursache des Salom-Unfalls

Fast 24 Stunden nach dem tödlichen Crash ist die Ursache noch immer ungeklärt. Ezpeleta und Uncini konnten am Samstag keine konkreten Gründe für den Unfall nennen. "Man sieht in den Videos, dass er weit abseits der Linie ist und dann irgendetwas passiert. Aktuell sehen wir uns noch das Motorrad und die Telemetrie an. Leider können wir daher noch keine Erklärung abgeben", bedauerte der Dorna-Boss. Was zum Tod von Salom geführt haben dürfte, ist mittlerweile aber klar: "Er ist mit dem Körper in sein eigenen Motorrad gestürzt, das vom Airfence zurückgeworfen wurde."

Die Auswirkungen des Unfalls auf die Strecke

Die schnelle Kurve 12 mit der asphaltierten Auslaufzone könnte nach Saloms Tod ausgedient haben. Zumindest in der aktuellen Form. Drei Optionen scheinen als gangbarer Weg für die Zukunft dieses Streckenabschnitts:

Beibehaltung des F1-Layouts: Bereits vor zwei Jahren getestet, muss das Formel-1-Layout der Strecke am Sonntag seine Nagelprobe für die MotoGP bestehen. "Wir werden in Assen mit den Fahrern über ihre Erfahrungen sprechen und uns dann auch noch einmal genau die Daten von Saloms Unfall ansehen", sagt Uncini. Erst dann wird entschieden, ob die F1-Variante in der Motorrad-WM eine Zukunft hat.

Kiesbetten in der Auslaufzone von Turn 12: Kiesbetten verschwinden aus der Formel 1, doch in der MotoGP sind sie eine gern gesehen Pufferzone für Mensch und Maschine. Dass Salom und sein Motorrad mit so hoher Geschwindigkeit in den Airfence einschlugen, liegt vor allem daran, dass sie vom Asphalt kaum gebremst wurden. Womöglich hätte der Crash mit einem Kiesbett an dieser Stelle weniger schlimm geendet. Da die Formel 1 Turn 12 ja gar nicht nutzt, sollte es kein Problem sein, die asphaltierte Auslaufzone durch ein Kiesbett zu ersetzen. "Ja, das könnte für die Zukunft eine Überlegung sein", bestätigte Ezpeleta.

Neuasphaltierung der Strecke: Schon vor Saloms Unfall beschwerten sich viele Fahrer über geringen Grip und viele Bodenwellen. Der Asphalt am Circuit de Catalunya ist definitiv in die Jahre gekommen. Sollte sich im Rahmen der Unfallanalyse herausstellen, dass der Streckenbelag ein Faktor bei Saloms Crash war, könnte die MotoGP von den Streckenverantwortlichen eine Neuasphaltierung einfordern. "Davon sind wir aber noch weit entfernt. Zunächst müssen wir den Unfall genau analysieren", so Uncini.