Nach dem Knaller-Rennen von Mugello war MotoGP-rennfreies Wochenende. Aber irgendwie nicht so ganz. Denn MotoGP lässt einen nicht los. Nie. Und es ist sehr schön zu beobachten, dass im Autoland Deutschland das Interesse an der MotoGP stetig zunimmt. Zu beobachten war das am letzten Wochenende in der Eifel. Bei einem Klassiker auf vier Rädern. Dem Autorennen, das meiner Meinung nach der MotoGP am nächsten kommt. Das 24h-Rennen auf der Nordschleife ist legendär. Ein Mythos, ein Monument des Motorsports. Was das mit dem anstehenden MotoGP-Rennen in Barcelona zu tun hat? Eigentlich nichts, außer dass es Motorsport ist. Das 24h-Rennen in der grünen Hölle kommt der MotoGP sehr nah. Was die Atmosphäre und die Stimmung angeht. Aber auch, was den Sport angeht. So eng wie in diesem Jahr war die Entscheidung noch nie. Ein Krimi. In jedem Fall ein traumhaftes Erlebnis, mit dabei gewesen sein zu dürfen.

Fan-Wahnsinn bei den 24h am Nürburgring: (01:42 Min.)

24h-Rennen als Vorbild für MotoGP

Wie im Übrigen auch viele Biker, die als Fans in der Eifel die Nacht zum Tage machten. Mein Job war, als Kommentator im Vodafone Live Stream unter anderem mit MotoGP-Moderator Jan Stecker die unglaublichen Bilder in die Wohnzimmer und auf die Campingplätze zu bringen. Und nicht nur Stecker und Mielke hatten einen Heidenspaß. Sondern auch 2,6 Millionen Viewer dieses Stream-Angebots. Eine Zahl, die Stefan Bradl mit folgenden Worten kommentierte: "Das hätten wir in der MotoGP auch gerne mal." Was sicherlich richtig ist. Was man aber erreichen kann. Denn auch das 24h-Rennen in der Eifel stand schon einmal kurz vor dem aus, bis das Rennen reformiert und die Basis für das, was heute daraus geworden ist, gelegt wurde: Das wohl spektakulärste Autorennen der Welt. Eine Erfolgsstory. Bei dem einer wie ich permanent auf die MotoGP gestoßen wurde. Nicht nur von den Fragen der Fans. Sondern beständig auch von den Protagonisten der Autoszene. So viele Fragen zur MotoGP habe ich in Deutschland lange nicht gestellt bekommen. Und das macht doch Mut für meinen Lieblingssport. Irgendwann bekommen wir dieses Standing und diese Reputation auch mal hin. Man muss nur am Ball bleiben.

MotoGP-Affinität und -Interesse gab es nämlich überall in der Eifel. Auch bei der Live-Rekord-Übertragung von RTL Nitro. Denn dort moderierte ein gewisser Alex Hofmann. Die Nummer 66 ist ja selber schon in der Eifel gestartet und war jetzt als Moderator unterwegs, mit Timo Glock an seiner Seite. Der, wenn er kann, kein MotoGP-Rennen verpasst. Auch die RTL-Kollegen Dirk Adorf, Eve Scheer und Miriam Höller fragen immer wieder nach der MotoGP. Frau Höller, Deutschlands einziges Action- und Stuntmodell, schaufelt sich gerade Termine frei, um die MotoGP wieder mal zu besuchen. Denn auch wenn Sie gerade mal nicht aus irgendwelchen Flugzeugen springt, steht Frau Höller auf Action. Zwangsläufig muss die Idee kommen, dass beide Veranstaltungen gar nicht so weit auseinander sind. Ich gestehe, ich nutze auch jede Gelegenheit, um Werbung für Folger und Co. zu machen. Was, wie schon erwähnt, in der Eifel gar nicht so schwer war. Und wenn man das ganze Wochenende drüber redet, kommen einem manchmal auch Ideen. Ob sie gut oder schlecht sind, findet man oft erst in der Zukunft heraus. Denn beim Beobachten der Moderation von Alex Hofmann für RTL Nitro fiel mir wieder ein, wie spannend das war, als damaliger Sport1-Reporter den Kollegen Hofmann für die Zuschauer direkt in seinem BMW 235i interviewen zu können. Auch das war Werbung für den besten Motorsport der Welt.

An der Strecke kann die MotoGP in Deutschland nicht über mangelndes Interesse klagen - Foto: Bridgestone
An der Strecke kann die MotoGP in Deutschland nicht über mangelndes Interesse klagenFoto: Bridgestone

Was auch Barcelona am kommenden Wochenende wieder beweisen wird. Wie schön wäre das, wenn in Deutschland ein Zweikampf wie der vor zwei Wochen in Mugello zwischen Lorenzo und Marquez mal Millionen von Klicks hätte? Wie es in Spanien und Italien längst der Fall ist. MotoGP muss auch in Deutschland in die Medien und darf nicht in Spartenkanälen und Fachmagazinen ein Mauerblümchen-Dasein fristen. Also volle Attacke. Ich bin sicher, Alex Hofmann wird auch am kommenden Wochenende in Barcelona fasziniert von der Grünen Hölle erzählen. Und der Eurosport-Kollege Stecker ebenso.

MotoGP und Nordschleife verschmelzen

Warum also nicht mal beides verbinden? Eine Situation schaffen, die auch der MotoGP in Sachen Bekanntheitsgrad nutzt. Denn vielleicht hat ja Valentino Rossi auch einen Blick in die Eifel riskiert. Auf Autos steht er ja. Stefan Bradl war vor ein paar Jahren auch schon mal als Gast in der Eifel und fand es sensationell. Oder Aleix Espargaro und Ricky Cardus. Die wurden letztes Jahr vor dem Sachsenring-MotoGP-Termin vom 24h-Rekordstarter Volker Strycek durch die grüne Hölle chauffiert. Und einen MotoGP-Fahrer sprachlos wegen einer Rennstrecke zu sehen, kommt auch nicht so oft vor. Die Autoszene wird am kommenden Wochenende wieder sprachlos sein. Wenn sich in Barcelona vielleicht das Rennen von 2009 wiederholt. Was ein Traum wäre. Genauso, wie irgendwann einmal, nach Karriereende, Valentino Rossi in einem gelben Auto mit der 46 als Starter zu sehen. Beim 24h-Rennen wohl gemerkt. Dagegen wäre die Rallye Monza, wo Vale ja schon gewonnen hat, ein Kindergeburtstag.

Bei der Monza Rallye gibt Rossi seit Jahren auch auf vier Rädern Gas - Foto: Monster
Bei der Monza Rallye gibt Rossi seit Jahren auch auf vier Rädern GasFoto: Monster

Marketingtechnisch wäre dieser fiktive Gedanke eine unfassbare Geschichte. Medientechnisch auch. Und zwar im positiven Sinne. Und warum nicht gleich ein reines MotoGP-Auto? Rossi/Bradl/Hofmann/Espargaro gegen unter anderem Luhr/Wittmann/Tomczyk/Glock. Ich finde das klingt geil. Hofmann und Glock sind gleichzeitig Onboard-Reporter, was technisch kein Problem ist und schon ausprobiert wurde. Ich bin sicher, die MotoGP wäre in aller Munde. Und eben nicht nur bei den Insidern wie es im Moment der Fall ist. Coaches und Instruktoren für die MotoGP-Stars könnten die Nordschleifen Legenden Strycek und Adorf sein. Und da Vale sowieso mal Autorennen fahren will, kann ich nur sagen: Es gib keines, das der MotoGP näher kommt. Also auf in die Grüne Hölle. Ein Traum, ja klar. Mittlerweile bin ich gerädert auch wieder aufgewacht. Denn 24h-Rennen sind anstrengend. Wie MotoGP. Und jetzt kommt Barcelona. Mit den Gladiatoren der Neuzeit. Die Autoszene wird wieder zuschauen. Und vielleicht bleibt dieser geschriebene Traum keiner, sondern wird einmal Realität. Ich hätte großen Spaß dran.