Natürlich habe ich mich auch geärgert. Der blaue Rauch aus Valentino Rossis Yamaha war kein Freudenfeuer, sondern ein Rauchzeichen. Und zwar dafür, dass neben dem sagenhaften Können der drei besten MotoGP-Fahrer der Gegenwart auch die Technik eine Rolle spielt. Schade. Extrem schade. Ein paar Runden lang durfte von der Wiederholung des epischen Duells aus dem Jahr 2009 in Barcelona geträumt werden. Bis die Yamaha-Nebelmaschine diese Träume unsanft beendete. Leider.

Dass es trotzdem noch ein Werbesonntag für die MotoGP wurde, lag an den Rennen. MotoGP ist eben nicht nur die Königsklasse. Sondern das Gesamtpaket . Unfassbar: Moto 3. Eine 20 Mann starke Gruppe kämpfte bis zum Schluss um den Sieg. Racing at its best! Die ersten Fünf nur durch 0,077 Sekunden getrennt, der auf Platz 19 eingelaufene Tatsuki Suzuki hatte nur 2,7 Sekunden Rückstand auf den Sieger. Man stelle sich mal vor, man wäre Suzuki. Und sieht nach über 40 Minuten Kampf den Führenden noch. Bitter für Suzuki, toll für die Zuschauer.

Dann das Chaos in der Moto2, mit peinlichen Re-Start-Versuchen. Gut, einen Oscar hat sich die Rennleitung damit nicht verdient, aber ein Thriller war es trotzdem. Leider ohne Happy End für die Deutschen. Trotz Top-Material haben unsere Jungs im Moment die Seuche. Es ist kein Zufall, dass das Moto2-Rennen vom Titelverteidiger und dem wohl nervenstärksten Fahrer der mittleren Kategorie gewonnen wurde. Dabei war genau das auch für Johan Zarco alles andere als einfach. 20 Starter im Qualifying in einer Sekunde. Auch Moto2 macht einfach nur Spaß. Und zwar Extrem.

Schon das Moto2-Rennen bot Action pur - Foto: Tobias Linke
Schon das Moto2-Rennen bot Action purFoto: Tobias Linke

MotoGP schlägt alles

Und dann die Königsklasse. Ein blöder Defekt beraubte die MotoGP-Fans einer nie dagewesen Party in Gelb. Und trotzdem ein Happy End. Mit einer sagenhaften letzten Runde. Mit einem tollen Duell um Platz drei. Und mit einem cleveren Stefan Bradl, der trotz Schwierigkeiten mit der Aprilia wieder Punkte sammelte. Vor allen Dingen auch bei seinem Arbeitgeber, denn Teamkollege Bautista kam grad mal 500 Meter weit. Wobei das im Moment nur Randgeschichten sind.

Denn bis zu dem Moment, an dem zum zweiten Mal am Rennsonntag ein Yamaha-Motor hoch ging, war Mugello eine italienische Oper in Gelb. Der Dirigent: Valentino Rossi. Natürlich mit Mugello-Spezialhelm. Und gar nicht so natürlich. Mit der Pole im Qualifying am Samstag. Das war ein entscheidender Unterschied zu den letzten Jahren. Und lies die Italienischen Massen strömen. Klar, Mugello war und ist etwas Besonderes. Aber der Fan-Aufmarsch vom Wochenende zeigte einmal mehr überdeutlich, dass die Welt der MotoGP in erster Linie nur von einem gelenkt wird. Und das nach dem unrühmlichen Theater Ende 2015. Was weltweit viele eingefleischte Fans zur MotoGP-Lustlosigkeit animierte. Und dazu führte, dass die Organisatoren der Dorna für das Mugello-Wochenende Bodyguards an der Seite von Jorge Lorenzo und Marc Marquez platzierten.

Lorenzo und Marquez ließen sich von den Pfiffen der Fans nicht beeindrucken - Foto: Repsol
Lorenzo und Marquez ließen sich von den Pfiffen der Fans nicht beeindruckenFoto: Repsol

Bodyguards an der Seite von Motorrad-Rennfahrern? Bedenklich. Zum Glück unnötig. Vielleicht auch, weil Marc Marquez klar machte, dass er sich auch ohne laufende Kleiderschränke namens Security in Mugello durchaus sicher fühlte. Und äußerst engagiert Autogramme schrieb. Na klar, da hat einer was gut zu machen. Und er versucht es wenigstens. Sehr schön auch, dass der Medizinmann der MotoGP sich zum Häuptling machte, indem er seine Fans dazu aufrief, allen Fahrern den nötigen Respekt zu zollen. Danke Valentino, für dieses Polemik entschärfende Statement.

MotoGP blickt goldener Zukunft entgegen

Für die Zukunft unseres geliebten Sports sind das ganz wichtige Signale. Wie dann auch der Rennsonntag. Nicht nur für den anwesenden Fernando Alonso sind die Moto-GP Stars die wahren Helden der Motorsport-Gegenwart. Sondern für jeden der Rennsport liebt. Und Sonntag war allerbester Rennsport. Allein beim Gedanken an die ersten Runden und die Duellen zwischen den beiden noch Yamaha fahrenden Alphatieren mit der 46 und der 99 stellt sich eine Gänsehaut ein. Kurz unterbrochen vom blöden Defekt an Häuptling Vales Yamaha. Natürlich ein blöder Moment. Und auch wenn Tausende Rossi-Fans umgehend Mugello verlassen haben, wurde es doch noch ein MotoGP-Fest. Und zwar eines für die Geschichtsbücher. Auch weil es Applaus für die Drei auf dem Podest gab. Und nicht nur Pfiffe. Ob das an Rossis beschwichtigenden Worten von Donnerstag lag, an der Tatsache, dass viele Gelbkappen die Strecke bereits verlassen hatten oder daran, dass die Dorna bei Siegerehrungen mittlerweile die Atmo-Mikrophone runterpegelt, sei dahin gestellt.

Neben Pfiffen gab es auch eine Menge Jubel und Applaus für die Top-Drei - Foto: Yamaha
Neben Pfiffen gab es auch eine Menge Jubel und Applaus für die Top-DreiFoto: Yamaha

Vielleicht lag es ja auch ein wenig an dem sensationellen Rennen. Und der sagenhaften letzten Runde zwischen Lorenzo und Marquez. Wenn jetzt noch Rossi dabei gewesen wäre… Aber nehmen wir das Positive. Rennsport toll. Atmosphäre super. Fan-Verhalten gut. Na bitte! Es geht doch. Und da die WM noch lang genug ist, besteht Hoffnung. Hoffnung auf weitere MotoGP-Feste. Und wenn Vales Yamaha nicht in Rauch aufgeht, können die drei besten Fahrer der Gegenwart die Schmach von 2015 endgültig vergessen machen. Mit feinstem Rennsport. Und ganz ohne Polemik auf der Rennstrecke. Und nicht mit Wortgefechten und Politik auf Pressekonferenzen. Lorenzo und Marquez haben dafür am Sonntag eine Vorspeise auf Sterneniveau geliefert. Vielleicht kommt ja schon in zwei Wochen der mit drei ganz edlen Gewürzen verfeinerte Hauptgang. Ich sage nur 'Barcelona 2009'! Seit dem Mugello-Rennen kann ich es kaum abwarten, dass es weiter geht. Diese Saison wird noch ganz spektakulär. Vor allen Dingen, wenn die Fans sich an Valentino Rossi halten und alle Fahrer mit Respekt behandeln. Also keine Pfiffe mehr für die, die es aufs Podest geschafft haben. Und zwar egal ob in Barcelona, Assen oder am Sachsenring. Einfach Racing Pur. And the winner will be: MotoGP!