Natürlich war am Ende des Tages der Renn-Sonntag in Termas de Rio Hondo für Fans ein sehr unterhaltsamer. Aber bei aller Begeisterung über die momentan beste Rennserie der Welt wirft das letzte Wochenende auch einige Fragen auf. Zumal ja im Zuge der chaotischen Ereignisse fast untergangen ist, dass der Vertrag mit dem argentinischen Veranstaltern um drei Jahre verlängert wurde.

Und das wird trotz des schönen Streckenlayouts und der sensationellen Begeisterung der Fans nicht jedes Mitglied des MotoGP-Fahrerlagers freuen. Denn überhaupt in die kleine Provinzstadt am Rande der Anden zu kommen, ist langwierig und mühsam (Marc Marquez brauchte 60 Stunden). Wenn man es dann irgendwie geschafft hat, ist man eigentlich auch sofort wieder froh, wenn man an die Abreise denkt. Denn die Hotelpreise etwa haben Wegelagerer-Niveau. Dieser kleine Randaspekt betrifft insbesondere die kleineren Teams in der Moto3 und der Moto2.

MotoGP-Fahrer sind keine Kehrmaschinen!

Termas de Rio Hondo ist also schon mal teuer. Aber eben auch gefährlich. Denn wie kann man bei all den Millionen, die in der MotoGP fließen, so etwas wie den vergangenen Trainings-Freitag überhaupt zulassen? Die besten Fahrer der Welt reisen ans andere Ende des Planeten, um erst mal eine Rennstrecke zu putzen. Absolut fragwürdig, natürlich auch gefährlich und eigentlich unzumutbar!

Da auf der Rennstrecke im Norden Argentiniens so gut wie nie Rennen stattfinden, war der Asphalt so dreckig, dass von Zeitenjagd oder Abstimmungsarbeit am ersten Tag nicht wirklich gesprochen werden konnte. Völlig unverständlich, dass die Rennleitung in solch einem Fall nicht darauf besteht ,die Strecke zu säubern. Von daher hat die Dorna schon am ersten Tag Glück gehabt, dass aufgrund der Bedingungen nichts passiert ist. Und dass sämtliche Fahrer mit bewundernswerter Gleichmut Putzkolonne gespielt haben. Ich hoffe, dass die Dorna für die nächsten drei Jahre die Anschaffung einer Kehrmaschine in die Verträge mit dem Promoter verankert hat.

Spannend war das Rennen ja, sicher aber nicht mehr - Foto: Milagro
Spannend war das Rennen ja, sicher aber nicht mehrFoto: Milagro

Wenn so viele Fahrer lieber in der Box sitzen bleiben statt dringend benötigte Daten zu sammeln, stimmt definitv etwas Wesentliches ganz und gar nicht. Dass dann am Samstag alles noch gefährlicher wurde, ist ein hausgemachtes Problem. Vielleicht kommt mal irgendjemand auf die Idee, die durch Stürze bei den bisherigen Tests und den beiden Rennen verursachten Kosten auszurechnen. Die Vermutung liegt nahe, das bei der Summe vom Gedanken der Kostenreduzierung nicht mehr allzu viel übrig bleibt.

Neue Reifen, neue Elektronik - zu viel auf einmal?

Vielleicht ist es auch einfach zu viel des Guten gewesen, mit Einheitselektronik und dem neuen Einheitsreifen zwei zentrale Parameter auf einmal zu ändern?! So wird jeder neue Ausflug auf eine neue Strecke zu einer Art Glücksspiel - bei dem mit Scott Redding jetzt schon zum zweiten Mal ein MotoGP-Fahrer wie eine mit 270 PS bewaffnete Laborratte daher kam. Sowohl Loris Baz beim Test in Malaysia, als auch Redding in Argentinien hatten nach ihren Reifenschäden riesiges Glück. So etwas kann, so etwas darf nicht passieren!

Die dann entwickelte Idee, das Feld am Sonntag mit einem zusätzlichen Training und einem so gut wie gar nicht getesteten Beton-Reifen ausrücken zu lassen, ist beinahe fahrlässig. Zum Glück machte dann am Sonntag das Wetter diesen gestörten Gedankengängen einen Strich durch die Rechnung. Dazu die ewigen Bedenken aufgrund des Michelin-Vorderrad-Feelings. Nein, so geht richtiger, fairer Rennsport nicht!

Wie dann auch die Sturzorgie im Rennen eindrucksvoll unter Beweis stellte. Dass es dabei auch glückliche Menschen gab, ist eine Randerscheinung. Stefan Bradl wäre in einem normalen Rennen niemals Siebter geworden. Was natürlich seine Leistung nicht schmälern soll. Aber es kann doch nicht im Sinne des Erfinders sein, ein ganzes Fahrerlager um die Welt zu transportieren, um dann erst Sonntagmorgen nach stundenlangen Diskussionen den endgültigen Modus für das Rennen bekannt zu geben.

Einer blieb im hitzigen Rennen wieder völlig cool: Valentino Rossi - Foto: Milagro
Einer blieb im hitzigen Rennen wieder völlig cool: Valentino RossiFoto: Milagro

Okay, es war dann sehr unterhaltsam. Aber es war auch sehr gefährlich! Manche Fahrer gingen sogar zweimal zu Boden. Und wir reden von den besten Motorradfahrern der Welt . Motorsport-Magazin.com hat ja bereits genau analysiert, wie gefährlich solch ein Flag to Flag Rennen ist. Trotz allen Nervenkitzels bleibt es ein fragwürdiges Verfahren. Und deshalb haben Dorna, Michelin und die gesamte MotoGP-Gemeinde gerade nochmal Glück gehabt. Denn wer die Szene gesehen hat , als Alvaro Bautista beim Bike-Wechsel einen seiner Mechaniker über den Haufen fährt, der weiß , dass eine Katastrophe sehr nahe war.

Und wer wäre dann Schuld gewesen? Bautista? Die Rennleitung, weil Sie das Flag to Flag Rennen beschloss? Oder doch Michelin, weil die Franzosen trotz langer Vorbereitungszeit nicht in der Lage sind, Material zu liefern, das für einen regulären Rennbetrieb genügt? Also muss schleunigst Schluss sein mit diesen lotterieähnlichen Wochenenden!

Jetzt kommt mit Austin eine der schönsten Strecken im Kalender. Aber bei aller Vorfreude: Wer weiß was da wieder alles passiert? Im Moment ist MotoGP vor allen Dingen für die Fahrer der Königsklasse an jedem neuen Wochenende ein Trip ins Ungewisse. Hoffen wir also, dass das Glück nicht überstrapaziert wird. Hoffen wir auf tollen Rennsport. Und zwar in einem normalen Format. Und nicht wieder in irgendeinem riskanten Notfall-Szenario.

Andrea Iannone sorgte für einen Eklat im Ducati-Lager - Foto: Repsol
Andrea Iannone sorgte für einen Eklat im Ducati-LagerFoto: Repsol

Der Sport ist, auch wenn er ganz regulär durchgeführt wird, spannend und spektakulär genug! Siehe den heldenhaften Ritt des jungen Pawi aus Malaysia in der Moto 3. Oder der spannende Kampf mit deutscher Beteiligung um den Sieg in der Moto2. Oder der Depp des Wochenendes mit dem Spitznamen "The Maniac" in der MotoGP. Alles beste Motorsport-Unterhaltung, ganz ohne merkwürdige Rennabläufe.

Also freuen wir uns auf ein hoffentlich normales Rennwochenende in Austin. Chaos in Kombination mit ganz viel Glück, hatten wir jetzt zur Genüge.