Okay, okay. Es war natürlich nicht alles toll. Die Performance der Deutschen zum Beispiel. Auch die gelbe Fan-Armada dürfte mehr erwartet haben. Oder die Rennleitung, die sich immer noch wundern wird, warum Sie die Frühstarts von Franco Morbidelli und Sandro Cortese erst nach 30 Minuten bemerkt hat. Jeder aufmerksame Beobachter auf dem Sofa hat dies nämlich sofort gesehen. Womit wir aber beim entscheidenden Punkt sind. Dem Zuschauer wurde nämlich einiges an Spektakel geboten. Inklusive Dramen und schwer Verdaulichem.

Aber auch und vor allen Dingen beste Motorsportunterhaltung. Mit drei spektakulären Rennen. Mit viel Spannung und viel Diskussionsstoff. Spektakel auf und neben der Strecke, genau so wie es sein soll. Zum Beispiel die Millimeter-Entscheidung in der Moto3. So muss Rennsport sein. Zwanzig Fahrer in einer Sekunde im Qualifying, einen Kilometer vor dem Ziel noch acht Siegkandidaten und dann ein Fotofinish. Perfekt. Außer vielleicht die Anfangsphase unserer Hoffnung Philipp Öttl. Die hat er nämlich mal wieder verpennt. Was schade ist, denn so klasse, wie er am Ende Platz neun gegen starke Gegner eroberte, wäre wohl wesentlich mehr drin gewesen.

Öttl kam im Katar-GP erst spät auf Touren - Foto: Schedl GP
Öttl kam im Katar-GP erst spät auf TourenFoto: Schedl GP

Was natürlich genau so für die Moto2 gilt. Und zwar nicht nur aus deutscher Sicht. Unvorstellbar, das von den Top-Leuten nur Tom Lüthi und Jonas Folger gut starteten. Alle anderen mit kollektivem Blackout. Hat es so wohl auch noch nie gegeben. Das komplette Handling der Rennleitung anschließend auch nicht. In kleinen Häppchen wurden die Sünder bestraft. Eigentlich unfassbar. Johan Zarco zum Beispiel hat selbst sein Vergehen bemerkt und kam zur Durchfahrtsstrafe, bevor diese überhaupt angezeigt war. Mehr als unverständlich, dass es dann bei Morbidelli und Cortese so lange dauerte, bis es keine Durchfahrtstrafe mehr geben konnte, sondern eine 20-Sekunden-Strafe. Nach dem Rennen wohlgemerkt. Nicht auszudenken, was los wäre, wenn Tom Lüthi im Kampf um den Sieg gegen Morbidelli gestürzt wäre. So wie es Jonas Folger passiert ist. Der sicherlich auch etwas weniger Risiko genommen hätte, wenn er von den Penaltys gewusst hätte.

Lüthi untermauert Titelanwärterschaft

So war es Deutscher Sicht lediglich eine Formüberprüfung mit dem Resultat, dass das Tempo von Folger, Schrötter und Cortese passt. Nur muss in der Moto2, in der auch wieder 14 Fahrer im Qualifying in einer Sekunde lagen, dann im Rennen alles passen. Wie bei Tom Lüthi, der nach verkorkstem Quali ein sensationelles Rennen zeigte. Erfahrung gepaart mit Siegeshunger. Tom Lüthi will bis zum Schluss um den Titel mitfahren und hat eindrucksvoll gezeigt, warum er einer der Titelkandidaten sein kann. Alles wie immer also in den kleinen Klassen. Beste Rennsportunterhaltung. Was dann auch die Königsklasse bestätigte.

Lüthi hatte allen Grund zum Jubeln - Foto: Derendinger Racing
Lüthi hatte allen Grund zum JubelnFoto: Derendinger Racing

Mit zwölf Fahrern in weniger als einer Sekunde in der Staraufstellung. Mit vielen Fragezeichen für alle Beteiligten in Sachen Elektronik und aufgrund der neuen Einheitsreifen. Mit jetzt schon getätigten Sensationstransfers. Und wie immer mit viel Psychokrieg abseits des eigentlichem Renngeschehens. Hier war Vale 46 mal wieder der mit dem dringendsten medialen Mitteilungsbedürfnis. Dass er sich über den im Weg stehenden Teamkollegen im Freien Training Nummer vier ärgert, ist ja okay. Aber muss er deswegen gleich einen Strafpunkt fordern und sich dabei auf Misano berufen? Der entscheidende Unterschied ist nämlich, dass es in Misano 2015 im Qualifying zwischen der 46 und der 99 Stress gab. Was etwas wichtiger ist, als das vierte Freie Training. Und außerdem ging es damals schon um den Titel. Jetzt in Rennen eins ging es in dieser besagten Trainingssitzung um gar nichts. Dazu hat Valentino ja ohne Not auch erneut bekundet, dass Marc Marquez ein Lügner ist. Ist das belegbar? Ist das Notwendig? Macht das schneller? Nein, es belegt nur, dass mindestens eines der MotoGP-Alphatiere immer noch innerlich kocht. Auch seine Aussage, dass Lorenzo 'nicht die Eier habe, um zu Ducati zu wechseln', ist relativ sinnfrei.

Lorenzo widerlegt Rossis Eier-These

Die Antwort hat Lorenzo auf der Strecke gegeben. Keine Eier? Naja, dass sah etwas anders aus. Und natürlich, Lorenzo mit seiner 'Klappe-halten-Geste' nach dem Sieg. Klar war Valentino Rossi gemeint. Aber genauso die vielen unverbesserlichen in Gelb, die immer noch bestreiten, dass die 99 2015 den Titel mit Recht geholt hat. Dabei wäre die Meldung, dass der beste und wichtigste MotoGP-Fahrer aller Zeiten seinen Vertrag um weitere zwei Jahre verlängert hat, doch alleine für Benzingespräche bis in die Nacht ausreichend gewesen. Hurra, der König bleibt! Aber so, bei den ganzen Nebenkriegsschauplätzen, ging das fast ein wenig unter.

Rossi verabschiedet sich nicht - er fährt bis 2018 - Foto: Milagro
Rossi verabschiedet sich nicht - er fährt bis 2018Foto: Milagro

Mich und jeden Moto GP Fan sollte diese Meldung aber in Verzücken versetzen. An Strahlkraft ist der Doktor nämlich nicht zu schlagen. Zum Glück. Auch Bradley Smith jetzt schon zu KTM ist ein echter Knüller. Vor allen Dingen zum jetzigen Zeitpunkt. Das kann ja dann neben der Strecke in den nächsten Wochen noch richtig lustig werden. Was es auf der Strecke aber auch war. Vier Fahrer von Anfang bis Ende mit Siegchancen. Eine trotz der neuen Elektronik und trotz der Michelin-Reifen höhere Rennpace als im Vorjahr. MotoGP-Fan, was willst du mehr? Vielleicht, dass bei Stefan Bradl mal wieder etwas Positives zu vermelden ist. Oder das Suzuki auch im Rennen den Sprung ganz nach vorne schafft. Fakt ist aber, es bleibt unfassbar spannend.

Am Ende noch etwas Unschönes. Es kann keinem MotoGP-Fan gefallen, wenn ein paar unverbesserliche Idioten, verdiente Sieger von Rennen auf dem Podest auspfeifen. Hoffentlich kehrt in diesem Punkt schnell Vernunft ein.

Ansonsten freue ich mich jetzt schon wie Bolle auf das Rennen in zwei Wochen. 2015 war klasse. 2016 wird noch besser!