Auf diesen Tag mussten Fans rund um den Globus vier Jahre lang warten. Casey Stoner ist in die MotoGP-Welt zurückgekehrt. Genauer gesagt zurück zur einem Team, dass ihn immer noch als "Familie" sieht. Ducati-Chef Claudio Domenicali wurde bereits im November sentimental, was die Rückkehr Stoners anging. "Ich fühle mich sehr geehrt, dass er sich entschieden hat, in unsere Familie zurückzukehren." Nun ist der zweifache MotoGP-Champ zurück zu Hause und alle Augen ruhen auf ihm. Und bereits am ersten Testtag zeigte er, warum man bei Ducati noch immer am Rolling Stoner hängt. Am Ende des Tages fuhr Stoner eine persönliche Bestzeit mit 2:02.01 mit gebrauchten Reifen ein. Für einen Fahrer, der seit über einem Jahr nicht mehr auf einem Prototypen-Bike gesessen hat, eine beachtliche Leistung.

Auch Stoner ist zufrieden mit seinen bisherigen Leistungen. "Ich hatte bisher wirkliche gute Erfahrungen mit dem Ducati-Team. Ich war mir nicht sicher, was ich erwarten sollte, aber es war fantastisch", gibt Stoner zu. "Sie haben mich herzlich willkommen geheißen, haben mit mir gearbeitet und versucht, das Beste aus mir und dem Bike herauszuholen." Ganz ohne Komplikationen lief der Tag jedoch nicht ab. "Ich habe seit über einem Jahr nicht mehr auf so einem Bike gesessen. Ich bin noch nie Michelin-Reifen gefahren. Es ist ein neues Bike. Alles ist neu", erklärte Stoner gegenüber Crash.net. "Deshalb bin ich überrascht, wie gut wir klargekommen sind."

Ducati-Potenzial

"Es wird einige Zeit dauern, bis ich meinen Speed und mein Gefühl zurückhabe. Ich bin seit sechs Monaten überhaupt nicht mehr Motorrad gefahren", gesteht Stoner, der das Potenzial des Ducati-Bikes dennoch sieht. "Die Desmosedici hat viel Potenzial. Auch die Reifen waren um einiges schneller, als ich gedacht hätte. Hoffentlich kann ich den richtigen Input geben und den beiden Andreas [Dovizioso und Iannone] helfen, dieses Jahr etwas Tolles zu erreichen."

Mit seiner besten Rundenzeit hätte Stoner selbst nicht gerechnet. "Wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, an dem Feedback geben kann. Normalerweise ist das ziemlich schwierig. Man kann es meist erst, wenn man sich richtig wohl fühlt. Ich bin also wirklich glücklich und auch überrascht von meinen Rundenzeiten." Doch trotz des generell positiven Feedback Stoners findet der 30-Jährige auch Probleme. Vor allem die Front machte zu Anfang Schwierigkeiten. "Wir wissen nicht, ob es an den Reifen oder dem Chassis lag, wir haben dann an der Federung einiges verändert. Danach habe ich sofort ein besseres Gefühl für das Bike gehabt."

Casey Stoner ist nach wie vor der einzige Fahrer der Geschichte, der mit Ducati einen Weltmeistertitel einfahren konnte - Foto: Milagro
Casey Stoner ist nach wie vor der einzige Fahrer der Geschichte, der mit Ducati einen Weltmeistertitel einfahren konnteFoto: Milagro

Nach der Rückkehr: Warum ist Stoner überhaupt gegangen?

Tag Eins der Tests verlässt Stoner also voll des Lobes. Nicht nur sein Bike, auch alle Beteiligten kommen dabei gut weg. "Die Arbeit mit Gabriele Conti, Marco Palmerini und Gigi Dall'Igna war fantastisch. Alle waren sehr professionell", so Stoner. Aber wenn man im Hause Stoner/Ducati auch nach Jahren der Trennung wieder glücklich ist, warum fiel dann überhaupt die Entscheidung zum Wechsel? "In der Vergangenheit hatten wir unsere Differenzen", antwortet Stoner diplomatisch. "Vor allem mit Leuten, die mittlerweile nicht mehr da sind. Die Dinge liefen nicht so, wie wir es uns gewünscht hätten. Ich denke, ein paar Leute wurden sehr selbstgefällig mit dem, was ich geleistet habe."

Es ist kein Geheimnis, dass sich in Borgo Panigale einiges getan hat, seit man sich Gigi Dall'Igna an Bord geholt hat. Das merkt auch Neuankömmling Stoner. "Die Struktur und alles andere hat sich bei Ducati komplett verändert. Ich habe schon immer eine große Schwäche für Ducati gehabt, vor allem für das MotoGP-Team. Ich habe eine fantastische Beziehung mit den meisten Leuten und kenne auch den Großteil der Mechaniker." Stoners Enthusiasmus ist nach den ersten Momenten kaum zu zügeln. Doch allen Fans, die nun auf ein Renn-Comeback Stoners hoffen, nimmt er sogleich den Wind aus den Segeln. "Ich fühle, dass ich etwas verändern kann. Ich bin nicht hier, um meine Karriere von neuem zu beginnen und richtig zu pushen, aber ich möchte es den Ducati-Fahrern leichter machen, mit dem Motorrad vertraut zu werden und ihnen helfen, vielleicht etwas weiter nach vorn zu kommen." Stoners Comeback bedeutet also nicht nur persönliches Glück, sondern auch den Neubeginn einer einst glücklichen Beziehung.