Weltmeister Valentino Rossi gegen den frechen und supertalentierten Emporkömmling Jorge Lorenzo: Das Duell der Superstars und die vergiftete Atmosphäre bei Yamaha in den Jahren 2009 und 2010 sind wahrlich nur schwer zu vergessen. Rossis siebten Titel konterte Lorenzo mit der Rekord-WM, ehe Rossi 2011 zu Ducati wechselte.

Zwei Jahre nach seiner Rückkehr zu Yamaha steht dem Team nun das Deja-vu bevor - zumindest aus sportlicher Sicht! Denn nach zwei Siegen in Serie ist Lorenzo im WM-Kampf wieder dick im Geschäft, de facto erster Verfolger des italienische Altmeisters. Vergiftete Atmosphäre im Team? Psycho-Spielchen? Krieg der Sterne a la Lewis Hamilton und Nico Rosberg? Weit gefehlt!

Konkurrenz zu stark: Piloten ziehen an einem Strang

Zumindest für den Moment herrscht beim japanischen Motorrad-Giganten noch Friede, Freude, Eierkuchen. "Die Stimmung im Team ist wirklich sehr gut. Zwischen den Crews und Piloten ist alles offen und klar, auf der Strecke zollen Jorge und ich uns den höchsten Respekt", machte Rossi vor dem Beginn seines Heimwochenendes in Mugello unmissverständlich klar.

Der Kampf der Giganten an der Spitze der MotoGP nimmt an Intensität stetig zu - Foto: Monster
Der Kampf der Giganten an der Spitze der MotoGP nimmt an Intensität stetig zuFoto: Monster

Eine Wiederholung der schwierigen Beziehung früherer Jahre erwartet der Doktor in keinem Fall. "Natürlich ist dein Teamkollege der größte Rivale und er ist es, den du unbedingt schlagen willst. Jedoch wissen wir, dass der sportliche Wettkampf nach dem Rennen endet. Die Konkurrenz ist so stark, dass wir als Team an einem Strang ziehen müssen, um an der Spitze der MotoGP schlagkräftig zu sein und bestehen zu können."

In der Tat fehlt von Rivalität abseits des Sports jegliche Spur. Was noch 2009 und 2010 undenkbar schien, scheint nun Gewissheit. Rossi und Lorenzo können auch als direkte WM-Rivalen miteinander. "Es stimmt, dass wir eine schwierige Vergangenheit hatten, aber die Zeiten haben sich geändert", erklärt Lorenzo. Den Grund für den Wandel nennt er gleich mit: "Wir sind mittlerweile beide etabliert, es besteht keine Rangordnung zwischen Valentino und mir. Dass du als Weltmeister einem Jungspund nicht weichen willst, ist nicht wirklich schwer zu verstehen."

Motegi 2010 vergessen: Knallharte Zweikämpfe drohen

Auch die letztjährige Übermacht Repsol Hondas und vor allem Marc Marquez' begünstige diese Umstände: "Wir wissen beide, dass wir ein perfektes Bike brauchen, ein Team, das reibungslos funktioniert und ein Klima, in dem wir uns voll und ganz auf den Sport und das harte Duell gegen die hochklassige Konkurrenz an der Spitze konzentrieren können. Natürlich denkt jeder von uns primär an sich, jedoch müssen wir auch gemeinsam über den Tellerrand schauen", zeigt sich Lonrezo realistisch und abgeklärt.

Vor einem harten Zweikampf auf der Strecke würden beide Alpha-Tiere jedoch keinesfalls zurückweichen. Auch wenn diese wie in Motegi 2010 schon Grund ernsthafter Auseinandersetzungen waren. "Wir werden beide in jedem Rennen ans Maximum gehen, aber ohne darüber nachzudenken, was das für unser Verhältnis bedeuten könnte. Wir wissen denke ich beide, wie wir die jeweiligen Situationen einzuschätzen haben", gibt sich Rossi diplomatisch.

Dass am Sonntag beide Piloten mit aller Macht auf Sieg fahren, ist dabei kein Geheimnis. Nach sieben Triumpfen in Serie wartet Rossi bereits seit 2009 auf die nächste Champagnerdusche in der Mitte des Podests, Lorenzo will nicht weniger als seinen dritten Sieg in Folge 2015. "Dass hier unter normalen Umständen einer von uns auf sichere Punkte fährt, wird nicht passieren", prognostiziert Rossi. "WM-Rechnereien beginnen erst in den letzten drei Rennen, davor heißt es: Maximale Attacke."