Der 23. Oktober 1998 ist ein bedeutender Tag in meinem Leben. Es war der Tag des Argentinien-Grand-Prix, damals Saisonfinale der Motorrad-WM. Das 250ccm-Rennen ist der erste Weltmeisterschaftslauf, an den ich mich erinnern kann. Ich saß damals im Alter von neun Jahren mit meinem Vater vor dem Fernseher, als Loris Capirossi im Titelkampf Tetsuya Harada von der Strecke boxte. Doch das war für mich schon zu diesem Zeitpunkt nebensächlich. Es war nämlich ein ganz anderer Pilot, der es mir besonders angetan hatte. Dabei handelte es sich um einen schmächtigen 19-jährigen Italiener mit einem dicken Ohrring unter dem knallgelbem Helm und der Nummer 46 auf dem Motorrad. Es war natürlich Valentino Rossi, der an diesem Sonntag auch den 250er-GP gewinnen sollte.

Ich kann nicht sagen, was es damals war, was mich an Rossi, der damals noch meilenweit von seinem heutigen Superstarstatus entfernt war, so fasziniert hat. Was ich aber sagen kann, ist, dass es schmerzhaft war, seinem Kindheitsidol dabei zuzusehen zu müssen, wie es langsam aber sicher sein Denkmal selbst einreißt, so wie es in Rossis Ducati-Jahren der Fall war. 2013 schaffte er so etwas wie ein teilweises Comeback, wobei der Sieg in Assen zweifelsohne den Verletzungen von Marc Marquez und Jorge Lorenzo geschuldet waren.

2013 triumphierte Rossi in Assen - Foto: Yamaha Factory Racing
2013 triumphierte Rossi in AssenFoto: Yamaha Factory Racing

Umso schöner war es - bei aller journalistischer Distanz - Rossi in diesem Jahr wieder gegen topfitte Konkurrenten siegen zu sehen. Etwas kitschig, aber doch passend für die Karriere des Doktors, war die Tatsache, dass ihm dieser Meilenstein ausgerechnet direkt vor seiner Haustür beim San-Marino-Grand-Prix in Misano gelang.

Natürlich sind Heimsiege immer etwas Besonderes und es spielen sich auch tolle Szenen ab, wenn die spanischen Stars bei einem Grand Prix auf der iberischen Halbinsel triumphieren. Doch nirgendwo liegt dieses magische Knistern in der Luft, wie man es bei den Rennen in Mugello oder eben Misano findet. Diese Aura des Superstars Rossi, die Begeisterung der Tifosi, die gelben Fahnenmeere auf den bis zum letzten Platz gefüllten Tribünen - egal wie man zum Mann mit der 46 steht, das bedeutet schon vor dem Start Gänsehaut pur. Die folgende Triumphfahrt suchte sowieso ihres gleichen.

Nach seinem Sieg in Misano ließ sich Rossi ordentlich feiern - Foto: MotoGP.com
Nach seinem Sieg in Misano ließ sich Rossi ordentlich feiernFoto: MotoGP.com

Es sind Momente wie diese, die Begeisterung für den Motorradsport wecken und mir selbst ins Gedächtnis rufen, warum ich mich schon so lange dafür begeistere und diese Leidenschaft schließlich zum Beruf gemacht habe. Vielleicht blickt ja in vielen Jahren der ein oder andere - dann junge Erwachsene - zurück und erinnert sich, wie in ihm am 14. September 2014 das MotoGP-Feuer ausbrach. Der Zünder: Valentino Rossi.