Luis Salom verunglückte am Freitag im zweiten Freien Training der Moto2-Klasse zum Grand Prix von Katalonien in Barcelona tödlich. Er hatte in der schnellen Rechtskurve von Turn 12 die Kontrolle über seine Kalex verloren und war beinahe ungebremst über die asphaltierte Auslaufzone in die Airfences gerutscht, wo ihm sein Motorrad entgegengeschleudert kam. Die Notärzte versuchten alles, um das Leben Saloms zu retten, er erlag aber wenig später im Krankenhaus seinen Verletzungen.

An dieser Stelle schlug Salom in den Airfence ein - Foto: Milagro
An dieser Stelle schlug Salom in den Airfence einFoto: Milagro

Für Verwunderung sorgte unterdessen der Unfallhergang. Nachkommende Fahrer beschrieben den Sturz als sehr eigenartig, was zu wilden Spekulationen rund um den Crash führte. Ein technisches Gebrechen oder auch ein Herzstillstand Saloms noch vor dem Sturz wurden da vermutet. Es war aber nichts dergleichen, wie Saloms Team SAG am Montag bekanntgeben konnte. Nachdem die Telemetriedaten von der technischen Crew im Beisein von Teambesitzer Edu Perales, Teammanager Jordi Rubio, Saloms Manager Marco Rodrigo und sein Chefmechaniker Bernat Bassa sowie Teamkollege Jesko Raffin und dessen Chefmechaniker Michael Ferger ausgewertet wurden, kam man zu folgendem Ergebnis:

Auswertung des Teams zu Saloms Unfall

"Während des zweiten Trainings spulte Luis Salom seine ersten Runden ab und fuhr seine beste Zeit (1:48.608 Minuten), bevor er für einen Wechsel des Hinterreifens an die Box kam. Danach ging Salom wieder auf die Strecke und verunglückte in seiner Outlap. In dieser Runde kam Luis am Bremspunkt von Kurve 12 mit sechs Stundenkilometern weniger an als in seiner schnellsten Runde. Die Telemetrie zeigt, dass dies auf eine langsamere Beschleunigung aus Kurve 11 zurückzuführen ist. Aufgrund dieser geringeren Geschwindigkeit, bremste Luis erst neun Meter später und wollte so eine ordentliche Kurvengeschwindigkeit für Turn 12 erreichen. An diesem Kurveneingang befindet sich eine Welle im Asphalt, die allen Fahrern bekannt. Durch das verspätete Bremsmanöver verzögerte Luis aber genau über dieser Welle, während er in den Runden zuvor seine Bremsmanöver hier bereits beendet hatte. In Zusammenhang mit derselben Geschwindigkeit wie in seiner schnellsten Runde in FP2 führte das zu einer großen Belastung für den Vorderreifen und einem Grip-Verlust an der Bodenwelle. Das sorgte in weiterer Folge für den tragischen Sturz."

Saloms Unfall scheint also auf eine unglückliche Verkettung eines Fahrfehlers und des unebenen Streckenbelags in Barcelona zurückzuführen zu sein. Die vielen Bodenwellen auf dem Circuit de Catalunya sind ein altbekanntes Phänomen, das auf allen Strecken auftritt, die neben der MotoGP auch von der Formel 1 genutzt werden. Durch den extremen Anpressdruck der Formel-1-Boliden verformt sich der Streckenbelag vor allem in den Anbremszonen stark und bildet daher die für die Motorradfahrer sehr unangenehmen Wellen. Ein Problem, dass sich nur durch Fräßarbeiten oder eine Neuasphaltierung lösen lässt. Eine der beiden Möglichkeiten wird man vor dem nächsten Katalonien-Grand-Prix der MotoGP wohl nützen müssen.