Wer von euch beiden ist eigentlich der schnellere Fahrer?
Daniel Abt: Das ist schwer zu sagen. Unsere Karrieren sind relativ ähnlich, bislang war alles ziemlich identisch.
Marvin Kirchhöfer: Um das herauszufinden, müssten wir in den Simulator gehen, wo man immer gleiche Bedingungen hat. Wie Daniel schon sagt, wir haben beide mehr oder weniger den gleichen Weg beschritten und sind mehr oder weniger gleich erfolgreich. Das kann man wohl erst nach einer Saison beurteilen, wenn man gegeneinander gefahren ist. Nach einem Test würde ich keine voreiligen Schlüsse ziehen.

Hast du Marvin Tipps mit auf den Weg gegeben?
Daniel Abt: Nein, ich glaube, er braucht keine Tipps. Die Strecke kennt er aus der Formel Renault und die Ingenieure müssen ja auch noch irgendetwas zu tun haben.

Wie war der Wechsel von der GP3 in die GP2?
Marvin Kirchhöfer: Es ist schon ein Unterschied. An die Bremsen musste ich mich am meisten gewöhnen. Von der Stahlbremse auf die Karbonbremse umzusteigen ist schon ein ordentlicher Unterschied. Durch das Fahren in der Formel Renault bin ich an den Speed schon gewöhnt gewesen, aber es ist schon echt ein verdammt cooles Auto und macht extrem viel Spaß zu fahren.

Kannst du dich noch an deinen ersten GP2-Einsatz erinnern?
Daniel Abt: Ja, das war in Jerez, wenn mich nicht alles täuscht. Damals war der Schritt von der GP3 in die GP2 noch etwas größer, denn die GP3 hatte damals nur 280 PS. Da hat es beim ersten Mal Hinausfahren schon ein bisschen gekribbelt im Bauch.

Besprechung mit dem Hilmer-Team - Foto: Motorsport-Magazin.com
Besprechung mit dem Hilmer-TeamFoto: Motorsport-Magazin.com

Was wird bei einem GP2-Test getestet? Weiterentwicklung wie in der Formel 1 gibt es ja nicht.
Marvin Kirchhöfer: Das Problem ist, dass man mit den Reifen ziemlich limitiert ist, so viele Möglichkeiten zu fahren, hat man daher gar nicht. Wir haben pro Session zweieinhalb Stunden Zeit, aber die Reifen halten nur etwa 20 Runden.
Daniel Abt: Nicht einmal! (lacht)
Marvin Kirchhöfer: Man muss sich eine Strategie zurechtlegen, dass man zwar schon fährt, aber bis zum Umfallen geht es nicht. Es geht darum, Reifen für den Abend zu sparen und dann mit Leistung zu glänzen.

Hattest du vom IndyCar-Test keine Reifen im Gepäck?
Daniel Abt: Schön wär's! Dann hätte ich vielleicht noch ein bisschen mehr Spaß hier. Aber leider müssen wir uns hier mit den Pirellis herumschlagen.

Was kannst du bei den Testfahrten noch lernen?
Daniel Abt: Eigentlich nicht mehr so viel. Es geht weniger ums Fahren lernen. Marvin muss sich noch ans Auto gewöhnen, aber bei mir geht es darum, Dinge auszuprobieren und sich ein bisschen zu verbessern, das ist die Hauptaufgabe. Ich bin mit dem GP2-Auto schon relativ viel Runden gefahren und muss nicht von Null an lernen, wo es lang geht.

Nächste Saison soll DRS eingeführt werden, konntet ihr das schon testen?
Daniel Abt: Nein, alles ist beim alten Stand.

Wie betrachtet ihr die Konkurrenz beim Test?
Daniel Abt: Ich denke, sie sieht nicht so schlecht aus. Es sind schon ein paar Junge dabei, aber auch viele, die schon in den vorherigen Kategorien gut unterwegs waren und teilweise schon in der Formel 1 getestet haben. Ein paar alte Hasen, die schon ewig herumspringen, sind auch noch da, es ist mit Sicherheit kein schlechtes Feld.
Marvin Kirchhöfer: Ich sehe das ähnlich. Es gibt mindestens zwei oder drei Fahrer, die schon im Formel-1-Auto gesessen sind. Man kann bei Testfahrten nur schwierig einschätzen, wie stark die anderen sind. Manchmal gibt es bei den Testfahrten Ergebnisse, mit denen man nicht rechnen konnte, aber im Rennen ist dann doch wieder alles wie erwartet. Man muss deshalb mit Einschätzungen vorsichtig sein, aber das Fahrerniveau ist extrem stark.

Marvin musste sich erst an die Bremsen gewöhnen - Foto: GP2
Marvin musste sich erst an die Bremsen gewöhnenFoto: GP2

Alex Lynn, den du aus der GP3 kennst, hat für Lotus an den Formel-1-Tests teilgenommen. Konntest du bei ihm etwas Spezielles beobachten?
Marvin Kirchhöfer: Ich habe auf den Bildschirm geschaut, wie es bei ihm läuft, aber es ist schwer zu sagen, wie er abgeschnitten hat, weil viel gepokert wird und durch das Gewicht und die Reifen beeinflusst werden kann. Man weiß meistens erst am Rennwochenende, wo man steht. Deshalb muss man bei den Tests alles mit Vorsicht genießen.

Du hast das letzte GP2-Rennwochende ausgelassen, weil es sich mit der Formel E überschnitten hat. Wie war der Wechsel zurück vom Elektroauto in einen Wagen mit Verbrennungsmotor?
Daniel Abt: Mit dem Elektroauto zu fahren ist keine Topvorbereitung. Am Anfang denkt man sich "Oh mein Gott, was ist jetzt los?", weil der Unterschied extrem groß ist. Es fast wie wenn man vom ADAC Formel Masters in ein GP2-Auto steigt. Man muss sich kurz umgewöhnen, aber nach drei, vier Runden ist das Gefühl wieder da und man kann wieder normal Gas geben.

In welchen Rennserien sehen wir euch in der nächsten Saison?
Marvin Kirchhöfer: Schwierig zu sagen, es gibt mehrere Optionen. Ob es in Richtung GP2 geht, ist vom Budget abhängig, daran arbeiten wir gerade. Die Frage ist auch, ob der Schritt nicht zu früh kommt und es nicht besser wäre, noch ein Jahr in der GP3 zu fahren. Man könnte auch in Richtung Formel-3-Europameisterschaft nachdenken, wobei das eigentlich ein Schritt zurück wäre - zumindest was die Leistung des Autos betrifft. Vom Niveau her nicht, das ist in beiden Meisterschaften ziemlich gleich gut. Es gibt momentan einige Wege und welchen wir gehen werden, steht noch nicht fest.
Daniel Abt: Ich denke, wir fahren nächstes Jahr beide wieder im ADAC Formel Masters (lacht).

Wo würdest du Marvin am liebsten sehen?
Daniel Abt: Das muss er selbst entscheiden. Mir ist es wurscht, wo er fährt. Er muss sich wohlfühlen und das Paket stimmen. Ich zerbreche mir gerade selbst den Kopf, um zu schauen, dass ich für nächstes Jahr etwas Ordentliches hinbekomme.

Und wo würdest du Daniel am liebsten sehen?
Marvin Kirchhöfer: Ich schließe mich an, mir es wurscht, denn es geht mir genauso (lacht). Klar guckt man immer ein bisschen nach links und rechts und schaut, was die anderen machen, aber in erster Linie schaut man auf sich selbst, damit man einen Platz findet. Wenn man einmal auf einem gewissen Level ist, wird es immer schwieriger und irgendwann ist der Weg nicht mehr genau vorgegeben, sondern es gibt drei oder vier Wege, die möglich sind.