Zum ersten Mal seit etlichen Jahren bin ich ein Autorennen außerhalb der DTM gefahren und ich muss zugeben, die Unterschiede sind schon enorm. Zwar bauen die drei großen Hersteller Seat, BMW und Chevrolet bei den WTCC-Läufen auch Hospitalities auf, die sind aber noch lange nicht so groß und monströs wie die von Audi und Mercedes. Auch Zuschauer habe ich in Valencia deutlich weniger entdeckt - ich habe mich sogar gefragt, warum wir Fahrer aus der International Formula Master eine Autogrammstunde machen sollten. Etwa für unsere Bekannten und die Teammitglieder? Nein, aus irgendwelchen Ecken kamen dann doch noch ein paar Fans.

Da ich mich auf mein eigenes Rennwochenende konzentriert habe, konnte ich nur einen kurzen Blick auf die Tourenwagen-WM werfen. Der Sport mag sicher spannend sein, er ist aber schwer mit der DTM zu vergleichen. Dort hört man ja sofort, wenn ein Auto auf die Strecke geht - das ist in der WTCC ganz anders. Die Diesel von Seat kann man beispielsweise kaum hören...

Für mich war es eigentlich ein Rennwochenende wie jedes andere zuvor. Man konzentriert sich auf seine Aufgaben, arbeitet am Setup und versucht das Beste aus dem Wagen herauszukitzeln. Im Vergleich zum Formel 3-Boliden lässt sich der IFM relativ einfach fahren, hat eine weniger stark ausgeprägte Aerodynamik, dafür aber mehr Leistung. Daher sind wir auf den meisten Strecken sogar schneller als die Formel 3, obwohl das Auto viel günstiger ist und die Budgets niedriger liegen. Das ist allerdings beabsichtigt: man will für Chancengleichheit sorgen und allen Teams die gleichen Möglichkeiten geben.

Spaß macht der Bolide auf jeden Fall, allerdings fahre ich lieber einen Formel 3. Das war schließlich in den letzten zwei Jahren mein Arbeitsgerät und ich habe mich sehr an das Auto gewöhnt. Vielleicht braucht es einfach noch ein wenig Zeit, bis ich mich auch perfekt im IFM zurecht finde.

In Valencia lief noch nicht alles nach Plan - Foto: IFM
In Valencia lief noch nicht alles nach PlanFoto: IFM

Die Serie ist zwar erst in ihrem zweiten Jahr und damit noch in den Kinderschuhen, trotzdem ist die Konkurrenzdichte sehr hoch. Michael Ammermüller und Chris van der Drift sind sehr starke Fahrer, die man erstmal schlagen muss. Chris kenne ich noch gut aus meiner Zeit in der Formel BMW, schon damals war er richtig schnell unterwegs. Aber wir können vorne mitmischen, dass haben die Testfahrten gezeigt - leider hat es beim Saisonauftakt in Valencia nicht so gut funktioniert...

Die International Formula Master kann ein Sprungbrett für die Zukunft sein. Dank der Zusammenarbeit mit dem Motorenlieferant Honda erhält der Meister am Ende der Saison sowohl einen Formel 1-Test, als auch eine Fahrt in einem GP2-Boliden. Welche Möglichkeiten sich dadurch ergeben, hat der letztjährige Meister Jerome D'Ambrosio bewiesen: er fährt mittlerweile in der GP2.

Das nächste Rennen findet auf dem engen Stadtkurs von Pau statt, dort bin ich bisher noch nicht gefahren. Deshalb muss ich mir die Strecke am Donnerstag ganz genau einprägen und mir jeden Zentimeter anschauen. Hilfe werde ich dabei von Maximilian Götz bekommen, der letztes Jahr die Pole-Position holen konnte. Er selbst fährt nun mit der Formel 3 in Pau und kennt sich dort schon gut aus. Er kann mir sicherlich ein paar gute Ratschläge geben...