106 Tage nach dem schweren Unfall beim Macau Grand Prix ist es soweit: Sophia Flörsch sitzt wieder im Rennwagen. Die 18-Jährige testet an diesem Mittwoch sowie am Donnerstag einen Formel-3-Rennwagen bei Testfahrten in Monza. Flörsch plant, 2019 im neu geschaffenen Formula European Masters anzutreten. Die Serie, die aus der Formel-3-Europameisterschaft hervorgegangen ist, soll im Rahmenprogramm der DTM gastieren.

Flörsch sitzt in Monza für Van Amersfoort Racing am Steuer. Mit dem niederländischen Rennstall hatte sie auch das Rennen in Macau bestritten. Wie Motorsport-Magazin.com bereits Mitte Dezember 2018 berichtet hatte, ist der Vertrag mit Van Amersfoort für die Rennsaison allerdings noch nicht unterschrieben. Hintergrund: Zum aktuellen Zeitpunkt haben sich erst fünf Fahrer im Formula European Masters eingeschrieben...

Kurz vor dem Monza-Test sprach Motorsport-Magazin.com mit Sophia Flörsch über ihren Genesungsprozess, die Rückkehr ins Rennauto und die weitere Zusammenarbeit mit HWA Racelab.

Sophia, wie geht es Dir inzwischen nach dem Unfall?
Sophia Flörsch: Sehr gut! Ich habe Mitte Dezember mit dem Training begonnen und dieses langsam gesteigert. Zum Programm gehörten Radfahren, Hometrainer und wegen meines Muskelschwundes Krafttraining. Dabei hat mir ein Personal Trainer geholfen. Vom Gefühl her und weil ich am Anfang nicht zu viel wollte, wurde das Training in Absprache mit meinem Trainer kontinuierlich gesteigert. Am 24.1.2019 bin ich von meinem behandelnden Arzt in München Gesund geschrieben worden. Zu diesem Zeitpunkt war die wichtige Knochenbindung endgültig vollzogen. Seither trainiere ich wöchentlich 12 bis 16 Stunden mit einem Ruhetag."

Mit welchen Maßnahmen hast Du Dich auf Dein Comeback im Formel-3-Rennwagen vorbereitet?
Sophia Flörsch: Außer dem Training habe ich jede Nacht auf einer elektromagnetischen Matte geschlafen, damit der Knochen schneller zusammenwächst. Die Reha wurde zudem mit Elektrotherapie beschleunigt."

Wie groß ist der Respekt, in der nächsten Woche wieder in einen Formel-3-Rennwagen zu steigen?
Sophia Flörsch: Nicht größer als vor meinem Unfall. Mir ist nach wie vor bewusst, dass ich eine gefährliche Sportart ausübe."

Hast Du noch irgendwelche Beschwerden/Schmerzen?
Sophia Flörsch: Nein, gar keine. Auch keine Einschränkungen."

Wie hast Du den Unfall verarbeitet?
Sophia Flörsch: Relativ gut - ich bin positiv. Es fühlt sich so an, als wäre der Unfall vor drei Jahren passiert."

Wie sind Deine Erwartungen/Hoffnungen für die neue Saison?
Sophia Flörsch: Ich hoffe, dass ich im Formula European Masters wieder mit dem Team Van Amersfoort Racing an den Start gehen kann. Mein Ziel sind Top-5-Plätze. Am Saisonende will ich so weit wie möglich vorne sein. Leider kenne ich das Starterfeld noch nicht, aber ich hoffe, dass sich noch möglichst viele Fahrer einschreiben."

Gab oder gibt es Alternativen?
Sophia Flörsch: Noch nicht, denn ich hoffe, dass mein Start im Formula European Masters zustande kommt."

War die neue Formel 3, die 2019 im Rahmen der Formel 1 startet, ein Thema für Dich?
Sophia Flörsch: Ja, vor dem Unfall in Macau schon. Jetzt macht es aber keinen Sinn, weil die dort fahrenden Piloten mit dem neuen Auto schon getestet haben, während ich dazu wegen meiner langen Reha keine Gelegenheit hatte. Dagegen kenne ich den im Formula European Masters zum Einsatz kommenden 'alten' Formel-3-Rennwagen gut, was mir die Rückkehr ins Cockpit erleichtert."

Unabhängig von Deinem Programm 2019: Planst Du wieder, im November am Formel-3-Weltcup in Macau teilzunehmen?
Sophia Flörsch: Wenn ich die Möglichkeit erhalte, ja - auf jeden Fall!"

Wird es eine weitere Zusammenarbeit mit dem Team HWA Racelab geben?
Sophia Flörsch: Zu meinem Glück, ja."