Alejandro Agag weiß, wie man für Schlagzeilen sorgt. Als wäre die Gründung der Formel E vor gut sechs Jahren nicht genug gewesen, tischt der clevere Geschäftsmann der Motorsportwelt nun die nächste Revolution auf. In seinem neuen Projekt, der Extreme E, werden künftig Frauen und Männer gemeinsam in Teams gegeneinander antreten. Das hat es in dieser Form noch nie zuvor gegeben.

Die Entscheidung gab die elektrische Offroad-Rennserie, die Anfang 2021 ihr Debüt feiert, in einer Pressemitteilung bekannt. Damit sorgt Agag einmal mehr für ein Novum im Rennsport und trifft ebenso den Puls der Zeit. Die Geschlechtergleichstellung ist inzwischen auch ein großes Thema in der Automobilwelt und steht auf den Agenden jeglicher Hersteller weit oben.

Die acht Teams, darunter die deutschen Vertreter Abt und HWA, setzen sich aus je einem Fahrer und einer Fahrerin zusammen, die in jedem Zwei-Runden-Rennen als Pilot und Co-Pilot zusammen antreten. Jeder greift für eine Runde (6-10 Kilometer lang) ins Steuer des 550 PS starken Elektro-SUV. Es liegt an den Teams, Fahrer und Beifahrer zu bestimmen, die ihrer Strategie am besten entsprechen.

Die neue Extreme E gibt Anfang 2021 ihr Renndebüt - Foto: Extreme-E
Die neue Extreme E gibt Anfang 2021 ihr RenndebütFoto: Extreme-E

Agag: Die Zeiten ändern sich

"Durch das Konzept stellen wir Männer und Frauen auf das gleiche Level und sie nehmen gleichwertige Rollen ein, das ist das Wichtigste", sagt Agag im Interview mit Motorsport-Magazin.com. Kein Geheimnis: In der Geschichte des Motorsports taten sich Frauen stets schwer in den obersten Klassen.

Ein Thema, dem sich Agag nun in der Extreme E angenommen hat. "Ich denke, dass sie nicht genügend Gelegenheiten hatten und die Sponsoren sie nicht unterstützt haben", sagt der Spanier. "Das geschah unter der Annahme, dass Motorsport für Männer gemacht ist. Das ist aber falsch. Das müssen wir ändern, diese Wahrnehmung. Weißt du, die Zeiten ändern sich für alles. Elektrischer Motorsport wäre vor 20 Jahren undenkbar gewesen. Und jetzt ist es möglich. Genauso wird es mit Frauen im Rennsport laufen. Es ist jetzt an der Zeit, dass wir dieses Thema angehen."

Extreme E: Gleichstellung für Frauen und Männer im Motorsport: (00:59 Min.)

Agag schielt auf Danica Patrick

Im offiziellen Fahrer-Pool der Serie tummeln sich neben Männern aus zahlreichen Kategorien des Motorsports, darunter der zweifache DTM-Champion Timo Scheider und die Formel-E-Fahrer Daniel Abt sowie Andre Lotterer, bereits einige Damen. Dazu zählen W-Series-Champion Jamie Chadwick, die frühere DTM-Pilotin Katherine Legge und Mikaela Ahlin-Kottulinsky, die zuletzt unter anderem im ADAC GT Masters antrat. Weitere sollen nun folgen.

Agag, der seit jeher um den Wert großer Namen weiß: "Es gibt noch einige andere, sogar Danica Patrick! Vielleicht lässt sie sich überzeugen, in den Rennsport zurückzukehren... Es war wichtig, den Damen eine weitere professionelle Plattform als Option zur Verfügung zu stellen."

Formel-E-Gründer und Geschäftsmann: Alejandro Agag - Foto: LAT Images
Formel-E-Gründer und Geschäftsmann: Alejandro AgagFoto: LAT Images

Jutta Kleinschmidt: Ich liebe es einfach!

Die Idee gemischter Teams kam bislang auch weiblichen Lager des Motorsports gut an. Zu den Befürworterinnen zählt unter anderem Rallye-Dakar-Siegerin Jutta Kleinschmidt.

"Extreme E behandelt zwei sehr wichtige zukunftsweisende Themen: Umweltfreundliche Technologien im Motorsport und Unterstützung von Rennfahrerinnen", sagt die FIA-Präsidentin der Cross-Country-Rallye-Kommission. "Beides ist sehr wichtig, um in Zukunft weitere Unterstützung für den Motorsport zu erhalten. Darüber hinaus haben Frauen die Möglichkeit, unter gleichen Bedingungen gegen Männer anzutreten und ihr Potenzial zu zeigen. Ich liebe es einfach!"

Gut möglich, dass künftig auch Rennfahrerinnen aus Deutschland zur Extreme E stoßen werden, die in ihrer Debütsaison fünf Rennen im Amazonas-Regenwald, der saudi-arabischen Wüste oder der Antarktis austragen wird.

Carrie Schreiner zeigt Interesse an der Extreme E - Foto: ADAC GT Masters
Carrie Schreiner zeigt Interesse an der Extreme EFoto: ADAC GT Masters

Carrie Schreiner: Frauen immer in der Unterzahl

Interesse hierzulande am neuen Motorsport-Projekt mitzuwirken scheint bereits vorhanden zu sein. ADAC-GT-Masters-Pilotin Carrie Schreiner: "Seitdem ich Motorsport mache sind Frauen deutlich in der Unterzahl, und oft haben wir es nicht leicht. Deswegen finde ich Extreme E eine mega Sache, die ich sehr gerne unterstützen würde und ein Teil davon wäre. Zudem noch etwas Wichtiges für unsere Umwelt beitragen zu können, finde ich super."

Das Männer/Frauen-Konzept der Extreme E könnte in Zukunft eine Vorreiterrolle im Motorsport einnehmen, nachdem immer mehr Damen in diese von Männern dominierte Domäne vorstoßen.

Agag meint dazu: "Es ist nicht wissenschaftlich bewiesen, dass eine Frau nicht so schnell sein kann wie ein Mann. Auch das Gegenteil ist nicht bewiesen worden. Und solange wir keine Antwort darauf haben, ist das Konzept der Extreme E eine sehr starke Lösung, um Frauen und Männer auf dem gleichen Level antreten zu lassen."