Zeit für eine Evolution in der Formel E: Die Elektro-Rennserie hat an diesem Dienstag ein Update des aktuellen Rennwagens präsentiert. Der Bolide mit der Bezeichnung 'Gen2 EVO' gibt in der kommenden Saison 2020/21 sein Renndebüt. Mit der Einführung der Facelift-Version erhält die Formel E in ihrem siebten Jahr gleichzeitig den offiziellen Weltmeisterschaftsstatus von der FIA.

Beim EVO-Modell handelt es sich um rein optische Anpassungen, um dem Gen2-Auto in seiner dann dritten Saison einen neuen Anstrich zu verpassen. Das Einheitschassis erhält unter anderem einen neuen Front- sowie Heckflügel.

Die mit dem Gen2-Auto eingeführten Radabdeckungen fällt künftig weg, die Reifen sind nach oben hin frei. Dadurch entfällt auch die direkte Verbindung zwischen Frontpartie und Seitenkasten, stattdessen erhält der Gen2 EVO rund um die Vorderachse einen klassischeren 'Bargeboard'-Look.

Das Gen2 EVO-Modell erhält außerdem eine aus der Formel 1 und dem Prototypen-Sport bekannte Shark Fin (Haifischflosse) im Heckbereich. Oberhalb der Airbox ist künftig eine T-Cam, also ein Kameragehäuse, angebracht.

Auch die Seitenkästen wurden überarbeitet. Durch die Rückkehr zu einem konventionelleren Heckflügel fällt die direkte Verbindung zwischen Seitenkasten und Heckflügelelement weg. Damit sind ab der kommenden Saison auch die hinteren Räder nach oben hin offen.

Auf einen 'Design-Clou' beim Heckflügel konnten die Ingenieure von Spark Racing Technologies wie schon beim Vorgänger nicht verzichten. Das Querblatt ist nicht durchgängig, stattdessen sind zwei Flügelelemente in der Mitte geteilt. Über genaue Maße und Dimensionen des Gen2 EVO-Autos ist offiziell noch nichts bekannt.

Formel E Gen2 EVO: Neues Auto für 2020/21 präsentiert: (00:59 Min.)

Mit Blick auf die Performance sollten durch das Update keine allzu großen Änderungen zu erwarten sein. Downforce spielt im Gegensatz zu zahlreichen anderen Single-Seater-Serien in der Formel E eine untergeordnete Rolle.

Unter dem Chassis wird sich beim EVO-Modell hingegen nichts verändern. Es kommen weiterhin Einheitsbatterien von McLaren Applied Technologies zum Einsatz. Neben der Software ist der Antriebsstrang der einzige Bereich, den die Hersteller frei entwickeln können. Er besteht aus Motor, Inverter, Getriebe und Teilen des Hinterachsenfahrwerks. Neu ist seit der fünften Saison das Brake-by-Wire-System. Bremsbetätigung und Übertragung zur Hinterachse sind dabei voneinander entkoppelt und elektronisch geregelt.

Neue Frontpartie am Gen2 EVO-Rennwagen - Foto: FIA Formula E
Neue Frontpartie am Gen2 EVO-RennwagenFoto: FIA Formula E

"Wie wir es schon bei der ersten Generation gehalten haben, bekommt das Gen2 EVO-Auto eine überarbeitete Karosserie und dadurch ein schlankeres und agileres Aussehen", sagt Formel-E-Gründer Alejandro Agag. "Dieses Auto wird in die Geschichtsbücher eingehen als erstes für eine Weltmeisterschaft in der Formel E."

FIA-Präsident Jean Todt: "Dieser fortschrittliche Ansatz hat zum Ausbau des Starterfeldes und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Meisterschaft beigetragen, die immer stärker wird und den Weg für die Zukunft einer nachhaltigen Mobilität in der Stadt ebnet."

Ab Saison 9 mit bis zu 475 PS

Optische Überarbeitungen gab es schon einmal in der jungen Geschichte der Formel E. Zur dritten Saison 2016/17 erhielten die Gen1-Autos - die zur Rennmitte noch gewechselt werden mussten - einen neuen Frontflügel. Spürbare Performance-Unterschiede waren damals nicht ersichtlich. Das Konzept der Formel E sieht ohnehin Rennwagen mit sehr geringer Downforce vor.

Seit der Saison 2018/19 hat das leistungsstärkere Gen2-Auto seinen Vorgänger abgelöst. Das Facelift stellt eine Überbrückung dar zum künftigen Gen3-Rennwagen, der einen weiteren deutlichen Leistungszuwachs verspricht. Ausschreibungen für die Konstruktion des Gen3-Autos laufen bereits, die Einführung ist zur Saison 9 (2022/23) vorgesehen. Die Boliden leisten bis zu 475 PS und sollen 120 Kilogramm leichter werden.

Das aktuelle Gen2-Auto der Formel E - Foto: ABB Formula E
Das aktuelle Gen2-Auto der Formel EFoto: ABB Formula E
Das neue Gen2 EVO-Auto der Formel E - Foto: FIA Formula E
Das neue Gen2 EVO-Auto der Formel EFoto: FIA Formula E

Formel-E-Vergleich: Gen1 - Gen2

Gen1 (2014-2018) Gen2 (seit 2018)
Hersteller Dallara / Spark Dallara / Spark
Räder Michelin, 18 Zoll Michelin, 18 Zoll
Länge 5000mm 5160mm
Breite 1790mm 1770mm
Höhe 1070mm 1050mm
Fahrhöhe 75mm (maximal) 75mm (maximal)
Radstand 3100mm 3100mm
Gewicht 880kg (inkl Fahrer) 900kg (inkl Fahrer)
Gewicht Batterie 230kg 385kg
Hersteller Williams Advanced Engineering McLaren Applied Technologies
Batterie-Kapazität nutzbar 28 kWh 54 kWh
Maximale Leistung 200 kW (272 PS) 250 kW (335 PS)
Leistung im Qualifying 200 kW (272 PS) 250 kW (335 PS)
Leistung im Rennen 180 kW (245 PS) 200 kW (272 PS)