Eine Dreifach-Kollision mit Folgen. Audi-Star Lucas di Grassi holte nach seinem Ausfall beim Sanya ePrix in bester Buemi-Manier zum verbalen Rundumschlag aus. Unfallverursacher Sebastien Buemi bekam sein Fett ebenso weg wie der völlig unschuldige Robin Frijns. Ein wenig später legte di Grassi auf Twitter nach - und schaffte es, innerhalb eines Tweets den Namen des Niederländers gleich zwei Mal falsch zu schreiben!

Frijns' fast schon legendäre Antwort, die tausendfache Reaktionen im Internet erhielt: "Wie kannst du behaupten, dass ich beim Bremsen die Linie gewechselt habe, wenn du nicht mal meinen Namen richtig buchstabieren kannst?"

Das verlangt natürlich nach Aufklärung. Motorsport-Magazin.com bat di Grassi und Virgin-Pilot Frijns bei einer Präsentation von Audi-Partner ABT Sportsline in der bekannten Käfer-Schenke in München zum Doppel-Interview.

MSM: Lucas, buchstabiere doch bitte einmal Robins Nachnamen.
LUCAS DI GRASSI: F-R-I-J-N-S. Ich kann seinen Namen korrekt buchstabieren, keine Sorge. Nur bei der Aussprache hapert es ein bisschen. Ich nenne dich jetzt einfach nur noch Robin, das ist einfacher.

ROBIN FRIJNS: Ist auch gar nicht so einfach, Lucas. Damit haben einige ihre Schwierigkeiten, auch, wenn es nur sechs Buchstaben sind. Klingt irgendwie russisch für viele...

Gut, dann wäre das ja geklärt. Ist zwischen euch beiden auch wieder alles gut?
Di Grassi: Ja, wir haben alles ausgeräumt. Wir hatten uns auch schon privat unterhalten, bevor es dann auf Twitter weiterging.

Di Grassi und Frijns: Handshake beim Abt-Treffen in München am Donnerstagabend - Foto: Audi Communications Motorsport
Di Grassi und Frijns: Handshake beim Abt-Treffen in München am DonnerstagabendFoto: Audi Communications Motorsport

Euer Zwischenfall war bei weitem nicht der einzige in der laufenden Saison. Innerhalb von sechs Rennen gab es drei rote Flaggen und viele, viele Kollisionen. Was ist da los?
Frijns: Solche Situationen wie der Unfall zwischen Jean-Eric Vergne und Nelson Piquet können schon mal passieren. Aber: Es wurden immer wieder Fahrer abgeschossen und der Unfall-Gegner kam mit einer kleinen Strafe oder komplett straffrei davon. Das darf nicht passieren! Ich habe schon gesehen, wie Fahrer direkt vor mir in die Mauer gedrückt wurden. Dafür gab es dann mal eine 5-Sekunden-Strafe - das ist lächerlich. Jeder macht mal einen Fehler, keine Frage. Aber dafür muss es eine Strafe geben. Und wenn du einmal damit davonkommst, dann wird es wieder passieren.

Vor allem in dieser Saison ist das Racing in der Formel E zum Teil extrem hart. Woran liegt das?
Frijns: Mit dem Gen1-Auto konntest du niemanden aus dem Rennen befördern, weil die Nase am Frontflügel sehr hoch angesetzt war. Beim aktuellen Auto ist die Nasenspitze aber ziemlich tief. Du kannst jemandem ins Hinterteil reinfahren, dann steigt er auf und ist nur noch Passagier.

Robin und Lucas: Alles Banane. Oder Tomate - Foto: Audi Communications Motorsport
Robin und Lucas: Alles Banane. Oder TomateFoto: Audi Communications Motorsport

Starker Frontflügel, fragiler Heckdiffusor. Hattest du schon vor dem ersten Rennen mit solchen Problemen gerechnet, Lucas?
Di Grassi: Als ich das Auto zum ersten Mal gesehen habe, war mir schon klar, dass solch ein großer Diffusor in Kombination mit dem niedrigen Frontflügel keinen Sinn macht und nur für Ärger sorgen wird. Das habe von Anfang an gesagt, aber auf uns Fahrer hört ja niemand...

Wie sollte es in Zukunft weitergehen?
Di Grassi: Wenn das Maß der Bestrafungen korrekt wäre, die Energie-Effizienz wichtiger wäre als nur Vollgas zu fahren und die Geraden auf den Strecken etwas länger wären, dann wäre selbst mit diesem Auto alles in Ordnung. Das würde für mich 90 Prozent der Lösung vieler Probleme ausmachen. Es ist doch ganz einfach: Wenn du in jemanden reinfährst und ihn dadurch aus dem Rennen beförderst, sollte es direkt eine Durchfahrtsstrafe geben. Dann wären die Fahrer auch vorsichtiger bei ihrer Herangehensweise.

Frijns: Wenn die Strafen härter wären, dann überlegt man sich zweimal, was man wirklich macht.

Di Grassi: Absolut korrekt, Robin. Im Moment kann man vieles machen und nichts passiert. Man weiß irgendwann gar nicht mehr, was noch erlaubt ist, etwa beim Überholen. Darf man sich einfach berühren? Wenn das so gewollt ist, okay. Aber dann muss es eine Ansage geben und diese Regeln müssen dann auch für alle gelten. Dann weiß jeder, was er im Rennen erwarten kann. Konstanz ist das Zauberwort.

Das komplette Doppel-Interview mit Lucas di Grassi und Robin Frijns und eine große Hintergrund-Geschichte zu den aktuellen Streitigkeiten in der Formel E lesen Sie in der nächsten Print-Ausgabe des Motorsport-Magazins, das am 18. April im Handel erscheint.