Mit dem 18. Sieg seiner F1-Karriere und dem achten in der Formel-1-Saison 2021 hat Max Verstappen beim USA-GP in Austin seine WM-Führung in der Fahrerwertung ausgebaut. Durch das nahezu perfekte Ergebnis - Lewis Hamilton (P2) luchste Verstappen den Punkt für die schnellste Rennrunde ab - auf dem Circuit of the Americas verdoppelte der Niederländer bei noch fünf zu fahrenden Grands Prix seinen Vorsprung auf den Briten um sechs auf nun zwölf Zähler. Allerdings hing der Sieg des Red-Bull-Piloten am seidenen Faden, wie sowohl Team als auch Fahrer gestehen.

"Wir haben am Start verloren, deshalb mussten wir etwas anderes versuchen", erinnert Verstappen. Gleich auf den ersten Metern des Rennens hatte Polesitter Verstappen Platz eins an Lewis Hamilton verloren. "Ich hatte einen ordentlichen Start, aber Lewis' war richtig gut. Als er innen neben mir war, war es vorbei. Ich bin dann einfach außen geblieben, um in diesem Nadelöhr von hinten keinen Ärger zu bekommen."

Formel 1 Austin: Verstappen mit frühem Undercut vorbei an Hamilton

Auf Platz zwei zurückgefallen blieb Verstappen mit den Medium-Reifen permanent direkt im Getriebe Hamiltons - eine Attacke konnte der Niederländer allerdings nicht lancieren. Also spielte Red Bull den Undercut als strategische Karte. "Der Reifenverschleiß ist hier ziemlich hoch, deshalb haben wir es aggressiv versucht." Schon in Runde zehn zitierten die Bullen Verstappen zum Stopp.

Max Verstappen verlor den Start gegen Lewis Hamilton - Foto: LAT Images
Max Verstappen verlor den Start gegen Lewis HamiltonFoto: LAT Images

Das machte sich bezahlt. Die Outlap auf harten Reifen war derart gut, dass Hamilton in der Folgerunde nicht mehr antworten konnte, ohne die Position zu verlieren. Drei Runden später kam dann auch der Brite zum Reifenwechsel - den hatte Red Bull erzwungen, indem man auch mit Sergio Perez zum Undercut blies. Jetzt führte Verstappen komfortabel mit sieben Sekunden vor Hamilton. Doch auf harten Reifen lief der Mercedes besser. Hamilton rückte Verstappen näher und näher. Schon in Runde 29 wechselte Red Bull dann erneut, um einen Undercut Hamiltons zu verhindern. Nun musste Verstappen allerdings stramme 27 Runden bis ins Ziel überstehen.

Red-Bull-Teamchef Horner: Dachte nicht, dass Verstappen das schafft

"Ich war nicht sicher, ob es funktionieren würde", gesteht Verstappen. "Aber ja, die letzten Runden haben Spaß gemacht. Ich bin ein bisschen quer durch die Highspeed-Kurven ein, aber natürlich super happy, dass ich mich gehalten habe!" Das Problem des Niederländers war offensichtlich. Hamilton wechselte erst in Runde 37 und verfügte somit über acht Runden frischere Reifen. Eine Sekunde pro Runde nahm der Brite seinem Rivalen so im Schlussstint ab.

In dieser Phase zweifelte auch Christian Horner am Sieg. "Ich habe echt nicht gedacht, dass er das durchzieht", gesteht der Bullen-Teamchef bei Sky Sports F1. "Lewis hatte acht Runden neuere Reifen und der erste Satz Hards, den wir runtergenommen haben, war richtig runter bis auf die Felge, sodass wir dachten, am Ende nicht mehr viel übrig zu haben. Und du weißt, dass Lewis am Rennende richtig stark ist und er ging lang, hat sich selbst einen Vorteil verschafft. "

Verstappen schildert haarige Schlussrunden

Drei Runden vor Rennende war Hamilton im Heck des Red Bull angekommen, auf Tuchfühlung zum DRS-Fenster. "In den letzten paar Runden ein Rennen zu verlieren, wäre unfassbar schmerzhaft gewesen", sagt Horner. "Aber Max hat es gehalten und einen brillanten Job gemacht. Er hatte da am Ende gerade genug übrig", lobt Horner erleichtert.

"Ich habe da einfach mein Bestes versucht, so konstant wie möglich zu sein und Grip zu finden, ohne die Reifen zu beschädigen", schildert Verstappen seinen Ritt auf der Rasierklinge im Schlussstint. "Da musst du sauber bleiben. Du darfst nicht rutschen, egal ob langsam oder schnell. Du musst sauber fahren, darfst dir keine Verbremser oder Wheelspin leisten. [...] Das war nicht leicht, aber unter dem Strich hat es das so richtig aufregend gemacht." Generell sei das schon zuvor so gewesen. "Der Druck war das ganze Rennen da", sagt Verstappen. "Ich wusste ja nicht, wie schnell Lewis mich bekommt. Wir waren sehr aggressiv. [...] Der letzte Stint war dann sehr lang, gerade in der Hitze. Aber am Ende haben wir es ja geschafft!"

Mick Schumacher spendet Verstappen DRS

Zusätzliche Schützenhilfe erhielt Verstappen in den Schlussrunden von Mick Schumacher. Der Haas tauchte zur Überrundung genau im richtigen Moment vor Verstappen auf - obwohl es zunächst nach dem Gegenteil aussah. "Im letzten Sektor war er vor mir. Mit den abgefahrenen Reifen war es nicht leicht, ihm zu folgen", sagt Verstappen. "Das hat ihn einiges gekostet", sagt Horner. Doch später erwies sich das als Glücksgriff. Verstappen: "Aber zum Glück ist er vorne geblieben, denn so hat er mir dann DRS gegeben und es [der Vorsprung auf Hamilton] hat sich stabilisiert."

Verstappen weiter: "In der letzten Runde ging es dann nur noch darum, einen guten ersten Sektor zu haben. Es war nicht leicht, weil die Reifen fertig waren. Aber es ist unglaublich, hier zu gewinnen!" Tatsächlich war mit einem Red-Bull-Sieg in Austin vor dem Wochenende eher weniger zu rechnen gewesen. Mercedes galt als leichter Favorit. Umso größer ist nun die Freude, nach den jüngsten Angststrecken Monza, Sotschi, Istanbul und Austin in der WM leicht vorne zu liegen.

Formel 1 WM-Wertung: Verstappen baut Führung aus

"Ehrlich gesagt haben wir gefürchtet, dass wir nach Sotschi, der Türkei und hier die Strecken mit einem Rückstand verlassen. Aber jetzt sind wir zwölf Punkte vorne", jubelt Dr. Helmut Marko im ORF. "Das macht Mut [für Mexiko und Brasilien]. Denn da sollten wir mit der Höhenlage mit unserem Turbo einen Vorteil haben." Die Zielsetzung ist klar: "Ich habe gesagt, wir müssen zehn Rennen gewinnen. Wenn wir das in den nächsten zwei schaffen, dann können wir etwas beruhigter in den Mittleren Osten."