Nachdem McLaren zwei Rennen in Folge als ernster Sieganwärter auftrat, kehrte in der Türkei wieder Ernüchterung ein. Lando Norris fuhr an einem unauffälligen Wochenende einen siebten Platz ins Ziel, während Daniel Ricciardo am Samstag schon in Q1 hängenblieb, und nach einem Motorwechsel es von P20 nur zurück auf P13 schaffte.

Verglichen mit dem direkten WM-Gegner Ferrari sah es in Istanbul nicht gut aus - denn Carlos Sainz war neben Ricciardo aus der letzten Reihe gestartet und auf Platz acht vorgeprescht. Charles Leclerc brachte einen vierten Platz ins Ziel. Das führt aber zu keiner Panik-Stimmung bei McLaren. Der Türkei-GP war kein Rückschlag, sondern eine erwartete schwache Strecke.

McLaren geht gegen Ferrari unter: Klar schneller

"Von der ersten Ausfahrt weg war der Ferrari einfach das stärkere Paket auf die ganze Runde", weiß McLaren-Teamchef Andreas Seidl zu berichten. Es ist der Streckentyp, der zu schaffen macht. Langgezogene Kurven bekommen dem MCL35M nicht.

In der Türkei war Lando Norris kein Gegner für Lewis Hamilton - Foto: LAT Images
In der Türkei war Lando Norris kein Gegner für Lewis HamiltonFoto: LAT Images

"Und im Nassen verbringst du mehr Zeit in der Kurve, und tust dem Reifen mehr weh", mutmaßt Ricciardo nach dem Rennen. Sowohl er als auch Norris klagten über die gleichen Probleme: Wenn sie Tempo machten, tat das dem Reifen weh. Wenn sie hinter anderen Autos feststecken, litten sie zu stark in der verwirbelten Luft und sahen sich nicht imstande, nahe genug für eine Attacke zu kommen.

"Es war unmöglich zu überholen, selbst wenn sie zwei Sekunden langsamer waren", berichtet Norris. Er schloss in der Schlussphase des Rennens zwar in schnellen Schritten zu den Autos vor ihm auf - "Aber die hatten nur Graining. In den letzten Runden hatten sie das überstanden und waren wieder viel schneller."

Norris begrenzt WM-Schaden mit perfektem Rennen

Norris schaffte dank seinem siebten Startplatz zumindest Schadensbegrenzung und konnte sich noch vor einem heraneilenden Sainz über die Linie retten. Ricciardos Rennen ging von der ersten Runde an den Bach runter. "Ich sah, wie Carlos durch den Verkehr gestürmt ist, und ich konnte einfach nicht. Sobald ich zu jemandem aufgeschlossen habe, ging mir der Vorderreifen kaputt."

Das Team holte ihn daher auch früh zum Stopp, um ihn aus dem Verkehr zu holen. "Ich erinnere mich an vier gute Runden, wo ich wirklich Druck machen konnte, und begann zu grinsen, und dann ging es wieder bergab", so Ricciardo. Im Ziel war kaum noch Gummi auf dem Reifen. Zwei Runden vor dem Ende gingen noch beide Alfa Romeo vorbei.

McLaren bleibt ruhig: Alles Türkei-spezifisch

Teamchef Seidl bleibt ruhig: "Wir haben strategisch die richtigen Dinge gemacht, hatten solide Stopps, die Fahrer blieben auf der Strecke, und das hat uns P7 und P13 gegeben. Mehr war heute nicht möglich."

Dank des strategisch schadlosen Norris-Rennens - die Erfahrung von Ricciardos frühem Stopp half dem Team hier, alles richtig zu machen - wertet Seidl P7 aber als gute Schadensbegrenzung: "Wir müssen akzeptieren, dass das Ergebnis von heute das Ergebnis der Leistung ist, die das Auto ermöglichte." Noch immer hat McLaren in der Team-WM 7,5 Punkte Vorsprung auf Ferrari.

Die Hoffnung auf eine Wende beim nächsten Rennen in den USA ist dafür groß. "Der erste Sektor ist gut, mit Highspeed, und Haarnadeln", schätzt Ricciardo. "Teile des letzten Sektors könnten wehtun, aber wir sollten wieder auf eine wettbewerbsfähige Position zurückkehren."