Valtteri Bottas ist zurück an der Spitze. Ausgerechnet bei einem Türkei-GP mit wechselhaften Wetterbedingungen fuhr er einen dominanten ersten Saisonsieg ein, bei dem er fast jede Runde anführte und für Mercedes und Teamkollege Lewis Hamilton wertvolle WM-Schützenhilfe leistete.

Im Vorjahr machte er sich hier noch mit einer Dreher-Serie im Nassen zur Lachnummer: "Es war wie Tag und Nacht! Im letzten Jahr war es das schlechteste Rennen meiner Karriere, und das heute eines meiner besten!" Teamchef Toto Wolff bejubelt die dominante Vorstellung von Bottas, der einen Red-Bull-Doppelsieg durch die Verfolger Max Verstappen und Sergio Perez nie in den Bereich des Möglichen kommen ließ.

"Was er dieses Wochenende abgeliefert hat war einfach unglaublich", lobt Wolff. "Er ist so locker von der Pole wegefahren, war der schnellste Mann auf der Strecke, und der beste Mann beim Reifenmanagement. Das ist eine Zehn von Zehn, wichtig für die Konstrukteurs-WM und zur Unterstützung von Lewis. Valtteris Leistung hat heute verhindert, dass Max acht weitere Punkte geholt hat."

Bottas beendet damit eine seit Russland 2020 andauernde Sieglos-Serie. Er und Mercedes leisteten sich vom Start bis ins Ziel keinen Fehler. Sie stoppten zum perfekten Zeitpunkt, um sich gegen Max Verstappen abzusichern, und trafen mit dem Wechsel von Intermediate auf Intermediate auch die richtige Reifenentscheidung.

Bottas souverän: Verstappen & Leclerc im Sieg-Kampf chancenlos

Verstappen hatte gegen Bottas sowieso auf der Strecke nie eine Chance: "In den ersten drei Runden versuchte er dranzubleiben, dann realisierte er wohl, dass er auch die Reifen managen musste." Von da an hielt Bottas die Lücke immer über zwei Sekunden, am Schluss fuhr er weg: "Ehrlich gesagt war ich im zweiten Stint überrascht vom Pace-Unterschied, und konnte mich darauf konzentrieren, mein eigenes Ding zu machen."

Leclerc hatte Bottas im Rennen schnell abgefertigt - Foto: LAT Images
Leclerc hatte Bottas im Rennen schnell abgefertigtFoto: LAT Images

Einzig Charles Leclerc tauchte kurz auf dem Boxenstopp auf Bottas' Radar auf. Der Ferrari-Pilot versuchte ohne Stopp durchzufahren, aber Bottas fing ihn souverän ab: "Als ich ihn einholte, begannen meine Reifen zu grainen, aber ich kam noch immer näher. Dann hatte ich Graining, bis die Reifen wie Slicks waren, und alles war gut." Leclerc konnte auf seinen alten Reifen nicht dagegenhalten. In Runde 47 ging Bottas vorbei, fuhr danach 14 Sekunden Vorsprung auf und nahm die schnellste Runde nach Hause.

Bottas nach Mercedes-Abschied befreit zum ersten Sieg

Der Sieg, den er als einer seiner besten Rennen einstuft, war trotz dieser unbefleckten Weste nicht einfach: "In diesen Bedingungen ist es leicht, einen Fehler zu machen, wenn es trocknet und nur eine Linie da ist." Am Schluss waren die Intermediate-Reifen schließlich profillos, und für Fahren auf den nassen Stellen nicht geeignet: "Die zu umgehen war kritisch."

Der begeisterte Toto Wolff könnte sich durchaus noch einen Bottas-Sieg vor dem Abschied des Finnen bei Mercedes vorstellen. Bottas selbst will sein Selbstvertrauen nie verloren haben: "Aber es ist nett, einen Sieg zu haben. Erinnert daran, dass du gewinnen kannst." Und dass die öffentliche Klärung seiner Zukunft half, will er nicht absprechen: "Seit Monza bin ich so oder so richtig entspannt, konzentriere mich nur auf mein Fahren - das hilft sicher."