Max Verstappen und Red Bull ließen sich am Samstag nicht von den taktischen Spielereien der Konkurrenz überlisten und lieferten bis zum Ende ein fehlerfreies Rennen ab. Der Niederländer war dabei von Beginn an sowohl gegen Valtteri Bottas als auch Lewis Hamilton auf sich alleine gestellt. Die Mannschaft des Niederländers hatte jedoch gegen jedes Manöver die richtige Antwort parat.

Verstappen feiert Heim-Erfolg: Sie wollen, dass du gewinnst

Zehntausende niederländische Fans wollten Max Verstappen bei der Formel-1-Rückkehr des Circuit Park Zandvoort siegen sehen. Tatsächlich sollte es auch so kommen und Verstappen damit seinen insgesamt siebten Saisonsieg feiern und auch die WM-Führung zurückerobern. Verstappens (224.5) Vorsprung auf Hamilton (221.5) beträgt in der Fahrerwertung nach 13 absolvierten Rennen drei Punkte.

Eine leichte Angelegenheit war dies allerdings nicht und so lässt Dr. Helmut Marko gegenüber Motorsport-Magazin.com seiner Gefühlswelt freien Lauf: "Das ist unglaublich. Diese Performance vom Team und Max vor dieser Publikums-Kulisse - was will man mehr? Vor fünf Jahren hat Max mit uns in der Formel 1 angefangen und dann sowas. Märchenhaft!"

Auch Max Verstappen ist erleichtert, die Führung vor heimischer Kulisse über die Ziellinie gebracht zu haben. "Wenn du hierher kommst, wollen sie, dass du gewinnst. Der Start war wichtig und dann ging es darum, die Lücke zu managen, damit sie keinne Undercut gegen uns machen können. Das ist ein unglaubliches Gefühl, vor den Fans zu gewinnen." Von diesen ließ er sich dabei nicht aus der Ruhe bringen: "Wir sind professionell genug, um uns auf unseren Job zu fokussieren, sobald wir im Auto sitzen."

Max Verstappen alleine gegen Mercedes: War unser Trauma

Bis zum Ende des Rennens sollten Verstappen allerdings sowohl Lewis Hamilton als auch Valtteri Bottas das Leben schwer machen. Da Sergio Pérez das Renne nach einem Motorenwechsel aus der Boxengasse in Angriff nahm, musste sich Verstappen vom Start weg alleine gegen beide Silberpfeile behaupten. "Das war, wenn man so will, unser Trauma", schildert Dr. Helmut Marko.

Beim Start selbst konnte sich der Niederländer aber direkt absetzen. "Er hat es geschafft, den Grip zu fühlen und die Reifen schnell zum Abreiten zu bekommen. In den ersten drei oder vier Kurven war er schon drinnen. Seine Fähigkeit, den Grip zu lesen und zu beurteilen ist sehr stark", lobt Red-Bull-Teamcehf Christian Horner den Lokalmatador.

Nachdem sich Max Verstappe zunächst etwas von seinem WM-Rivalen Hamilotn absetzen konnte, wagte Mercedes einen ersten Angriff auf die Führung, als das deutsche Werksteam Valtteri Bottas lange draußen ließ, um diesen gegen Verstappen als Bremsblock zu benutzen.

Max Verstappen konnte vor orangener Kulisse triumphieren - Foto: Red Bull
Max Verstappen konnte vor orangener Kulisse triumphierenFoto: Red Bull

"Das war gefährlich, aber Gott seid Dank sind seine Reifen zu diesem Zeitpunkt schon wirklich unten gewesen", blickt Dr. Helmut Marko zurück. Tatsächlich gaben die Pirelli-Pneus des Finnen nicht mehr viel her. Nachdem der Red-Bull-Pilot einen Undercut-Verscuh Hamiltons abwehren konnte, machte er auch mit Bottas kurzen Prozess.

"Valtteri ist ein fairer fahrer. Er fährt hart, aber fair, also habe ich mich dabei gut gefühlt. Aber ich wusste natürlich, dass es sehr wichtig ist, dass ich an ihn vorbeikomme. Nach dem Stopp habe ich gesehen, dass er wirklich wenig Grip hatte und mit den Reifen gekämpft hat. Im ersten DRS-Fenster bin ich nicht vorbeigekommen. Auf der zweiten Runde habe ich nicht viel Zeit verloren, um dann vorbeizukommen", so Verstappen.

Ein weiterer Undercut-Versuch von Mercedes ging in der Folge ins Leere und da sich Red Bull dazu entschied, für den letzten Stint harte Reifen aufzuziehen, hatte Verstappen gegenüber Hamilton, der ein zweites Mal auf Mediums fuhr, in der finalen Rennphase auch einen Reifenvorteil.

"Er hat Druck gemacht und schnelle Runden gedreht. Vor allem vor dem letzten Stopp. Er war auf Mediums und ich auf harten Reifen, aber ich hatte am Ende genug Glück. So viele Runden zu puschen war sehr cool", beschreibt Verstappen das Duell gegen Hamilton.

Red Bull verzichtet auf Zusatzpunkt

Die schnellste Rennrunde konnte sich Verstappen am Rennsonntag nicht sichern. Mercedes holte kurz vor Schluss beide Piloten an die Box, um die schnellste Runde und den damit verbundenen Zusatzpunkt für Lewis Hamilton abzusichern.

Auch Red Bull hätte mit Sergio Pérez, der das Rennen auf dem achten Platz beendete, kurz vor Rennende versuchen können, die schnellste Runde zu drehen, um Hamilton den Zusatzpunkt streitig zu machen. Das Team verzichtete jedoch darauf. "Das wäre mit hohem Risiko verbunden gewesen. Wir hätten mit beiden Piloten wahrscheinlich Verkehr gehabt. Hamiloltn hatte auf seiner Runde keinen Verkehr. Da wollten wir wegen diesen einen Punkt nichts riskieren", erklärt Dr. Helmut Marko.