Valtteri Bottas musste beim Rennen zum GP von Silverstone bereits zum zweiten Mal am letzten Wochenende seine eigene Leistung dem Team und Lewis Hamilton unterordnen. Ein Spiel, das sich noch öfter wiederholen könnte. Denn Mercedes-Teamchef Toto Wolff stellt klar: "Es gibt keinen Spielraum für Lewis Hamilton im WM-Kampf."

Teamplayer Bottas unterstützt Hamilton

Lewis Hamilton siegte am Sonntag beim Großen Preis von Großbritannien nach einer hitzigen Startphase, die in einem Unfall mit Max Verstappen ihren Höhepunkt fand und ihm eine Strafe einhandelte. Erst kurz vor Schluss gelang es dem nun achtfachten Silverstone-Sieger diese Zeitstrafe wettzumachen und den Sieg einzufahren.

Doch ohne Valtteri Bottas wäre das gar nicht möglich gewesen. Denn sobald Hamilton auf der 40. Runde nah zu seinem Teamkollegen aufschloss, wurde der Vize-Champion prompt dazu angewiesen, Platz zu machen. Einer Aufforderung, der er umgehend Folge leistete.

Wenn es Mercedes auf einem Zweikampf zwischen ihren beiden Piloten ankommen gelassen hätte, wäre für Hamilton wohl kaum mehr genügend Zeit gewesen, um den Führenden Charles Leclerc noch abzufangen. "Valtteri half Lewis den Sieg klarzumachen. Er ist ein großartiges Teammitglied mit der richtigen Persönlichkeit", lobte Teamboss Toto Wolff den selbstlosen Positionswechsel des derzeitigen WM-Vierten mit Serienweltmeister Hamilton.

Beim Großen Preis von Spanien früher in dieser Saison sträubte sich Bottas noch dagegen, Hamilton in einer ähnlichen Situation einfach so ziehen zu lassen. Erst nach einer halben Runde, auf welcher der siebenfache Champion wertvolle Zeit liegen ließ, tauschten die beiden ihre Positionen.

Kein Spielraum im WM-Kampf

Zu solchen Teamorders könnte es in diesem Jahr noch öfters kommen. Denn im Gegensatz zu seinem Teamkollegen, der nach dem England-Triumph nur acht Punkte hinter Verstappen liegt, hat Bottas praktisch keine Chance mehr, um die Weltmeisterschaft mitzukämpfen. Toto Wolff stellte fest: "Statistisch gesehen sind seine Chancen die Meisterschaft zu gewinnen verglichen mit Lewis sehr gering", so der Österreicher.

"So hart es für einen Fahrer sein mag, aber es ist kein Spielraum in der diesjährigen Weltmeisterschaft", sagte Wolff weiter. Eine Aussage, die wenig Interpretationsspielraum zulässt: Bottas muss Platz machen, wenn es den WM-Chancen von Hamilton dienlich ist.

Jubel bei Mercedes: Valtteri Bottas und Lewis Hamilton freuen sich nach dem Silverstone-GP - Foto: LAT Images
Jubel bei Mercedes: Valtteri Bottas und Lewis Hamilton freuen sich nach dem Silverstone-GPFoto: LAT Images

Mercedes-Teamwork auch im Qualifying

Wolff fand lobende Worte für die Leistung des Finnen in Silverstone: "Er hatte ein brillantes Wochenende. Er hätte auf Pole stehen können, wenn er am Freitag Windschatten gehabt hätte", kalkulierte Wolff.

Bereits im Qualifying am Freitag musste Valtteri Bottas seine eigenen Interessen hinten anstellen. Im entscheidenden Segment fuhr der Ex-Williams-Pilot als erster auf die Strecke, Hamilton profitierte so vom Windschatten. Dadurch sicherte sich der Brite die Pole Position für seinen Heim-GP, während Bottas wenige Zehntel dahinter blieb.

Doch diese Aktion war keineswegs eine direkte Benachteiligung von Bottas, denn teamintern entspricht es der Mercedes-Politik, dass sich die Fahrer bei der Reihenfolge im entscheidenden Qualifying-Abschnitt abwechseln. Beim Qualifying zum Österreich-GP hatte beispielsweise der Finne das Privileg später aus der Box entlassen zu werden.

Vermasselte Starts kosten Plätze

"Heute hatte er ein solides Rennen", beurteilte Wolff am Sonntag die Leistung seines Fahrers, "Valtteri war das zweitschnellste Auto auf der Strecke, nur Lewis war in einer anderen Dimension unterwegs. Bottas selbst analysierte: "Was für mich das Rennen um die Möglichkeit um den Sieg gebracht hat, war in beiden Fällen der Start. Ich hatte sowohl beim Start als auch beim Restart durchdrehende Reifen."

Bottas büßte jeweils eine Position ein, zuerst gegen Charles Leclerc und beim Restart auch gegen Lando Norris. Den Briten konnte er jedoch problemlos dank eines verpatzten McLaren-Boxenstopps wieder überholen, wodurch sich im Ziel der dritte Platz ausging. Für ihn war es das sechste Podium in dieser Saison und der dritte Podestplatz in Serie.