Der Titelverteidiger ist da: Mercedes präsentierte am Dienstag sein neues Auto für die Formel-1-Saison 2021. Der Silberpfeil, der erneut überwiegend schwarz gehalten ist, hört auf den Namen F1 W12 E Performance. Zunächst schickte Mercedes nur sogenannte Renderings, also Computer-generierte Bilder des neuen Dienstwagens von Weltmeister Lewis Hamilton und Valtteri Bottas.

Wenig später fand in Mercedes' Formel-1-Werk in Brackley eine Präsentation im Livestream statt, bei dem das echte Auto zu sehen war. Am Nachmittag soll es auch richtige Fotos vom neuen Fahrzeug geben. Dieser Artikel wird deshalb laufend aktualisiert.

Wie alle Autos der Generation 2021 ist auch der F1 W12 seinem Vorgänger aus dem Gesicht geschnitten. Große Teile des Fahrzeugs dürfen schließlich gar nicht entwickelt werden. Mercedes verspricht dennoch 'erhebliche aerodynamische Veränderungen', die auf den Renderings allerdings nur schwer zu erkennen sind. Komplett neu scheint die vordere Bremsbelüftung gestaltet zu sein.

Mercedes mit neuem Motor

Gleichzeitig soll der Silberpfeil an der Aufhängung und am Kühlsystem erheblich überarbeitet worden sein. Dabei trägt Letzteres wohl einer komplett neuen Power Unit Rechnung. Denn die Motoren-Abteilung in Brixworth hatte über den Winter einige Hausaufgaben zu machen.

An der Leistung des letztjährigen Motors gab es wenig auszusetzen, allerdings machte die Zuverlässigkeit Probleme. "Wir haben im vergangenen Jahr einige Designprobleme festgestellt, an denen wir gearbeitet haben, um sie mit einigen Veränderungen anzugehen", so Motoren-Chef Hywel Thomas. Der Nachfolger von Andy Cowell bei Mercedes High Performance Powertrains ließ seine Mannschaft an einer komplett neuen MGU-K arbeiten.

Beim Nasen-Konzept bleibt sich Mercedes weiterhin treu - Foto: Mercedes-AMG F1
Beim Nasen-Konzept bleibt sich Mercedes weiterhin treuFoto: Mercedes-AMG F1

Aber auch am Verbrennungsmotor gab es größere Änderungen. "In der Saison 2020 haben wir eine Aluminium-Struktur eingesetzt, die nicht so haltbar wie erwartet war. Deshalb haben wir eine neue Legierung für den Motorblock eingeführt", verrät Thomas.

Änderungen an Power Unit und Kühlsystem lassen sich von außen nur erahnen. Die Motorabdeckung scheint nun noch enger anzuliegen als ohnehin schon. Sichtbar wird das an einer markanten Ausbeulung.

Technik-Chef lüftet Token-Geheimnis nicht

Welche homologierte Komponente oder gar Komponenten Mercedes mit den zwei zur Verfügung stehenden Token überarbeitet hat, ist auf den Renderings nicht zu erkennen. Technik-Chef James Allison gibt sich mysteriös: "Wir haben unsere Tokens verbraucht, aber wir verraten noch nicht wofür. Das wird beizeiten klar werden."

Ähnlich geheimnisvoll zeigt sich Allison beim Unterboden. Auf den Renderings sind hier keinerlei Details zu erkennen und auch am echten Auto konnte man im Livestream nur die rudimentäre Form erkennen, die dem Reglement bedingt 2021 beschnitten wurde.

"Wir zeigen den Bereich am Unterboden noch nicht. Das ist der Bereich, der von den neuen Regeln am meisten betroffen war. Da unten gibt es einige aerodynamische Details, die wir der Welt noch nicht zeigen wollen. Nicht, weil es sie noch nicht gibt, sondern weil wir nicht wollen, dass sie unsere Konkurrenz sieht und sie ähnliche Dinge im Windkanal probieren", sagt Allison klipp und klar. "Das kauft uns ein paar Wochen extra."

Allison hatte im Winter mit einem Luxusproblem zu kämpfen: Die Autos durften sechs Kilogramm Gewicht zunehmen. Drei Kilo davon fressen die neuen Reifen auf, doch Mercedes hatte noch mehr Gewicht zu verteilen. "Uns stehen durch das Verbot von DAS noch ein paar zusätzliche Kilos zur Verfügung", erklärt Allison.

Von schräg hinten lässt sich die Beule in der Motorabdeckung gut erkennen - Foto: Mercedes-AMG F1
Von schräg hinten lässt sich die Beule in der Motorabdeckung gut erkennenFoto: Mercedes-AMG F1

"Besonderes Augenmerk lag dabei darauf, Bereiche zu finden, in denen wir zusätzliches Gewicht für raffiniertere aerodynamische Geometrien nutzen können", so Allison. Homologierte Komponenten dürfen aus Kosten- oder Zuverlässigkeitsgründen überarbeitet werden. Auch hier lässt sich zusätzliches Gewicht einplanen. Beide Faktoren sind 2021 nicht unwesentlich, weil sich die Teams erstmals an eine Budgetobergrenze halten müssen.

Silberpfeil bleibt auch 2021 schwarz

Bei der Lackierung macht Mercedes keine Rolle rückwärts. Wurde der F1 W11 noch im klassischen Silberpfeil-Look präsentiert, rückte er beim ersten Rennen in Österreich schwarz aus. Die schwarze Grundlackierung bleibt erhalten und steht für mehr Vielfalt und Integration.

Zwei größere Neuerungen an der Lackierung gibt es dennoch: Im Winter stieg INEOS vom Sponsor zum gleichberechtigen Teilhaber des Teams auf. Die roten Flächen wurden deshalb mehr und größer. Dazu gehören die zahlreichen Mercedes-Sterne auf der Motorhaube der Vergangenheit an. Stattdessen prangt nun das AMG-Logo in mehrfacher Ausführung.

Die Seitenansicht des Mercedes F1 W12 E Performance - Foto: Mercedes-AMG F1
Die Seitenansicht des Mercedes F1 W12 E PerformanceFoto: Mercedes-AMG F1

Die engere Zusammenarbeit mit Mercedes' Performance-Abteilung AMG spiegelt sich auch im Fahrzeugnamen wider: Die künftigen AMG-Fahrzeuge werden ebenfalls 'E Performance' im Namen tragen. Der Vorgänger W11 hörte noch auf den Zusatz EQ Performance, dessen Vorgänger W11 auf den Zusatz EQ Power+. Allen gemeinsam ist die fortlaufende Nummerierung seit dem Mercedes-Wiedereinstieg im Jahr 2010.

Im Gegensatz zu den Vorjahren absolviert Mercedes bei der Präsentation keinen Filmtag. Stattdessen wird der F1 W12 E Performance sein Rennstreckendebüt erst beim offiziellen Test in Bahrain am 12. März geben.