Sergio Perez steht in der Formel 1 2021 vor der Chance seines Lebens. In den Farben von Red Bull geht der Mexikaner endlich für ein Top-Team an den Start. Auf dem Zenit seiner Karriere steht er der Herausforderung mit Tatendrang und Selbstvertrauen gegenüber. Die Vorzeichen sind gut, doch aus dem vermeintlichen Durchbruch kann schnell eine undankbare Sackgasse werden. Einst scheiterte Perez als hoffnungsvoller Youngster bei McLaren. Diesmal fühlt er sich bereit, doch es gibt gewisse Parallelen zu seinem Flop vor acht Jahren.

"Es ist für mich eine große Challenge. Wir alle kennen Max und wir wissen, wie talentiert und schnell er ist, und wie er über die vergangenen Jahre gewachsen ist und wie komplett er jetzt ist", ist sich Perez des Kalibers seines neuen Teamkollegen bewusst. "Er ist definitiv einer der besten und schnellsten, wenn nicht sogar der schnellste Fahrer dort draußen. Das ist eine massive Herausforderung."

Max Verstappen bezwang bisher jeden seiner Teamkollegen deutlich. Einzig der zu Beginn der Zusammenarbeit maßgeblich erfahrenere Daniel Ricciardo vermochte es, Verstappen mit Konstanz die Stirn zu bieten. Doch die Pace des Supertalents konnte er schon bald nicht mehr mitgehen. Pierre Gasly und Alexander Albon scheiterten kläglich an der Messlatte Verstappen. "Er ist schon lange hier und weiß, was er vom Auto braucht", weiß Perez um das Defizit auf seiner Seite.

Erfahrung als Schlüssel zum Erfolg bei Red Bull

Im Alter von 30 Jahren und mit dem ersten Grand-Prix-Sieg auf dem Konto fühlt er sich für diese schwierige Aufgabe jedoch mehr als bereit. "Ich habe meine gesamte Karriere auf die Chance bei einem Top-Team gewartet. Endlich ist es geschehen und ich denke, es kam für mich im richtigen Moment", sagt er. "Ich war bei unterschiedlichen Teams, bin in unterschiedlichen Epochen gefahren und ich denke, ich weiß, was ich brauche."

Etwas, das er über seinen Abstecher zu McLaren nicht behaupten konnte. Im Jahr 2013 erhielt er schon einmal die Chance in einem Top-Team, die dann doch keine war. Nach zwei Jahren für Sauber, in denen er mit sensationellen Rennen drei Podestplätze einfuhr und nur knapp am ersten Sieg scheiterte, war er der Mann der Stunde. Eine Perspektive bei Ferrari schlug er in seiner Gier aus.

Formel 1 2021, Red Bull: Kampfansage an Mercedes: (11:12 Min.)

Perez als begehrter Youngster zu gierig

"Ich war 2012 noch im Ferrari-Kader und sollte für 2014 einen Vertrag erhalten. Ich sollte noch ein Jahr bei Sauber fahren und dann zu Ferrari wechseln. Ich war in Maranello und sprach mit [Stefano] Domenicali und er sagte, wir sollten einen Vorvertrag für 2014 aufsetzen", erinnerte sich Perez unlängst im Formel-1-Podcast 'Beyond the Grid' an die blendende Perspektive zu Beginn seiner Laufbahn.

Bis in die Haarspitzen motiviert entschied er sich dazu, nicht auf die Scuderia zu warten. "Ich war damals sehr jung und hungrig und verzweifelt, so ein Cockpit zu erhalten. Ich sagte ihnen, dass ich schon 2013 für sie fahren will. Und zu dieser Zeit waren Mercedes, Ferrari und McLaren an mir interessiert. Ich war also in einer wirklich starken Position und dachte mir, ich muss in ein konkurrenzfähiges Auto, denn ich kann den Titel holen."

Nachdem Lewis Hamilton von Mercedes unter Vertrag genommen wurde, um Michael Schumachers Platz einzunehmen, wurde es zwischen McLaren und Perez ernst. Das britische Top-Team suchte sich den vielversprechendsten Youngster aus, um Hamilton zu ersetzen. "Die Möglichkeit bei McLaren kam zustande und sie hatten in den letzten fünf Jahren immer um Siege und Titel gekämpft. Wie kannst du da nein sagen?", so Perez.

Als einer der wenigen Fahrer in der Geschichte des Sports, schloss er die Tür zu Ferrari eigenhändig: "Für mich war die Entscheidung eindeutig, also musste ich der Ferrari Driver Academy Bye-bye sagen."

Perez opferte seine Ferrari-Perspektive für die McLaren-Chance - Foto: Ferrari
Perez opferte seine Ferrari-Perspektive für die McLaren-ChanceFoto: Ferrari

McLaren überfordert Perez

Anstatt des erhofften Titelkampfs geriet seine Karriere im Silberpfeil jedoch ins Stocken. Nach einem Jahr an der Seite von Jenson Button wurde er bei McLaren wieder vor die Tür gesetzt. Im Qualifying-Duell setzte er sich mit 10:9 knapp gegen den Briten durch, doch in der Gesamtwertung unterlag er mit 49:73 Punkten relativ deutlich.

"Ich denke, wenn man schaut wie es in dieser Saison um McLaren bestellt war, kam diese Möglichkeit für mich im falschen Moment", gesteht Perez. Er war für das Umfeld schlichtweg nicht so bereit, wie er sich fühlte. "Ich kam für Hamilton und alle bei McLaren erwarteten von mir, dass ich jetzt Weltmeister werde. Aber dazu hatte ich nicht das Auto."

Der McLaren MP4-28 wurde seinen Vorgängern nicht gerecht. Das Team landete in der Gesamtwertung auf Platz fünf, und das mit großem Abstand. Auf den Viertplatzierten fehlten 193 Punkte. Es war das erste Mal seit 1980, dass das Team in einer Saison ohne Podium blieb. "Es war ein sehr schwieriges und unbeständiges Auto", sagt Perez.

Mit der Fehlentwicklung und der Eingewöhnung in ein neues Team war er überfordert: "Mit meinem Level an Erfahrung war es sehr schwer, das Maximum herauszuholen. Es war für mich sehr schwer, mich an solch ein sprunghaftes Auto zu gewöhnen. Es war in jedem Rennen anders, weil wir jedes Wochenende neue Teile gebracht haben und am Freitag nur Aero-Tests gefahren sind. Ich hatte nie die Chance, mich mit dem Auto vertraut zu machen."

McLaren und Perez wurden der gegenseitigen Erwartungshaltung nicht gerecht - Foto: Sutton
McLaren und Perez wurden der gegenseitigen Erwartungshaltung nicht gerechtFoto: Sutton

Woking wird zum Spießrutenlauf

Etwas, an dem auch sein Vorgänger bei Red Bull scheiterte. Als das Team zu Saisonbeginn den großen Rückstand auf Mercedes realisierte, wurde sofort auf Hochtouren am RB16 gearbeitet. Alexander Albon gelang es nicht, mit dieser hohen Schlagzahl schrittzuhalten. "Wenn ein Fahrer das Team wechselt, ist es schwierig. Du brauchst Zeit, um dich anzupassen - und die hatte ich bei McLaren nicht", weiß Perez um diese Situation Bescheid.

Doch wo Albon im Schatten von Teamleader Verstappen stets Welpenschutz genoss und die Teamführung die schützende Hand über ihn hielt, bekam Perez bei McLaren die Frustration des Managements ungefiltert zu spüren. "Es war ein hoher Druck und eine schlechte Atmosphäre. Mir hat die Unterstützung vom Team gefehlt und ich glaube, dass die Menschen um mich herum nicht die ideale Umgebung boten, um mich wohl zu fühlen und Selbstvertrauen zu haben", erklärt er.

Inmitten der sportlichen Krise kam es zu Querelen an der Spitze des Teams. Zwischen McLaren-Boss Ron Dennis und Teamchef Martin Whitmarsh kam es zu einem Zerwürfnis. "Es gab viele Schwierigkeiten und auch politische Differenzen mit Ron und Martin. Das war einfach eine harte Zeit", so Perez, der nach 2013 zusammen mit Whitmarsh den Laufpass erhielt.

Sergio Perez und Martin Whitmarsh mussten McLaren Ende 2013 verlassen - Foto: Sutton
Sergio Perez und Martin Whitmarsh mussten McLaren Ende 2013 verlassenFoto: Sutton

Parallelen zwischen Red Bull und McLaren

In Anbetracht der Harmonie und Einigkeit im Hause Red Bull ist ein derartiges Kompetenzgerangel kaum zu erwarten. Dennoch gibt es Parallelen zwischen Perez' Deal mit McLaren und der Vereinbarung mit Red Bull. Nach seinem Aus bei Racing Point befand er sich in keiner sonderlich starken Verhandlungsposition, weshalb sein neues Team ihm zunächst nur einen Einjahresvertrag mit Option gab.

Etwas, das trotz der damals deutlich besseren Ausgangslage auch bei McLaren der Fall war. "Als ich zu McLaren ging war der Fehler, nur einen Einjahresvertrag zu unterschreiben", so Perez, dem damit ein zweites Jahr verwehrt blieb, in dem er sich hätte rehabilitieren können. "Ich denke, mein Management hat damals keinen guten Job mit dem Vertrag gemacht."

Eine zweite Parallele ist der Status seines Teamkollegen. So wie Verstappen bei Red Bull die klare Nummer eins ist, lag der Fokus bei McLaren auf Button. "Ich fuhr neben Jenson, der Weltmeister war und im Team sehr etabliert war. Ich kam sozusagen in sein Team", erklärt Perez, der lange unter dem zum Scheitern verurteilten Unterfangen litt. "Das hat einfach nicht funktioniert. Letztendlich war das etwas, das meine Reputation in der Formel 1 etwas beschädigt hat."

Force India fing ihn auf und er nutzte die Chance, sich in der Königsklasse erneut zu etablieren. "Ich habe jetzt mehr Erfahrung und wenn ich mir die Probleme von damals anschaue, habe ich einen ganz anderen Blickwinkel", glaubt Perez nach seinen Erfolgen mit dem Mittelfeldteam nicht an eine Wiederholung des McLaren-Debakels. "Alles geschieht aus einem Grund. Wenn das Jahr bei McLaren nicht stattgefunden hätte, wäre ich jetzt nicht dieselbe Person. Ich würde nichts ändern."