Ein verkürzter, eintägiger Young-Driver-Test in Abu Dhabi markiert am Dienstag nach dem Rennen den letzten Auftritt der Formel 1 im Jahr 2020. Ausgerechnet Fernando Alonso, dessen Teilnahme an eben diesem Test eine kleine Kontroverse ausgelöst hatte, holte sich die Bestzeit. Mick Schumacher beendete seinen zweiten offiziellen Haas-Auftritt auf dem letzten Platz.

An und für sich ist der Young-Driver-Test für Fahrer mit sehr beschränkter F1-Erfahrung reserviert, aber Renault und Alonso bekamen schließlich grünes Licht - mit der Begründung, dass der Spanier zwei Jahre lang nicht aktiv in der Formel 1 unterwegs war.

Acht Teams beteiligten sich am Test, sieben davon mit zwei Autos. Haas setzte nur ein Auto für Mick Schumacher ein. McLaren und Racing Point fehlten, nachdem sie weder Nachwuchs-Piloten zur Verfügung hatten noch ihre neuen 2021er-Piloten Daniel Ricciardo und Sebastian Vettel zum Einsatz bringen konnten. Pirelli stellte für jedes Auto fünf Sätze der C4-Reifen und zwei Sätze der C5-Reifen zur Verfügung.

Alonso unterbietet Renaults Qualifying-Zeit

Alonso machte das meiste aus der Gelegenheit, und spulte im Laufe des Testtages 105 weitere Runden im Renault R.S.20 ab. Die einzige andere Gelegenheit für ihn, sich auf sein Comeback mit dem aktuellen Auto vorzubereiten, war bei einem Filmtag in Barcelona gekommen.

Alonsos beste Runde, eine 1:36.333, war knapp schneller als die beste Renault-Zeit des vorangegangenen Wochenendes. Die hatte am Samstag Esteban Ocon gesetzt, eine 1:36.359. Allerdings unter den Bedingungen des Rennwochenendes.

"Es war sehr gut, wieder im Auto zu sitzen, besonders mit dem Rennteam", meint Alonso danach. "Ich habe das 2018er-Auto zur Vorbereitung getestet, aber das heute hat sich ein bisschen ernster angefühlt, und hat in mir ein bisschen ein Feuer entfacht. Es war toll, das moderne Auto zu spüren und zu erfahren, was es kann."

Fernando Alonso fuhr über 100 Runden - Foto: LAT Images
Fernando Alonso fuhr über 100 RundenFoto: LAT Images

"Wir haben viele grundsätzliche Dinge erledigt, die wir in der Fabrik vorbereitet haben, wie die Sitzposition, Pedalposition und so", erklärt Alonso. "Das hilft, wenn du nur eineinhalb Tage Wintertestfahrten hast im nächsten Jahr. Wir haben alles abgehakt heute und verabschieden uns guter Dinge in Richtung Weihnachten und Neujahr."

Buemi crasht Red Bull

Hinter Alonso folgte Mercedes - Nyck de Vries (1:36.595) und Stoffel Vandoorne (1:36.840), sonst die Formel-E-Stammpiloten der Stuttgarter, absolvierten zusammen 192 Runden. Vandoorne hatte noch den Vormittag mit der Zwischenbestzeit beendet, aber Alonso holte sich spät in den Qualifying-Simulationen Platz eins zurück. Vandoornes letzte schnelle Runde kam außerdem verfrüht - er musste aufgrund von Formel-E-PR-Pflichten vorzeitig abreisen und verpasste die besten Streckenbedingungen.

Robert Kubica belegte den vierten Platz. Red-Bull-Junior Yuki Tsunoda beendete seinen ersten echten Formel-1-Tag auf Rang fünf, und absolvierte 123 Runden mit AlphaTauri, wo er höchstwahrscheinlich 2021 ein Stammcockpit haben wird. Teamchef Franz Tost war mit dem Auftritt zufrieden: "Yuki hat einen großartigen Job gemacht und uns sehr gutes technisches Feedback gegeben. Seine Zusammenarbeit mit den Ingenieuren war ebenfalls vorteilhaft."

Dahinter folgte mit Jüri Vips ein weiterer Red-Bull-Junior. Für den Esten, der 2021 in der Formel 2 am Start stehen wird, war es ebenfalls das offizielle Formel-1-Debüt. Ferrari-Testpilot Antonio Fuoco folgte dahinter, dann der amtierende F2-Vizemeister Callum Ilott im zweiten Alfa Romeo. Renaults zweites Auto, gelenkt vom Test- und Ersatzfahrer Guanyu Zhou, belegte den neunten Platz, vor Jack Aitken im Williams und Robert Shwartzman im zweiten Ferrari.

Sebastien Buemi fuhr seinen Red Bull kaputt - Foto: LAT Images
Sebastien Buemi fuhr seinen Red Bull kaputtFoto: LAT Images

Red Bulls Ersatzfahrer Sebastien Buemi sorgte bei dem ohne TV-Kameras stattfindenden Test für den einzigen dokumentierten Zwischenfall, als er seinen RB16 rückwärts in die Wand stopfte und Flügel und Heck beschädigte. Er kam trotzdem auf 77 Runden, und holte den zwölften Platz vor Marino Sato im zweiten AlphaTauri und Roy Nissany im zweiten Williams.

Schumacher belegt letzten Platz im Test

Mick Schumacher beendete seinen zweiten Haas-Auftritt auf dem letzten Platz. Mit 1:39.947 war er klar langsamer als Pacesetter Alonso. Dafür absolvierte er aber 125 Runden und konnte wertvolle Erfahrung im F1-Auto sammeln. Die meisten Runden fuhr Ferrari - 129 waren es für Robert Shwartzman, und 126 für Antonio Fuoco.

"Das Wichtigste war es heute, einfach die Reifen ein bisschen besser zu verstehen - dafür waren die Longruns sehr gut", urteilt Schumacher. Haas' Ziel war für diesen Test nicht die Performance auf eine Runde, sondern man wollte ihn langsam und sorgfältig an das Auto gewöhnen und ihn dann auf Longruns schicken, um Reifenmanagement zu üben. "Ich denke, wir haben das geschafft, und jetzt weiß ich ganz gut, was ich machen muss. Wobei die Reifen natürlich nächstes Jahr ein bisschen anders sein könnten. Ich fühle mich sehr komfortabel und weiß, dass das Team happy ist, das ist gut."

Mick Schumacher fuhr beim Abu-Dhabi-Test fast nur Longruns - Foto: LAT Images
Mick Schumacher fuhr beim Abu-Dhabi-Test fast nur LongrunsFoto: LAT Images

Haas-Chefingenieur Ayao Komatsu lobt den Debütanten danach: "Sein Herangehen war exzellent, genauso wie sein Verständnis des Programms, sein Verständnis des Autos, und wie er mit den Ingenieuren gearbeitet hat, um sein Reifen-Management zu verbessern. Es war exzellent. Wir sind sehr zufrieden."

Damit endet die F1-Saison 2020 offiziell. Die nächste Session wird erst der Vorsaison-Test im nächsten Jahr sein, der aller Voraussicht nach drei Tage lang in Barcelona ausgetragen wird.

Formel 1 Abu Dhabi - Testfahrten: Ergebnis

P. Fahrer Team Zeit Reifen Runden
1 Fernando Alonso Renault 1:36.333 C5 105
2 Nyck de Vries Mercedes 1:36.595 C5 110
3 Stoffel Vandoorne Mercedes 1:36.840 C5 82
4 Robert Kubica Alfa Romeo 1:37.446 C5 89
5 Yuki Tsunoda AlphaTauri 1:37.557 C5 123
6 Jüri Vips Red Bull 1:37.770 C4 101
7 Antonio Fuoco Ferrari 1:37.817 C5 126
8 Callum Ilott Alfa Romeo 1:37.826 C5 93
9 Guanyu Zhou Renault 1:37.902 C5 98
10 Jack Aitken Williams 1:38.153 C4 78
11 Robert Shwartzman Ferrari 1:38.157 C5 129
12 Sebastien Buemi Red Bull 1:38.284 C4 77
13 Marino Sato AlphaTauri 1:38.495 C4 127
14 Roy Nissany Williams 1:39.800 C4 75
15 Mick Schumacher Haas 1:39.947 C5 125