Es war nicht das Wochenende von Valtteri Bottas. Schon am ersten Bahrain-Wochenende tat sich der Mercedes-Pilot gegen Lewis Hamilton schwer, beim Sakhir GP sorgte dann Hamilton-Ersatz George Russell für Schwierigkeiten und schlechte Schlagzeilen.

Mercedes-Junior Russell hatte nur wenige Tage Zeit, sich auf seinen ersten Einsatz für Mercedes vorzubereiten. Nach einer knappen Qualifying-Niederlage übernahm Russell am Start die Führung von Bottas und führte das Rennen bis zum Boxenstopp-Drama komfortabel an.

Am Ende eines chaotischen Rennens kam Bottas auf Rang acht ins Ziel - nur einen Platz und drei Sekunden vor Russell, der nach all dem Drama auch noch einen Plattfuß hatte. "Wenn man die Dinge nicht kennt, sehe ich vielleicht aus wie eine komplette Pussy oder ein kompletter Trottel", so Bottas zu Motorsport-Magazin.com.

Das Rennen war ein absolutes PR-Desaster für Bottas, wie auch der Finne selbst weiß: "Das ist nicht schön. Diesbezüglich war es ein sehr schlechtes Rennen für mich. Für die Leute wird es einfach, das zu sagen. Ein Neuer kommt rein und schlägt den anderen, der schon Jahre bei dem Team ist. Das ist nicht ideal."

Auch Toto Wolff ging direkt nach dem Rennen ungewohnt hart mit seinem Piloten ins Gericht. Nach dem Debrief sagte Bottas aber: "Diejenigen, die sich auskennen, wissen, wie die Performance war und wie das Ergebnis hätte sein können."

Formel 1: Muss Mercedes Bottas durch Russell ersetzen?: (16:58 Min.)

Bottas sicher: Hatte noch Chance auf Rennsieg

"Ich bin am Start erst gut weggekommen, aber dann gab es eine Drehmomentspitze bevor ich in den zweiten Gang geschalten habe und die Reifen sind durchgedreht", erklärt Bottas. Er verlor das Start-Duell, obwohl er von der sauberen Seite gestartet war, deutlich. "Es ist noch unklar, woher das kam, aber dadurch habe ich das Momentum verloren. Das war sehr unglücklich."

Anschließend fuhr Bottas im Abstand von zwei bis drei Sekunden hinter Russell her. Richtig Druck konnte er nicht auf seinen Neo-Teamkollegen ausüben. "Im Mittelsektor hatte ich etwas Probleme mit der Front, deshalb bin ich nicht nah rangekommen. Es ist eine schwierige Strecke, um hinterherzufahren. Da driftest du stark", so Bottas.

Dann aber hoffte Bottas auf seine Chance. Während Russell in Runde 45 zu seinem ersten und einzigen geplanten Stopp kam, wartete Bottas vier weitere Runden. "Ich wusste, dass die Tack-Position im ersten Stint sehr wichtig sein würde, deshalb war es unglücklich, sie zu verlieren. Aber ich habe dann im zweiten Stint gut aufgeholt und es war noch alles offen. Es hätte am Ende sehr wahrscheinlich noch einen guten Kampf gegeben", glaubt Bottas. "Das Rennen war bis zum Boxenstopp noch nicht zu Ende. Weil ich länger auf Medium fahren konnte, hat sich am Ende die Chance auf Hard ergeben", meint der WM-Zweite.

Alte Reifen ein Albtraum beim Restart

Doch dazu sollte es nie kommen. Weil das Safety Car auf die Strecke kam, legte Mercedes einen zweiten Stopp ein. Zuerst wurde Russell abgefertig, dann Bottas. Dabei kam es zum Desaster: Weil Russell die Reifen von Bottas aufgezogen bekam, waren keine Reifen für den Finnen vorbereitet. Nach langer Standzeit entschied sich Mercedes dann dazu, Bottas auf denselben Reifen wieder auf die Strecke gehen zu lassen, mit denen er an die Box gekommen war.

Neue Reifen bekam Bottas nur bei seinem ersten Stopp - Foto: LAT Images
Neue Reifen bekam Bottas nur bei seinem ersten StoppFoto: LAT Images

"Das Gefühl, wenn du zum Stopp kommst, mit den gleichen Reifen wieder losfährst, mit denen du reingekommen bist und dabei Plätze verloren zu haben, ist schwierig zu erklären", so Bottas. Noch bitterer als die zwei Plätze, die Bottas dabei verlor: Er musste nach dem Restart mit den alten Hards kämpfen. Seine Gegener hatten dabei deutlich frischere Mediums aufgezogen.

"Das war ein Albtraum", schimpft Bottas. "Die harten Reifen sind so schwer auf Temperatur zu bringen. Beim langsamen Stopp und hinter dem Safety Car sind sie ausgekühlt. Vor allem auf der Vorderachse war es schwer, da bist du chancenlos. Die Leute haben mich links und rechts überholt." Neben Russell gingen auch Carlos Sainz, Daniel Ricciardo und Alexander Albon im letzten Rennabschnitt an Bottas vorbei. Nur durch ein Plattfuß von Russell fiel der Teamkollege wieder auf Rang neun hinter Bottas zurück.