George Russell darf seinen neunten Platz beim Sakhir GP in Bahrain behalten, obwohl er Reifen genutzt hatte, die nicht für ihn bestimmt waren. Das haben die Stewards nach einer Anhörung von Sportdirektor Ron Meadows entschieden. Russell fuhr damit erstmals in seiner Formel-1-Karriere WM-Punkte ein. Das Mercedes-Team erhielt eine Geldstrafe von 20.000 Euro.

Russell führte das Rennen seit dem Start vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas an. Als in der 62. Runde eine Safety-Car-Phase ausgerufen wurde, kam er zu einem Reifenwechsel in die Box. Die Entscheidung fiel innerhalb kurzer Zeit. Für Mercedes war die Phase umso hektischer, weil man sich entschied, auch Bottas abfertigen zu wollen. Der befand sich rund fünf Sekunden hinter Russell.

Bei dem Stopp wurden an Russells Auto Vorderreifen montiert, die zum Kontingent von Teamkollege Bottas zählten. Der Brite fuhr eine Runde um den Bahrain International Circuit, ehe der Fauxpas bei einem weiteren Reifenwechsel behoben wurde. In der Folge fiel er weit zurück.

Bei Bottas' Stopp wurde der Fehler bemerkt. Nach einiger Konfusion wurden an seinem W11 zunächst die Reifen abgenommen und dann die identischen Pneus wieder montiert. Er verlor beim Boxenstopp und danach viel Zeit, weil er auf abgenutzten Pirellis unterwegs war.

Stewards sehen von Disqualifikation ab

Wegen des Nutzens falscher Reifen warf die Rennleitung Russell einen Verstoß gegen Artikel 24.3 e) des Sportlichen Reglements vor. Als Sanktion sieht das Regelwerk eine Startplatzstrafe oder eine Disqualifikation vor. Die Stewards wählten aber ein Strafmaß, das keine sportlichen Konsequenzen hat.

In der Begründung heißt es, dass die Boxencrew von den Ingenieuren an der Boxenmauer nicht die Nachricht erhalten habe, dass Russell vor Bottas zum Reifenwechsel in die Box kommt. Die Mechaniker gingen davon aus, dass der Finne der erste Pilot sei und bereiteten dessen Reifen vor.

Weil Russell und die Ingenieure gleichzeitig funkten, überlagerte das Kommando des Fahrers jenes des Teams. Deswegen hörten die Mechaniker die Ansage nicht.

Drei Gründe führen zu Urteil

Die Urteilsbegründung lautet: "Das ist ein eindeutiger Bruch der Regeln und würde normalerweise eine sportliche Strafe bis zu einer Disqualifikation bedeuten." Die Stewards ließen mildernde Umstände gelten. Neben der Tatsache, dass die Funkkommunikation gestört war, führten sie drei Argumentationen für ihre Entscheidung auf.

An der Mercedes-Box herrschte teilweise ein Durcheinander - Foto: LAT Images
An der Mercedes-Box herrschte teilweise ein DurcheinanderFoto: LAT Images

Erstens sei das Problem innerhalb einer Runde korrigiert worden. Zweitens sei Bottas' Rennen durch die Verzögerungen und die Folgen des Boxenstopps beeinträchtigt worden. Drittens bewerteten die Stewards den Vorfall so wie einen Verstoß gegen Artikel 24.4 b) des Sportlichen Reglements. Dieser befasst sich mit dem Fall, dass Reifen verschiedener Sätze vermischt werden. Ein solches Vergehen zieht keine Strafe nach sich, wenn es innerhalb von drei Runden korrigiert wird.

Nach dem Rückschlag kämpfte sich Russell wieder nach vorne. Er belegte zwischenzeitlich den zweiten Platz hinter Spitzenreiter Sergio Perez, ehe er wegen eines Plattfußes erneut zum Reifenwechsel in die Box fahren musste. Der Brite beendete seine anschließende Aufholjagd auf Platz neun und fuhr die schnellste Runde.