Renault ist zurück auf dem Podium: Zum ersten Mal seit der Rückkehr als Werksteam in die Formel 1 im Jahr 2016 durften sich die Franzosen wieder über Zuwachs im Trophäen-Schrank freuen. Daniel Ricciardo erlöste Renault am Nürburgring mit Platz drei. Es war das erste Renault-Podium seit Nick Heidfelds drittem Platz in Malaysia 2011, der damals allerdings für Lotus Renault GP fuhr.

Auch für Daniel Ricciardo war es eine emotionale Rückkehr. "Es fühlt sich an wie das erste Podium", so der Australier. "Wenn das Team einem beim Umarmen im Parc-ferme auf den Helm schlägt, sind das schöne Kopfschmerzen."

"Wir haben die letzten vier bis fünf Rennen schon an die Tür geklopft, endlich haben wir die Gelegenheit beim Schopfe gepackt", so Ricciardo. "Ich habe es kommen sehen." Doch der Weg über 60 Runden Nürburgring beim Eifel GP in Deutschland war ein langer.

Von Platz sechs aus gestartet ging der siebenfache GP-Sieger sofort an Alexander Albon vorbei. Nach mehreren Runden hinter Charles Leclerc war schließlich auch der Ferrari-Pilot fällig. Ricciardo lag nun auf Platz vier und somit in Lauerstellung. Gegen die beiden Mercedes und Verstappen an der Spitze war er chancenlos, nach nicht einmal zehn Runden lag er schon mehr als 20 Sekunden hinter der Spitze.

Renault trifft falsche Strategie-Entscheidung

Der Ausfall von Valtteri Bottas sorgte aber dafür, dass Ricciardo plötzlich auf Podiumskurs lag. Allerdings machte sich Renault das Leben zunächst selbst schwer: Als die Spitzenpiloten während der kurzen VSC-Phase zum Boxenstopp kamen, zog Ricciardo mit.

Blöd nur: Als Ricciardo kam, war das Virtuelle Safety Car schon beendet. "Wir hatten vielleicht eine Sekunde Zeit, in der wir die Entscheidung noch hätten ändern können", gestand Teamchef Cyril Abiteboul später.

Die Rückkehr als Werksteam war für Renault bislang eher von Pleiten, Pech & Pannen gekrönt - Foto: Sutton
Die Rückkehr als Werksteam war für Renault bislang eher von Pleiten, Pech & Pannen gekröntFoto: Sutton

Durch die Entscheidung war Ricciardo im Kampf um das Podium etwas ins Hintertreffen geraten: Der Boxenstopp in Runde 16 kam eigentlich zu früh. Die Hauptkonkurrenten um den letzten Platz auf dem Podium kamen erst in Runde 28.

Deshalb kam es in der zweiten Rennhälfte zur Aufholjagd von Sergio Perez. Nach seinem Stopp lag Perez 15 Sekunden hinter Ricciardo. Der Mexikaner holte aber in Riesenschritten auf. "Ich habe meine Reifen gemanagt, um am Ende noch etwas übrig zu haben, aber dann musste ich langsam die Pace wieder anziehen", erklärte Ricciardo.

Renault-Defekt bei McLaren hilft Ricciardo

Weil ausgerechnet der Renault-Motor im Heck von Lando Norris' McLaren kaputt ging und deshalb eine Safety-Car-Phase ausgelöst wurde, konnte Ricciardo aufatmen. "Ich wusste erst nicht, ob das gut oder schlecht ist. Mein Vorsprung war weg, aber dafür waren wir dann auf gleichen Reifen."

Das Safety-Car half Ricciardo - Foto: LAT Images
Das Safety-Car half RicciardoFoto: LAT Images

In der Safety-Car-Phase kamen sowohl Ricciardo, als auch Perez nochmal zum Stopp. Die knapp zehn Sekunden Vorsprung, die Ricciardo vor dem Safety Car noch hatte, waren dahin. Dafür war auch Perez' Reifenvorteil dahin.

So ließ der Australier nach dem Restart nichts mehr anbrennen. Aber hätte es auch ohne die letzte Safety-Car-Phase gereicht? "Schwer zu sagen", sind sich alle beteiligten einig. "Ich wäre wahrscheinlich nicht mehr zum Stopp gekommen, ich hätte es riskiert", meint Ricciardo. Fraglich nur, ob seine Reifen das durchgehalten hätten. "Es wäre eng geworden", ist er sich sicher.

Ricciardo sucht Tattoo für Teamchef Abiteboul aus

Für Teamchef Abiteboul dürfte das Podium bittersüß schmecken. Der Franzose hat seit letztem Jahr eine Wette mit Ricciardo laufen. Würde es der Honigdachs aufs Podium schaffen, muss er sich tätowieren lassen. "Ich stehe zu meinem Wort", sagte Abiteboul nach dem Rennen.

Der Prozess kann sich allerdings noch ein wenig hinziehen. "Zunächst muss Daniel ein Motiv aussuchen, dann werde ich Größe und Ort bestimmen", erklärt der Teamchef. "Es wird ein wenig Brainstorming für Cyrils Tattoo geben", verspricht Ricciardo. "Das erste ist immer spaßig."