Lewis Hamilton hat das Comeback der Formel 1 auf dem Nürburgring gewonnen. Der Mercedes-Pilot feierte in der Eifel den 91. Sieg seiner Karriere und zog dadurch mit Rekordweltmeister Michael Schumacher gleich. Der amtierende Champion fuhr seinen siebten Triumph in der Saison 2020 ungefährdet vor Red-Bull-Pilot Max Verstappen ein. Daniel Ricciardo erkämpfte als Dritter einen Podestplatz für Renault. Nico Hülkenberg erreichte beim spontanen Comeback die Punkteränge.

Von der Pole Position aus gestartet verteidigte sich Valtteri Bottas zunächst erfolgreich gegen Lewis Hamilton. Durch einen Fahrfehler verlor er die Führung in der 13. Runde jedoch an seinen Verfolger. Hamilton hatte das Rennen daraufhin souverän im Griff. Für die Action sorgten unterschiedliche Strategien, enge Fights und Defekte im Mittelfeld.

Bottas, Ocon, Albon und Norris mussten allesamt mit technischen Problemen abstellen. Letzterer sorgte mit seinem Ausfall in der 44. Runde für eine Safety-Car-Phase, die zu einem Showdown in der Schlussphase sorgte. Die Top-5 nutzten die Neutralisierung, um für das Finale zurück auf den Soft-Reifen zu wechseln.

Hamilton kontrollierte das Rennen auch nach dem Restart mühelos und fuhr nach 60 Runden mit einem komfortablen Vorsprung auf Verstappen über die Ziellinie. Im Kampf um den letzten Platz auf dem Treppchen setzte sich Ricciardo gegen Perez durch. Der Australier sicherte dem Werksteam das erste Podium seit Nick Heidfelds drittem Platz beim Malaysia GP 2011.

Die Punkteränge: Als Vierter scheiterte Perez haarscharf an seinem ersten Podest in der Saison 2020. Hinter dem Mexikaner folgten Sainz, Gasly und Leclerc. Vom letzten Platz gestartet erreichte Hülkenberg bei seinem Blitz-Comeback als Ersatz für Lance Stroll einen respektablen achten Platz. Grosjean und Giovinazzi komplettierten die Punkteränge. Vettel ging als Elfter einmal mehr leer aus.

Formel 1, WM-Stand 2020: Nachschlag für Hamilton

Der WM-Stand: Es war die große Chance für Bottas, in der Weltmeisterschaft auf Hamilton Punkte gutzumachen - doch nach dem Rennen auf deutschem Boden führt der Titelverteidiger noch komfortabler als je zuvor in dieser Saison. Bei noch sechs ausstehenden GP liegt er 69 Punkte vor Bottas. Verstappen folgt weitere 14 Zähler dahinter. Im Kampf um den Best of the Rest wurde Norris von Ricciardo abgelöst.

In der Konstrukteursweltmeiterschaft hat Mercedes ein Polster von 180 Punkten auf Red Bull. Wie in der Fahrer-WM ist auch hier der Kampf im Verfolgerfeld das Salz in der Suppe. Racing Point ist neuer Dritter und McLaren liegt nur noch zwei Punkte vor Renault. Ferrari tut sich als Sechster weiterhin schwer, AlphaTauri abzuschütteln.

Das Wetter: Das Eifelwetter ließ auch am Renntag Milde walten. Bei neun Grad Celsius Außentemperatur und einer dichten Wolkendecke blieb es bis auf leichten Nieselregen nach dem Start trocken. Der Asphalt wurde durch die fehlende Sonneneinstrahlung auf gerade einmal 15 Grad Celsius erwärmt, was vor allem auf den Medium- und Hard-Reifen zu Graining führte.

Bottas wehrt Hamilton ab

Die Startphase: Hamilton erwischt den besseren Start und griff Bottas in Kurve eins innen an. Der Weltmeister schickte den Teamkollegen weit, doch dieser hielt in Turn zwei dagegen und eroberte die Führung erfolgreich zurück. Hinter dem Mercedes-Duo folgten Verstappen und Leclerc. Mit einem starken Start schob sich Ricciardo auf Position fünf vor. Albon, Norris, Perez, Ocon und Sainz folgten in den Top-10.

Vettel entging nur haarscharf einem Frühstart, nachdem er sich bereits vor dem Erlöschen der Ampeln bewegt hatte. Der Sensor an seinem Startplatz löste jedoch nicht aus. Nach einer verhaltenen Startrunde auf dem Medium-Reifen fand er sich auf Platz zwölf wieder. Hülkenberg machte in der ersten Runde drei Positionen gut und war 17.

Valtteri Bottas konterte die Attacke von Lewis Hamilton am Start - Foto: LAT Images
Valtteri Bottas konterte die Attacke von Lewis Hamilton am StartFoto: LAT Images

Leclerc-Blockade und Vettel-Dreher

Der frühe Rennverlauf: Das Führungstrio setzte sich bereits in der ersten Runde deutlich vom Rest des Feldes ab. Leclerc lag bei der ersten Überfahrt auf Start- und Ziel schon drei Sekunden hinter Verstappen. Der Niederländer hielt ohne Probleme den Anschluss an Bottas und Hamilton. Die Pace von Leclerc war für die Verfolger hingegen deutlich zu langsam. Hinter dem Monegassen folgte das Feld in Abständen von nur einer Sekunde.

Die Verfolger fanden keinen Weg vorbei an Leclerc, der nach fünf Runden bereits 15 Sekunden hinter dem Führenden lag. Bei Red Bull holte man Albon deshalb für einen Undercut an die Box. Der Thailänder wechselte von Soft- auf Medium-Reifen. In der neunten Runde war Ricciardo mit der Attacke auf Leclerc erfolgreich, nachdem dieser beim Herausbeschleunigen aus der letzten Kurve einen Fehler gemacht hatte.

Leclerc entledigte sich in Runde elf dem Soft-Reifen. Zeitgleich begann es über dem Nürburgring leicht zu nieseln. Im Kampf um Platz zehn drehte sich Vettel beim Angriff auf Giovinazzi. Der Ferrari-Pilot wechselte beim Anbremsen auf Kurve eins im letzten Moment die Linie und verlor das Heck. Bremsplatten an allen vier Reifen zwangen ihn daraufhin zum Reifenwechsel. Trotz der kalten Temperaturen entschieden die Strategen auf den Hard-Compound.

Sebastian Vettel drehte sich im Duell mit Antonio Giovinazzi - Foto: LAT Images
Sebastian Vettel drehte sich im Duell mit Antonio GiovinazziFoto: LAT Images

Bottas verliert erst die Führung, dann das Rennen

In der 13. Runde leistete sich Bottas in der ersten Kurve einen folgenschweren Verbremser. Der Finne verlor Momentum und verlor die Führung an Hamilton. Mit einem Bremsplatten im rechten Vorderreifen steuerte Bottas umgehend die Box an und wechselte vom Soft-Reifen auf den Medium-Compound.

Für Russell war das Rennen in der 14. Runde nach einem Kontakt mit Räikkönen beendet. Der Iceman verbremste sich in Kurve eins und touchierte den Williams-Fahrer am rechten Hinterrad. Russell schaffte es nicht mehr zurück an die Box und musste das Auto am Streckenrand abstellen. Räikkönen erhielt für die Szene eine 10-Sekunden-Strafe.

Bottas war durch den unplanmäßigen Boxenstopp hinter Ricciardo zurückgefallen und holte sich die dritte Position in der letzten Schikane vom Australier zurück. In Runde 16 rief die Rennleitung das virtuelle Safety Car zur Bergung von Russells' Williams auf den Plan. Hamilton, Verstappen und Ricciardo nutzten die Neutralisierung für einen Boxenstopp mit reduziertem Zeitverlust.

Hamilton behauptete die Führung nach dem Reifenwechsel auf Medium mühelos vor Verstappen. Für Bottas wurde ein schwieriger Sonntag in diesem Moment einer zum vergessen. In 17. Runde meldete einen Leistungsverlust und wurde von seinen Verfolgern kassiert. Das Team wies ihn zur Aufgabe des Rennens an, woraufhin Bottas in die Box abbog und den F1 W11 abstellte.

Kampf um das Podium nimmt Fahrt auf

Der weitere Rennverlauf: In der 23. Runde war auch für Ocon Feierabend. Der Franzose meldete den Verlust des Getriebes und stellte seinen Renault auf Punktekurs liegend ab. Albons Sonntag wurde derweil mit jeder Runde schlimmer. Nachdem er sich zum zweiten Mal im Rennen einen Bremsplatten eingefahren hatte, bekam er für einen Kontakt mit Kvyat auch noch eine 5-Sekunden-Zeitstrafe. Der 24-Jährige steuerte die Box an und beendete den GP an Ort und Stelle.

Der Defekt-Teufel wartete nicht lange und suchte sich gleich darauf sein nächstes Opfer. Norris verlor ebenfalls Leistung, konnte den K.o. mit den richtigen Einstellungen im Motormapping aber verhindern. Der Brite hatte noch nicht gestoppt und hielt weiter die dritte Position mit rund 50 Sekunden Rückstand auf Hamilton und Verstappen.

Seine Verfolger bogen in der 28. Runde zum Service ab. Perez und Sainz fielen durch den Reifenwechsel von Soft auf Medium auf die Positionen sieben und neun zurück. McLaren reagierte umgehend mit Norris, der nach seinem Boxenstopp vor Perez zurück auf die Strecke kam. Der Mexikaner hing nach seinem Service hinter Gasly fest.

Perez war auf dem Medium-Reifen allerdings zügig unterwegs und entledigte sich zunächst Gasly und wenig später auch Norris. Leclerc erwies sich für den Routinier im Racing Point als härtere Nuss. In der 35. Runde knackte Perez den Monegassen endgültig und nahm die Jagd auf Ricciardo auf, der als Dritter 15 Sekunden vor ihm lag.

Leclerc steuerte nach dem Platzverlust zum zweiten Mal die Box an. Durch den Wechsel auf einen frischen Satz Medium fiel er auf die elfte Position hinter eine Kampfgruppe aus Giovinazzi, Vettel und Räikkönen zurück. Die Alfa-Romeo-Piloten bereiteten ihm keine Probleme, den Teamkollegen kassierte Leclerc nach einem kurzen Duell.

Der Fight um den letzten Platz auf dem Podium war nach Bottas' Ausfall im vollen Gange - Foto: LAT Images
Der Fight um den letzten Platz auf dem Podium war nach Bottas' Ausfall im vollen GangeFoto: LAT Images

Norris-Ausfall sorgt für Showdown

Die Schlussphase: Nach einem rundenlangen Kampf mit seiner Power Unit musste Norris in der 44. Runde endgültig aufgeben. Der McLaren-Pilot war der fünfte Ausfall des Rennens, der zur ersten Safety-Car-Phase an diesem Sonntag führte. Hamilton, Verstappen, Ricciardo, Sainz, Gasly, Hülkenberg, Räikkönen nutzten die Neutralisierung für den Wechsel zurück auf den Soft-Reifen. Perez zog nach und blieb Vierter.

In der 49. Runde wurde das Rennen wieder freigegeben. Hamilton kontrollierte den Restart souverän und behauptete die Führung. Ricciardo attackierte Verstappen, musste sich jedoch hinter seinem ehemaligen Red-Bull-Teamkollegen einreihen. Das Feld verhielt sich beim Fight auf kalten Reifen diszipliniert, sodass der Grand Prix ohne Zwischenfälle wieder ins Renntempo zurückfand.

Eine Safety-Car-Phase sorgte für einen Showdown im letzten Rennviertel - Foto: LAT Images
Eine Safety-Car-Phase sorgte für einen Showdown im letzten RennviertelFoto: LAT Images

Die Spitze entzerrte sich innerhalb der ersten beiden Runden. Hamilton, Verstappen und Ricciardo waren in Abständen von etwa drei Sekunden unterwegs. Hinter dem Australier ging es allerdings enger zu. Perez ließ sich nicht abschütteln und attackierte weiter im Kampf um den letzten Platz auf dem Treppchen.

Ricciardo behauptete sich erfolgreich und sah die Zielflagge nach 60 Runden hinter Hamilton und Verstappen. Letzterer sicherte sich in der Schlussrunde den Bonuspunkt für die schnellste Runde. Vettel scheiterte im Kampf um den letzten Punkterang an Giovinazzi und Grosjean.

Die Top-Facts des Rennens

  • Hamilton egalisiert mit 91. Sieg Schumacher-Rekord
  • Bottas erleidet ersten Ausfall der Saison
  • Ricciardo feiert erstes Renault-Podium seit 2011
  • Hülkenberg bei Blitz-Comeback in den Punkten