Formel 1: Verliert Mercedes seinen Qualifying-Vorteil?: (15:48 Min.)

In der Formel 1 tut sich was: FIA Generalsekretär Peter Bayer informierte die Teamchefs kürzlich über umfangreiche Änderungen, die der Automobilweltverband teilweise noch in diesem Jahr einführen will.

Für großes Aufsehen sorgt dabei eine Beschneidung bei den Motormodi. Schon ab dem nächsten Rennen in Spa soll es für Qualifying und Rennen nur noch eine Einstellung für den Verbrennungsmodus geben.

Diese Neuregelung könnte Mercedes besonders hart treffen, weil die Power Units aus Brixworth mit dem berühmt-berüchtigten 'Party-Mode' besonders viel Extra-Leistung in der Qualifikation mobilisieren können.

Mercedes dominierte 2020 die F1-Qualifyings, hier in Silverstone - Foto: LAT Images
Mercedes dominierte 2020 die F1-Qualifyings, hier in SilverstoneFoto: LAT Images

Regeländerungen während der Saison sind nur mit einstimmigen Beschlüssen oder aus Sicherheitsgründen möglich. Deshalb will die FIA die Thematik nicht direkt mit dem Reglement angehen, sondern plant Technische Direktiven.

In den sogenannten Technischen Direktiven gibt die FIA Interpretationen des Technischen Reglements in möglichen Grauzonen. Hier will man sich konkret auf Artikel 2.7 beziehen. Dort heißt es, es sei Aufgabe der Teilnehmer, den Technischen Delegierten der FIA und die Stewards davon zu überzeugen, dass ihr Auto während des gesamten Events dem Technischen Reglement entspricht.

FIA sieht Formel-1-Motorenmodi als zu komplex

"Die Vielzahl und die Komplexität der Modi machen es der FIA extrem schwierig zu überprüfen, ob alle Power-Unit-Regularien in bestimmten wichtigen Momenten des Events auch eingehalten werden", heißt es von der FIA als Begründung.

Tatsächlich gab es in den vergangen Jahren immer wieder Ärger darüber, wie die einzelnen Hersteller zu bestimmten Zeitpunkten Extra-Leistung abrufen konnten. Teilweise wurde gemunkelt, Benzin werde nach dem Sensor zwischengespeichert. Teilweise sollen die Sensoren geschickt manipuliert worden sein. Auch das Zuführen von Öl zur Verbrennung soll dabei geholfen haben, die maximale Benzin-Durchflussmenge von 100 Kilogramm pro Stunde zu umgehen.

Wichtig: Die Einschränkung bezieht sich lediglich auf den Verbrennungsmotor. Somit kann die gesamte Power Unit sehr wohl noch in unterschiedlichen Modi gefahren werden. Auf einer Qualifying-Runde steht weiterhin die volle Elektro-Power zur Verfügung. Im Rennen hingegen müssen die Piloten mit der Batterie haushalten.

Formel-1-Aerodynamik 2021 weiter beschränkt

Im selben Brief kündigte die FIA aber noch weitere - nicht minder spannende - Änderungen für die Formel 1 an. Weil Pirelli auch 2021 mit den gleichen Reifen fahren will und spätestens seit Silverstone die enormen Kräfte der weiterentwickelten Boliden fürchtet, soll die Aerodynamik für die nächste Saison weiter eingeschränkt werden.

Schon zuvor hatten die Teams an einer Lösung gearbeitet, die Autos aerodynamisch etwas zu beschneiden, ohne dabei die ganzen Fluss-Strukturen zu beeinträchtigen. Dabei kamen die Experten zu dem Schluss, 2021 einen Teil des Unterbodens vor den Hinterreifen abzuschneiden.

Die FIA will nun aber tiefgreifendere Änderungen und beruft sich dabei auf Artikel 2.2 des Technischen Reglements. Demnach dürfen die Regeln auch nach dem 30. April des Vorjahres ohne einstimmigen Beschluss geändert werden, sofern es sich um sicherheitsrelevante Dinge handelt.

Racing-Point-Kopie bleibt einmalige Ausnahme

Außerdem geht es in dem Schreiben der FIA auch darum, wie man in Zukunft mit Kopien à la Racing Point umgehen will. Nikolas Tombazis, Technik-Chef des Automobilweltverbandes, hatte bereits angekündigt, nicht acht oder neun Mercedes-Kopien sehen zu wollen. Die aktuelle Affäre rund um Racing Point hat das Thema wieder auf den Tisch des Regelhüters gebracht.

Deshalb soll schon für 2021 Artikel 22.3 so ergänzt werden, dass Reverse-Engineering anhand von Fotomaterial in diesem Ausmaß nicht mehr erlaubt ist. Racing Point wird aber weiterhin ein Auto einsetzen dürfen, das auf der aktuellen Mercedes-Kopie basiert.

Hier ist es für den Regelhüter am schwierigsten, die Änderung durchzudrücken. Zum aktuellen Zeitpunkt wäre dafür ein einstimmiger Beschluss nötig. Den würde es natürlich nicht geben. Deshalb baut die FIA auf das neue Concorde Agreement, das in den nächsten Tagen von den meisten Parteien unterschrieben werden soll. Darin wird auch die Regierung der Formel 1 geregelt.

Nach dem neuen Concorde Agreement wäre für eine solche Änderung eine sogenannte 'Super-Mehrheit' nötig - 28 von 30 Stimmen. Zehn Stimmen liegen bei der FIA, zehn weitere beim Kommerziellen Rechteinhaber. Die restlichen zehn Stimmen liegen bei den zehn Teams.

Stimmen acht von zehn Teams zu, wäre die 'Super-Mehrheit' erreicht. Davon ist auszugehen, weil außer Racing Point und Mercedes niemand Interesse daran hat, Kopieren weiterhin in diesem Umfang zu erlauben.

Übergangsfrist für Racing Point

Auch den Punkt 22.8.5 b) des 2021er Reglements hat sich die FIA angeschaut. Jener Artikel erlaubt es Racing Point, bei den zugekauften Komponenten 2021 auf den 2020er Stand von Mercedes aufzurüsten, ohne dabei selbst Entwicklungs-Token ausgeben zu müssen. Derzeit nutzt Racing Point hauptsächlich 2019er Komponenten des Silberpfeils.

Allerdings gibt es an diesem Punkt kein Entgegenkommen, weil das Entfernen des besagten Artikels unfair gegenüber dem betroffenen Team wäre, das seine Planung schon nach diesem Reglement ausgelegt hat. Eine Ausnahme wäre wieder ein einstimmiger Beschluss, denn aber - natürlich - nicht geben würde.

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