Wird auch 2020 zu einer Formel-1-Saison, in der es Ferrari verpasst, Mercedes ernsthaft im Kampf um den WM-Titel herausfordern zu können? Nach dem Eindruck der Testfahrten im Februar ließ das augenscheinliche Kräfteverhältnis der drei Top-Teams für so gut wie jeden Beobachter und Experten jedenfalls kaum einen anderen Schluss zu. Das galt auch für Ferrari selbst. Teamchef Mattia Binotto gestand offen, in Melbourne wohl kaum als erste Kraft aufzuschlagen.

Ferrari zu langsam? Wird Vettel noch mal Formel 1 Weltmeister?: (120:00:0 Min.)

Wegen der Coronavirus-Pandemie fiel der für Mitte März geplante Saisonstart ins Wasser. Erst gute drei Monate später geht es nun wirklich los. Am kommenden Wochenende steht in Spielberg der Österreich GP auf dem Programm. Bereits vor dem Rennen auf dem Red Bull Ring folgte jedoch eine Hiobsbotschaft aus Maranello. Während Red Bull und Mercedes bereits etliche Updates für den Saisonstart angekündigt hatten, werden bei Ferrari jedwede Neuerungen fehlen.

Ferrari schafft Update erst in Ungarn - zu spät?

Per Pressemitteilung erklärte Binotto, das liege an einer Erkenntnis Ferraris. Es sei kontraproduktiv, weiter auf die in Barcelona so wenig berauschende Basis aufzubauen. Damit waren die letzten Hoffnungen, Ferrari könnte beim Test sowohl auf der Strecke als in den Statements der Verantwortlichen nur drastisch tiefgestapelt haben so gut wie erledigt. Stattdessen will Ferrari nun in Ungarn einen komplett überarbeiteten SF1000 an den Start bringen, einen regelrechten Konzeptwechsel vornehmen.

Erst in Ungarn. Also nach einem Viertel dessen, was aktuell der offizielle Rennkalender ist. Läuft es in Sachen Epidemie schlecht in Sachen Rennkalender, könnte Ferrari bis Ungarn schon verloren haben. „Aktuell ist noch unklar, wie lang die Saison wird, aktuell sind es acht Rennen, auch da gibt es noch viele Unbekannte“, weiß Sebastian Vettel.

Corona-Shutdown grätscht Ferrari in Entwicklung

„Natürlich haben wir versucht, unser Bestes zu geben und so schnell wie möglich alles aufs Auto zu bekommen, aber es ist für hier einfach nicht rechtzeitig fertig geworden“, so der vierfache Formel-1-Weltmeister am Donnerstag in Spielberg. „Aber immerhin ist Ungarn auch nur zwei Wochen weg. Es war einfach ein sehr knapper Zeitplan seit die Fabrik wieder offen ist.“

Klare Worte von Vettel: Von Ferrari vor die Tür gesetzt!: (09:38 Min.)

Damit spielt Vettel auf den langen und vorgezogenen Shutdown in der Formel 1 an. Von März bis April mussten alle Teams verpflichtend 63 Tage zusperren. Entwicklung war verboten, erstmals auch für die Motorenabteilungen. Das habe einfach nicht geholfen, ergänzt Charles Leclerc. „Wir waren [beim Test] nicht, wo wir sein wollten, besonders bei der Quali-Pace. Dann gab es diese ganze Sache mit dem Coronavirus, alles war zugesperrt“, klagt der Monegasse.

Charles Leclerc zu 99 Prozent sicher: 2020 wird schwieriger

„Als dann wieder offen war, haben wir mit dem bisschen Zeit, das uns blieb, die ganzen Daten analysiert. Wir haben entschieden, einen Schritt zurückzugehen, um zu versuchen zu verstehen, woher das Problem rührt, um dann daran zu arbeiten. Zuerst geht es also darum, woher es kommt und daran sind wir gerade. Für Budapest haben wir eine andere Marschrichtung eingeschlagen. Es war nicht genug Zeit, um es hier zu bringen.“

Ist der WM-Zug damit schon so gut wie abgefahren. Sonderlich zuversichtlich klingt der Ferrari-Pilot nicht. „Ich denke, es wird eine sehr herausfordernde Saison für uns, es wird definitiv nicht leicht werden“, fürchtet deshalb Charles Leclerc. „Wir haben noch immer dieses Fragezeichen und müssen noch immer das Qualifying abwarten, um ganz sicher zu sein, auch wenn wir zu 99 Prozent sicher sind, dass wir mehr kämpfen werden als vergangenes Jahr“, sagt der Monegasse.

Sebastian Vettel hofft auf Ungarn-Update

Spielberg hat Ferrari unterdessen noch nicht ganz abgeschrieben. Auch mit einem optimierten SF1000 in der Barcelona-Spezifikation will man sich noch irgendwie aus der Affäre ziehen. Die wahre Hoffnung ruht aber auf de, Ungarn Update. „Es wird interessant zu sehen sein, wo wir dann stehen. Dann bekommen wir hoffentlich eine Antwort.“