Die Formel 1 wird in der Saison 2020 ihre TV-Übertragungen ausbauen. Wie die Organisatoren am Dienstag mitteilten, sollen zusätzliche Grafikeinblendungen neue Einblicke in die Performance von Autos und Piloten geben. Die sechs geplanten Grafiken werden schrittweise eingeführt.

Beim Saisonauftakt, der am 05. Juli auf dem Red Bull Ring in Österreich stattfindet, wird es eine Einblendung zu den 'Car Performance Scores' geben. Die Grafik zeigt zum einen, wie gut die Performance eines Fahrzeugs in bestimmten Streckenabschnitten ist. Zum anderen wird der Zeitverlust zur Konkurrenz dargestellt. Die Daten dazu stammen von den rund 300 Sensoren, die in jedem Boliden stecken und die pro Sekunde eine Million Werte ermitteln.

Amazon Web Services (AWS) verarbeitet die Daten. Gemeinsam mit AWS hatte die Formel 1 in der vergangenen Saison unter anderem eine Grafik über die Performance der Reifen erstellt. Diese geriet nach ihrer Einführung in die Kritik. Reifenhersteller Pirelli teilte mit, dass die Grafik nicht mit ihm abgesprochen gewesen sei. Es handelte sich demnach nicht um reale Performance-Daten der Reifen, sondern um berechnete Werte.

Danner im Interview: Kein Free-TV schlecht für Formel 1: (26:21 Min.)

Außerdem entstehen in Zusammenarbeit mit AWS Prognosen über den Zeitpunkt von Überholmanövern während der Rennen. Auch diese werden dem Zuschauer in Form von Einblendungen dargestellt. Die zusätzlichen Informationen werden als 'F1 Insights' bezeichnet.

Weitere 'Insights' wird es ab dem Jubiläums-Grand-Prix in Silverstone geben, der zwischen 07. und 09. August in stattfindet. Beim 'Ultimate Driver Speed Comparison' werden aktuelle Daten mit jenen aus der Vergangenheit verglichen. Das Archiv reicht zurück bis ins Jahr 1983. Das Ziel: Die Formel 1 will den schnellsten Fahrer aller Zeiten ermitteln.

Die zusätzlichen TV-Grafiken werden schrittweise eingeführt - Foto: Formula 1
Die zusätzlichen TV-Grafiken werden schrittweise eingeführtFoto: Formula 1

Ab dem Rennen in Spa-Francorchamps (28. bis 30. August) wird die Performance der Fahrer in der schnellsten und der langsamsten Kurve verglichen. Die TV-Zuschauer erhalten damit einen Eindruck, in welchen Streckenabschnitten die Stärken und Schwächen der Piloten liegen.

Neue TV-Grafiken auch in der zweiten Saisonhälfte

In der zweiten Saisonhälfte sollen drei weitere Grafiken ihre Premiere feiern. Mit einer Bewertung von Faktoren wie der Qualifying-Performance, dem Reifenmanagement und der Rennpace soll der Fahrer mit der komplettesten Leistung ermittelt werden. Eine weitere Einblendung soll die Performance-Entwicklung eines Teams über den Saisonverlauf illustrieren.

Als letzte Neuerung stellte das Formel-1-Management die Qualifying- und Rennvorhersage vor. Anhand von Daten aus den jeweils durchgeführten Sessions soll die Performance in der Qualifikation und im Rennen prognostiziert werden.

Formel 1: Zusätzliche TV-Grafiken in der Saison 2020: (02:52 Min.)

Durch die neuen 'Insights' sollen die Zuschauer einen besseren Überblick über das Renngeschehen erhalten, wie Rob Smedley, Chefingenieur der Formel 1, sagt: "Die neuen F1 Insights, bringen die Fans näher an die Strecke als jemals zuvor. Sie zeigen zuvor versteckte Geschichten und geben Einblicke von der Boxenmauer", so der ehemalige Ferrari- und Williams-Ingenieur.

Formel 1 mit neuen TV-Grafiken: Unsere Meinung

Motorsport-Magazin.com meint: Neuerungen und Verbesserungen für die TV-Zuschauer sind natürlich immer gern gesehen und willkommen. Entsprechend freuen wir uns auf alle neuen Ideen, mit denen die Formel 1 den Fans unseren so komplexen Sport näherbringen und ihn einfacher darstellen kann. Gleichzeitig hinterließ ein Großteil der vorgeschlagenen TV-Grafiken in unserer Redaktion einen zwiegespaltenen Eindruck – um es noch positiv auszudrücken.

Statistiken und Vergleiche über die Saison oder mehrere Jahre hinweg sind auch für uns immer gern gesehen. Schwieriger wird es bei eindeutig künstlichen Werten, die eher an Computerspiele als an reale Sporteinblendungen erinnern. In diese Kategorie gehörten die Reifengrafiken aus dem vergangenen Jahr. Vorschläge wie die Bewertung der Fahrzeugperformance in bestimmten Kurven und eine Darstellung des Fahrzeughandlings mit Unter- oder Übersteuern auf einer Skala von -10 bis +10 nehmen wir jedoch eher skeptisch auf.

Diese Vorschläge (ohne sie genau zu kennen, nur basierend auf der Ankündigung und deren Screenshots) wirken aber doch eher erfunden, denn in der Realität basiert. Deshalb drücken wir die Daumen, dass die F1 uns im Laufe der Saison tatsächlich echte und sinnvolle Daten präsentiert und keine an den Haaren herbeigezogenen Fantasiewerte. (Stephan Heublein)