Nach nur zwei Jahren wird die explosive Ferrari-Fahrerpaarung mit Charles Leclerc und Sebastian Vettel zum Ende der Saison 2020 wieder auseinandergehen. Ab 2021 setzt die Scuderia auf Carlos Sainz als zweiten Piloten neben Leclerc.

Um die Entscheidung rankten sich schnell viele Gerüchte. Waren Ferrari die internen Kämpfe ihrer Fahrer zu heiß geworden? In der zweiten Saisonhälfte gerieten Leclerc und Vettel schließlich ein ums andere Mal aneinander, was sogar in einer Kollision mit Doppel-Ausfall beim Brasilien-GP gipfelte.

Leclerc gegen Vettel wurde damit zum krassen Gegenstück der vorangegangenen Jahre, in denen Ferrari mit Paarungen wie Fernando Alonso und Felipe Massa, Alonso und Kimi Räikkönen oder Vettel und Räikkönen immer klare Hierarchien schaffte. Ein Fahrer war die unumstrittene Nummer eins, der WM-Fahrer. Der zweite Fahrer sollte helfen, sich sonst heraushalten und bei Bedarf sogar Plätze hergeben, oder auf Attacken verzichten.

Zwischen Vettel und Leclerc war die Spannung hoch - Foto: LAT Images
Zwischen Vettel und Leclerc war die Spannung hochFoto: LAT Images

Bedeutet die Verpflichtung von Carlos Sainz nun die Rückkehr zu geordneten Kräfteverhältnissen? Ferrari-Kronprinz Leclerc als WM-Fahrer, Sainz als Hilfsdienstleister. Die Mehrheit der Formel-1-Welt scheint die Sainz-Verpflichtung so zu interpretieren.

Sainz: Laut Ferrari-Vertrag keine Nummer zwei

Davon will Carlos Sainz selbst nichts wissen. "Nein, ich habe nichts unterschrieben, was mich zum Nummer-zwei-Fahrer macht", versichert er im Interview mit 'Radio Marca'. "In meinem Vertrag steht - wie in allen Verträgen, die ich unterschrieben habe -, dass das Team über den Fahrer gestellt wird. Aber von einer Nummer zwei oder von Unterstützung steht da nichts."

"Ich weiß, dass ich für Ferrari alles geben werde, und ich werde alles tun, was sein muss. Besonders um zu gewinnen", liefert Sainz eine Ansage. "Die Farbe des Autos ist mir egal. Ich behandle alle Fahrer gleich, wir sind alle Konkurrenten, und geben alles."

Wenn er denn darf, so wird Leclerc für Sainz trotzdem sicher nicht einfach. In teaminternen Duellen zog er 2015 gegen einen jungen Max Verstappen und 2018 gegen Nico Hülkenberg den Kürzeren, war aber nie weit weg. Durchsetzen konnte er sich 2016 und 2017 klar gegen Daniil Kvyat, und 2019 fuhr er für McLaren seine bisher beste Saison und ließ nicht nur den Rookie Lando Norris hinter sich, sondern führte auch das Mittelfeld an und wurde WM-Sechster.

2019 schien für Sainz die Wende, mit Leclerc - der im ersten Ferrari-Jahr gleich Sebastian Vettel bezwang - bekommt er nun einen ersten echten Gradmesser. Einen Stallkrieg will er dabei nicht vom Zaun brechen, zumindest das sichert er zu: "Wenn es eine brenzlige Situation gibt, werde ich die richtige Entscheidung treffen, macht euch keine Sorgen."