Die Formel-1-Saison 2020 lässt wegen der Coronavirus-Pandemie auf sich warten. Motorsport-Magazin.com nutzt die Zwangspause für eine neue Serie historischer Beiträge - 'On this day'. Heute: Wieder ein Strategie-Bock in Monaco. Diesmal geschossen von Red Bull, zum Opfer wird Daniel Ricciardo.

Formel 1 heute vor 4 Jahren: Red Bull verschlampt Reifen

Monaco 2016 schien Daniel Ricciardos Wochenende zu werden. Der Red-Bull-Pilot hatte sich am Samstag schon seine erste Pole gesichert, und auf dem engen Stadtkurs war sein Auto den sonst so starken Mercedes ausnahmsweise knapp voran. Daran sollte auch der Regen, der am Sonntag vor dem Start kam, nichts ändern, dachte jeder.

So war es auch - Ricciardo und Mercedes-Kontrahent Lewis Hamilton fuhren bei langsam auftrocknender Strecke vorne weg. Doch auftrocknende Bedingungen bringen immer Würze ins Spiel - denn nun muss nicht nur der Fahrer abliefern, sondern auch die Box immer die richtigen Reifen zum richtigen Zeitpunkt bereit halten.

Red Bull schien sich hier schon früh erstmals zu verzetteln, als sie Ricciardo zeitig für Intermediates an die Box holten. Hamilton und Mercedes entschieden, diese Zwischenphase auf den Regenreifen auszusitzen und dann direkt auf Slicks zu wechseln. So übernahmen sie erstmals die Führung - doch Ricciardo fuhr die Lücke auf den Intermediates wieder zu.

Jetzt hatte er aber kein Polster mehr. Um die Führung von Hamilton zurückzuholen, musste er fehlerlos bleiben. In Runde 31 stoppte Hamilton, bekam Slicks. Ricciardo lieferte ab, hielt sich fehlerlos, fuhr eine hervorragende nächste Runde und wurde vom Team an die Box beordert. Damit schien ein erfolgreicher Overcut nur mehr Formsache, Ricciardos Lücke zu Hamilton reichte.

Aber irgendwo in der Red-Bull-Garage ging die Stopp-Anweisung im Stress der Situation unter. Verschiedene Reifen wurden hin- und hergetragen, das zweite Auto von Max Verstappen stoppte, und plötzlich war Ricciardo da und fuhr auf seinen Stellplatz. Die halbe Crew war da, aber ohne Reifen. Die lagen in der Garage. Die Sekunden wurden für Ricciardo zur Ewigkeit, bis die Reifen endlich am Auto waren und er wieder rausfahren konnte. Nur wenige Wagenlängen hinter Hamilton.

An Hamilton führte für Ricciardo kein Weg vorbei - Foto: Sutton
An Hamilton führte für Ricciardo kein Weg vorbeiFoto: Sutton

Zwar versuchte er es danach noch, aber an Hamilton vorbei kam er nicht. Einmal zwang er den Mercedes in der Hafenschikane in den Notausgang, beim Zurückkommen drückte ihn Hamilton fast in die Leitplanke. Strafe gab es keine. Auf dem Podium sah Ricciardo neben Hamilton aus, als ob jemand seinen Hund erschossen hatte. "Das ist mies, das tut weh", trauert er in der Pressekonferenz. Mit dem Team sprach er den Rest des Tages nicht mehr - "Nichts, was ihr mir sagen könnt, macht es besser." Erst zwei Jahre später bekam er Wiedergutmachung.

Aus dem Lächeln wird nichts: Ricciardo neben Hamilton und Sergio Perez auf dem Podium - Foto: Sutton
Aus dem Lächeln wird nichts: Ricciardo neben Hamilton und Sergio Perez auf dem PodiumFoto: Sutton

Formel 1 heute vor 9 Jahren: Crash-Kid Hamilton

Während Hamilton 2016 längst der Dominator bei Mercedes war, sah es bei ihm 2011 als McLaren-Pilot noch anders aus. In Monaco erlebte er einen richtig üblen Tag, teils selbst verschuldet. Schon nach dem Qualifying war er für Abkürzen strafversetzt worden. Mit robustem Überholmanöver räumte er im Rennen zuerst fast Michael Schumacher ab, fuhr dann fast dem verunfallten Adrian Sutil ins Heck, nur um dann von Jaime Alguersuari gerammt zu werden, dessen subsequenter Abflug auch Vitali Petrov mitriss und für eine rote Flagge sorgte.

In der Unterbrechung durfte McLaren Hamiltons Heck reparieren, nur um dabei zuzusehen, wie er nach dem Restart Pastor Maldonado in Sainte Devote in die Wand drückte. Danach musste er zu den Stewards, deren Stammgast er 2011 war: "In sechs Rennen war ich fünf Mal bei den Stewards, es ist ein absoluter Witz." Einen Witz hängte er im Frust auch noch an: "Vielleicht, weil ich schwarz bin. Wie Ali G sagt. Keine Ahnung." Eine Entschuldigung folgte auf dem Fuß, während "Hamilton's Fault - Hamiltons Schuld!" der Running Gag der Saison werden sollte. Das Rennen gewann übrigens Sebastian Vettel im Red Bull vor Fernando Alonso im Ferrari.

Und aus: Hamilton verräumt Pastor Maldonado - Foto: Sutton
Und aus: Hamilton verräumt Pastor MaldonadoFoto: Sutton

Was sonst noch geschah:

Vor 15 Jahren: Kimi Räikkönen und McLaren sind beim Europa-GP auf dem Nürburgring 2005 die Schnellsten, doch Räikkönen macht mehrere kleine Fehler. Einer davon, ein Verbremser, wird sein Untergang. Der Reifen hat einen Bremsplatten, ist eckig, vibriert extrem, trotzdem stoppt McLaren ihn nicht. Fernando Alonso macht hinter ihm Druck, zwingt Räikkönen weiter zu schnell zu fahren. Just als er die letzte Runde beginnt, kapituliert seine Vorderradaufhängung unter der Belastung und bricht. Der spektakuläre Unfall schenkt Alonso und Renault den Sieg.

Und aus: Kimi Räikkönen fliegt mit kaputter Aufhängung in der letzten Runde ab - Foto: Sutton
Und aus: Kimi Räikkönen fliegt mit kaputter Aufhängung in der letzten Runde abFoto: Sutton

Vor 26 Jahren: Beim Spanien-GP 1994, dem zweiten Rennen nach dem schwarzen Imola-Wochenende, setzt die neu gegründete Fahrergewerkschaft aus Sicherheitsgründen eine Schikane im schnellen Mittelsektor ein, die erste von mehreren in der Saison. Damon Hill besiegt Michael Schumacher, und zum ersten Mal erblickt die Formel 1 das Kinn von David Coulthard in einem Rennen.
Vor 32 Jahren: Der Mexiko-GP läuft ganz nach dem Standard-Schema der Saison 1988 ab. Die McLaren von Alain Prost und Ayrton Senna fahren vorne weg, der Rest ist chancenlos.
Vor 57 Jahren: Ukyo Katayama wird geboren. Der Japaner startet 95 F1-Rennen, holt fünf Punkte. Anfangs als vielversprechendes Talent beschrieben, sabotierten ein Rücken-Tumor und ein schwerer Unfall 1995 seine Karriere. Die letzte Hürde schafft er auch deswegen nie.
Vor 60 Jahren: Stirling Moss feiert in Monaco für Rob Walker den ersten Sieg eines von Lotus gebauten F1-Autos. Trotz Reparaturstopp. Die verlorene Zeit machte er mit brillanter Aufholjagd wieder wett. Der Motorrad-Weltmeister (und zukünftige F1-Weltmeister) John Surtees debütiert (wo, wenn nicht in Monaco?), fällt aber nach 17 Runden mit Getriebeproblemen aus.