Die rote Bombe ist geplatzt: Sebastian Vettel verlässt Ferrari zum Saisonende 2020. Für den viermaligen Weltmeister heißt es damit: auf zur Jobsuche! Bereits in den vergangenen Wochen und Monaten kursierten diverse Gerüchte über einen möglichen Wechsel des Deutschen durch die Gerüchteküche. Angefangen von einem Wechsel zu McLaren über eine Rückkehr zu Red Bull bis hin zu einem Engagement bei Mercedes. Selbst ein Karriereende erscheint nicht ausgeschlossen. Motorsport-Magazin.com nimmt die wahrscheinlichsten Optionen einmal genauer unter die Lupe...

Formel 1: Sebastian Vettel verlässt Ferrari! Was jetzt?: (01:19:53 Min.)

Formel 1, Vettel: Wechsel zu Mercedes?

Ein deutscher Fahrer in einem deutschen Team, noch dazu jenem, das seit Jahren dominiert. Auf den ersten Blick erscheint für Vettel nach seinem Abschied aus Maranello nichts logischer als ein Wechsel zu Mercedes. On top wäre selbst das eine Parallele zur Karriere seines großen Idols und Freundes Michael Schumacher.

Rational gesehen scheinen die Silberpfeile als neue Heimat Vettels nicht zwingend sinnvoll. Die besten Chancen auf den Titel bestehen dort. Gegenwärtig. Bleibt das unter völlig neuen Regeln 2022 so? Aber nicht nur das: Dann ist da noch Lewis Hamilton. Vettel neben jenem Mann, auf den bei Mercedes alles ausgerichtet ist? Ein Selbstmordkommando. Dieses Szenario werden sowohl Mercedes und Hamilton als auch Vettel meiden.

Und im direkten Tausch mit Hamilton zu Ferrari? Damit würde Mercedes seinem eigenen Nachwuchs in Person von George Russell oder Esteban Ocon vor den Kopf stoßen - als sichere Bank und Vorzeigefahrer wäre ein viermaliger Weltmeister aber durchaus eine Überlegung wert. Immerhin hatte Mercedes seit seinem Comeback in der Saison 2010 stets einen Champion ins einen Reihen. Am wichtigsten ist jedoch eine andere Frage: Bleibt Mercedes überhaupt als Werksteam in der Formel 1? Die Zukunft der Silbernen ist derzeit noch mit einigen Fragezeichen versehen. So lange diese nicht aufgelöst sind, hängen seine Hoffnungen auf das derzeit beste Cockpit im Feld in der Luft.

Formel 1, Vettel: Rückkehr zu Red Bull?

Eine beliebte Variante, kommt das Gespräch auf Vettels Zukunft, ist die Rückkehr zu jenem Team, mit dem der heutige Ferrari-Pilot seine großen Erfolge einfuhr. Vier Titel in Serie kamen für Vettel bei Red Bull zusammen. Zu seiner alten Truppe pflegt er weiter eine exzellente Beziehung. Alles wäre angerichtet, gäbe es da nicht ein großes Gegenargument: Max Verstappen.

Wie Charles Leclerc an Ferrari, ist der Niederländer langfristig an Red Bull gebunden - und im teaminternen Duell eine eher noch härtere, weil reifere Nuss als der Monegasse. Noch dazu will Red Bull zwei Alphatiere im Team vermeiden. "Durch die Verlängerung von Max kann ich mir nicht zwei Vs bei uns vorstellen", sagt Dr. Helmut Marko zu Motorsport-Magazin.com. Das gilt auch finanziell. Zwei Großverdiener wären selbst Red Bull zu viel - gerade in Zeiten von Corona.

Formel 1, Vettel: Wechsel zu McLaren oder Renault?

In der Silly Season sollte man nicht alles glauben. Selbst durch kleinste Verbindungen entstanden in den vergangenen Monaten Gerüchte, wonach sich Vettel sogar außerhalb der Top-Teams umsieht. Beliebte Variante in Frankreich: Renault. Immerhin fuhr Vettel mit deren Power zu vier WM-Titeln. Dass Daniel Ricciardo die Franzosen nach zwei Jahren satthaben könnte, mag einen Funken Wahrheit enthalten, der Honeybadger dürfte sicher auch auf der Ferrari Short List stehen. Aber: würde sich Vettel einen Wechsel zu einem nicht-siegfähigen Team wirklich noch einmal antun?

Etwas wahrscheinlich mutet derzeit die Option McLaren an. In der Saison 2006 arbeiteten Vettel als Testfahrer und der heutige McLaren-Teamchef Andreas Seidl als Ingenieur bei BMW zusammen. Man kennt sich also. Hinzukommt die Möglichkeit, dass Carlos Sainz Vettels Cockpit bei Ferrari übernehmen könnte. Seidl selbst sagte Motorsport-Magazin.com im Winter: "Wir sind sehr glücklich mit unseren Fahrern. Was sie in dem Jahr gezeigt haben, war sensationell. Ihnen gehört die Zukunft bei McLaren in der Formel 1."

Was er dabei verschweigt: der Vertrag von Sainz läuft Ende 2020 aus. Der Spanier könnte also sehr wohl einem Ruf aus Maranello erliegen und damit die Notwendigkeit eines neuen Fahrers hervorrufen. Mit Lando Norris besitzt McLaren bereits seinen potenziellen Champion der Zukunft, allerdings muss er auch noch viel lernen und Erfahrung sammeln. Vettel wäre ein guter Lehrmeister für ihn, um in den kommenden zwei bis drei Jahren weiter zu reifen.

Gleichzeitig könnte McLaren mit der Verpflichtung eines viermaligen Weltmeisters ein positives Zeichen für Partner, Sponsoren und das Team setzen: mit Mercedes-Power und einem viermaligen Champion am Lenkrad ein weiteres Puzzleteil auf dem Weg zurück zu altem Glanz! Dieses Gedankenspiel dürfte jedoch stark am Verbleib von Sainz hängen, der die erste Wahl sein dürfte.

Formel 1, Vettel: Beendet er seine Karriere?

Die unangenehmste Variante für alle Beteiligten wäre natürlich ein Karriereende des 32-Jährigen. Lange Zeit befeuerte Vettel Spekulationen, er könne schon nach 2020 den Helm an den Nagel hängen, durch Schweigen oder ausweichende Antworten selbst. Inzwischen hat Vettel vor seiner 14. Saison in der Formel 1 jedoch mehrfach unterstrichen, längst nicht fertig zu sein. F1-müde? Mitnichten. "Ich liebe das Fahren. Natürlich bin ich jetzt schon eine Weile hier, aber ich liebe, was ich mache. Die Befriedigung, die du vom Fahren eines Autos bekommst, ist immer noch dieselbe", sagt Vettel.

Wenn, dann sei die Leidenschaft höchstens gewachsen. Zu alt sei er jedenfalls längst nicht. "Ich fühle mich ganz sicher jung genug. Wenn wir von Lewis [Hamilton, 35] sprechen - der ist sogar noch älter. Das ist also keine Einschränkung", sagt Vettel. Bis 40 wie etwa Räikkönen will Vettel allerdings nicht fahren. Mit nun drei Kindern und anderen Interessen wie der Schrauberei an seinem alten Motorrad kann und will sich der Ferrari-Pilot auch anderweitig beschäftigen.

Mittelfristig wird es darauf hinauslaufen, doch bis dahin ist noch Zeit. Sofern er seine Meinung während der vergangenen Wochen in Isolation mit seiner Familie nicht geändert hat. Die Pause könnte ihn zum Gedanken getrieben haben, ohne eine sinnvolle Alternative mit einem siegfähigen Paket den Helm an den Nagel zu hängen - oder genau das Gegenteil, um es noch einmal allen Kritikern zu zeigen...

Formel 1, Vettel: Wechsel in eine andere Rennserie?

Bleibt noch eine eher selten diskutierte Variante. Beendet Vettel nur seine Karriere in der F1, aber nicht als Motorsportler? Zumindest Haarrisse in seiner eigentlich grenzenlosen Liebe zur Königsklasse zeigten sich in den vergangenen Jahren. Ob in der Saison 2014 oder nach seinem Ausfall in Russland 2019 - mehrfach machte Vettel deutlich, wie sehr er dem brachialen Kreischen der V10- oder gar V12-Motoren nachtrauert. Nicht zu vergessen auch sein Zorn über Regelmacher und -Kontrolleure wegen seiner Strafe in Kanada. Überreguliert, alles zu politisch.

Aber deshalb gleich die F1 verlassen, auf die klar schnellsten Boliden des Planeten und das Kräftemessen mit den Besten der Besten verzichten? Kaum vorstellbar, dass Vettel es darunter macht. Passion für Racing ja, aber bitte nur auf höchstem Niveau. "Schneller ist schöner als langsamer", sagt Vettel. Die Vorzüge der F1 überwiegen weiter klar. Zumal die Tage rohen Motorsports ohne Kompromisse auch überall anders längst gezählt sind.

Andererseits: sollte das Racing-Feuer noch in ihm lodern, aber kein siegfähiges Material für 2021 verfügbar sein, könnte er vielleicht den Weg seines Ferrari-Vorgängers Fernando Alonso einschlagen. Seinem Motorsportverlangen andernorts nachgehen, um dann 2022 zurückzukehren. Wie schwer ein solches Comeback-Unterfangen jedoch ist, zeigt der Fall des Asturiers, dessen Formel-1-Laufbahn wohl - entgegen seiner Aussagen - endgültig vorbei ist. Nur eins spräche in diesem Fall für Vettel: anders als Alonso hinterlässt er in der Formel 1 nicht so viel verbrannte Erde, die eine Rückkehr zu nahezu allen Topteams ausschließen würde...