Aufgrund der Coronavirus-Krise halten große Sparmaßnahmen in der Formel 1 Einzug. Die Einnahmen-Ausfälle haben die Teams nicht nur von größeren verpflichtenden Einschnitten überzeugt, sondern sie ihnen regelrecht aufgezwungen.

Während aber die ab dem nächsten Jahr gültige Kostenobergrenze wahrscheinlich bald unter 150 Millionen US-Dollar gedrückt werden wird und Teams kurzfristig sogar Angestellte in Kurzarbeit schicken, stellt sich eine Frage: Was wird mit den teils gigantischen Gehältern der Spitzenfahrer? Die ersten nehmen bereits für die laufende Saison Gehaltskürzungen in Kauf. Das könnte zum Dauerzustand werden. Vielleicht muss das sogar sein.

Formel 1: Vettel, Hamilton, Verstappen mit Monster-Gehältern

F1-Fahrerverträge sind an sich eine vertrauliche Angelegenheit, und nur wenig dringt an die Öffentlichkeit. Aktuell finden sich in der Liste der 100 teuersten Athleten des Magazin Forbes zwei Formel-1-Fahrer. Lewis Hamilton wird dort mit 45 Millionen, Sebastian Vettel mit 40 Millionen US-Dollar ausgewiesen.

Nicht allzu weit davon entfernt sollte sich Max Verstappen mit seinem im Winter unterzeichneten neuen Red-Bull-Vertrag befinden, Vater Jos sprach im Magazin 'GP Racing' zuletzt von "sehr, sehr gut bezahlt - Top zwei, Top drei." Laut Red Bulls Motorsport-Berater Dr. Helmut Marko könnte Verstappen durch Boni für Top-Platzierungen der teuerste Red-Bull-Fahrer aller Zeiten werden.

Das sind mehr als nur Beträge aus der Team-Portokasse, und entsprechend schnell werden sie nun hinterfragt. So geschehen beim Mann mit dem vierthöchsten Gehalt, Daniel Ricciardo. Ihn eiste Renault vor zwei Jahren für kolportiert 20 Millionen von Red Bull los, jetzt ist er zu teuer. "Wir hatten diese Diskussion bereits", erklärte Renault-Teamchef Cyril Abiteboul der französischen 'L'Equipe'. "Daniel hat schon erklärt, dass er bereit ist. Ich kann euch bestätigen, dass er es reduzieren wird."

Bei McLaren bewegen sich die Fahrer noch im einstelligen Millionenbereich, haben aber ebenfalls Gehaltskürzungen akzeptiert. Dasselbe gilt bei Williams. Die Haas-Piloten Magnussen und Grosjean haben es ihrem Team sogar von selbst angeboten, das verriet Teamchef Günther Steiner Motorsport-Magazin.com.

Brechen die Fahrergehälter 2021 ein?

Diese kurzfristigen Maßnahmen könnten sich längerfristig in der Formel 1 einnisten, denn die Krise kommt just zu einem Zeitpunkt, zu dem sich viele Fahrer im letzten Vertragsjahr befinden. Von den Spitzenfahrern sind nur Charles Leclerc und Max Verstappen für 2021 gesetzt. Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Daniel Ricciardo begannen gerade erst die Sondierungsphase für neue Verträge. Gerade für Vettel könnte es heikel werden, da Ferrari italienischen Medien nach bereits neun Millionen für Leclerc ausgibt.

Ob also irgendwo noch 40 Millionen gehen? "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Fahrergehälter in dieser Größenordnung, zumindest was einige Spitzenfahrer betrifft, zugesagt und bezahlt werden", mutmaßt AlphaTauri-Teamchef Franz Tost gegenüber Motorsport-Magazin.com. Zu groß sind die erwarteten wirtschaftlichen Einbußen, und die Fahrer können ohne Rennen keine Resultate vorweisen, mit denen sie ihr Können weiterhin unter Beweis stellen.

Deckelt die Formel 1 jetzt auch Fahrer-Gehälter?

Vielleicht ist es nun auch möglich, dass die Gehälter in die 2021 kommende Kostengrenze inkludiert werden. In der Urfassung betrug die Grenze 175 Millionen, und die Gehälter der Fahrer und der drei teuersten Nicht-Fahrer jedes Teams waren ausgenommen. Inzwischen bahnt sich eine deutliche Senkung der Grenze an, doch über die Details streiten sich Top-Teams und Mittelfeld seit den ersten Krisenmeetings.

Wie sieht die neue Formel 1 nach der Krise aus?: (124:00:0 Min.)

Manche vertraten schon vor der Krise die Ansicht, dass es notwendig sei, die Fahrergehälter zu beschränken. "Die Budget Cap ist jetzt nicht dafür da, dass man den Fahrern mehr zahlt", kritisierte Red Bulls Motorsportberater Dr. Helmut Marko im Januar bei Motorsport-Magazin.com. "Wenn es nur ganz wenige an der Spitze gibt, so wie jetzt zwei, drei Leute, dann ist man als Team mehr oder minder ausgeliefert. Je gleicher die Autos, dann ist es der Fahrer, der letztendlich den Unterschied macht. Je besser, desto teurer wird er. Dann hilft die ganze Budget Cap nicht, wenn du ein wettbewerbsfähiges Auto, aber nicht den richtigen Fahrer hast."

So oder so wird diese Krise Auswirkungen auf den Fahrermarkt haben. Wenn die Verhandlungen bei stabilisierter Lage irgendwann wieder anlaufen, wird ein 50-Millionen-Vertrag selbst für einen sechsfachen Meister etwas absurd klingen, während das ganze restliche Team nun mit 150 oder weniger operiert.