Die Formel 1 verbreitet bei den Zuschauerzahlen seit der Übernahme durch Liberty Media gerne Erfolgsmeldungen. Liberty krempelte die mediale Präsentation der Serie nach dem Erwerb um, und es scheint sich zumindest bei einem Blick auf die Popularität auszuzahlen: Die TV-Zahlen waren 2019 so hoch wie seit 2012 nicht mehr, und im Social-Media-Bereich wächst kein anderer Sport so schnell.

1,922 Milliarden betrug im Vorjahr die Gesamtsumme der TV-Zuseher, verglichen mit 2018 macht das ein Plus von neun Prozent. Polen kann mit 256 Prozent den größten Zuwachs verzeichnen. Das sind jedoch alle Rennen aufsummiert. Wenn man jeden TV-Seher des Jahres 2019 nur einmal rechnet, gab es einen kleinen Einbruch.

TV-Zuseher schauten 2019 mehr Formel 1

Genauer gesagt gibt die Formel 1 für 2019 471 Millionen individuelle Zuschauer an, im Vergleich zu 2018 ist das ein Minus von 3,9 Prozent. Trotzdem - in der Endabrechnung saßen diese Seher 2019 öfter und länger vor dem Fernseher als im Vorjahr. 19 der 21 Rennen verzeichneten bei den globalen TV-Quoten einen Zuwachs, und bei vier Rennen - Italien, Monaco, Brasilien und Deutschland - schalteten über 100 Millionen ein.

Für Ian Holmes, dem Direktor für Medienrechte der Formel 1, ist das ein Erfolg. "Die wachsende Gesamt-Zuschauerzahl weist daraufhin, dass wir mehr Engagement erwirken", so Holmes. "Neue Grafiken, verschiedene Kamerapositionen, das alles hatte sicher einen großen Einfluss auf die Verbesserungen und darauf, dass Fans verglichen mit 2018 länger an den Übertragungen dran blieben."

Seit 2018 versucht die Formel 1, sich grafisch besser zu präsentieren - Foto: Screenshot/Formula 1
Seit 2018 versucht die Formel 1, sich grafisch besser zu präsentierenFoto: Screenshot/Formula 1

Das zählt in Holmes' Augen besonders, denn in der heutigen Medien-Landschaft werden die TV-Seher immer weniger. Wer sein Publikum wie die Formel 1 halten kann und es auch regelmäßiger vor den Fernseher bringt, kann sich als Sieger feiern. Tatsächlich meldet die Formel 1 offiziell ein Plus von sieben Prozent bei Renn-Übertragungen, von fünf Prozent bei Qualifying-Übertragungen, und von 24 Prozent bei Trainings-Übertragungen.

Social-Media-Wachstum der Formel 1 weiter stark

Die verbesserte Zuschauer-Bindung der Formel 1 geht teils sicherlich auch auf den erfolgreichen Wandel der Internet-Aktivitäten zurück. Als Liberty die Serie von Bernie Ecclestone erwarb, war die Social-Media-Präsenz praktisch nicht vorhanden. Aber seither wurden die F1-Auftritte auf Facebook, Twitter, Youtube und Instagram immer weiter verbessert.

Die Fans honorieren die Internet-Auftritte der Formel 1 bisweilen mit Lob, und mit Abonnements. Aktuell kann man 24,9 Millionen Follower vorweisen, das entspricht einem Plus von 32,9 Prozent. Keine andere Sport-Liga wächst Jahr für Jahr so stark. Wenngleich nicht vergessen werden darf - die Formel 1 startete später in das Abenteuer Social Media, hat also Aufholbedarf. Die MotoGP liegt in absoluten Follower-Zahlen noch knapp vorne, dürfte aber 2020 eingeholt werden.

Formel 1 mit weiteren exklusiven Pay-TV-Verträgen?

Kritik gegenüber der Pay-TV-Politik bei der Vergabe von Fernseh-Rechten weist Medienrechte-Chef Holmes übrigens zurück. Die gab es zuletzt, nachdem die Formel 1 in Großbritannien 2019 endgültig ins Bezahl-Fernsehen verschwand, nur das Heimrennen in Silverstone blieb frei empfangbar. Das brachte Einbrüche bei den Seher-Zahlen mit sich. Wurden finanziell lukrative Verträge also der Zugänglichkeit vorgezogen?

Holmes verteidigt die Entscheidung: "Natürlich gibt es immer kommerzielle Elemente zu beachten, aber es ist genauso wichtig, sich anzuschauen, wer die Seher sind, wen du erreichen willst. Und Pay-TV bietet außerdem oft umfangreichere Übertragungen."

In Deutschland und Österreich ist die Formel 1 zumindest noch 2020 frei zugänglich, aber am Ende der Saison laufen die Verträge von RTL und ORF aus. Wie es danach weitergeht, ist unsicher. 2019 konnte der ORF wieder Seher-Zuwächse verbuchen, während RTL Rückgänge verzeichnen musste. Sicherlich auch, da Sky Deutschland nach einem Jahr Pause wieder zurückkehrte. Wie es 2021 weitergeht, ist noch offen.