Das erste Jahr in einem Top-Team hat Charles Leclerc erfolgreich abgeschlossen: 2019 schlug er auf Anhieb seinen erfahrenen Teamkollegen Sebastian Vettel. Am Ende der Formel-1-Saison standen bei ihm mehr Punkte, mehr Siege und mehr Pole Positions auf der Habenseite.

Leclerc wechselte schon in seinem zweiten Formel-1-Jahr ins traditionsreiche Ferrari-Team. Dadurch lag viel Druck auf seinen Schultern. "Es war einschüchternd bei so einem Team neben Seb anzukommen, der ein vierfacher Weltmeister ist", sagt Leclerc im Podcast der britischen Zeitschrift Autosport. Der 22-Jährige lebte sich dennoch gut bei der Scuderia ein. Schon beim zweiten Rennen in Bahrain fuhr er auf die Pole Position. Es folgten sechs weitere Poles.

Leclerc ging damit häufiger als jeder andere Fahrer von der ersten Position in ein Rennen der Saison 2019. Während er in den Qualifyings eine Stärke entwickelte, entsprach die Leistung in den Rennen nicht immer seinen Erwartungen. "In den Rennen habe ich noch etwas Arbeit vor mir. Seb hat in den Rennen mehr Erfahrung und ist im Moment stärker. Meine Arbeit im Winter ist hauptsächlich, an meiner Leistung in den Rennen zu arbeiten und diese zu verbessern."

Formel 1 Q&A 2020: Was macht den Mythos Ferrari aus?: (28:08 Min.)

Fortschritte hat der Monegasse laut eigenen Aussagen bereits in der vergangenen Saison erzielt. "Es ist nicht nur wie ich fahre, sondern eine ganzheitliche Sache - mit dem Team zu arbeiten, das Setup zu finden. Manchmal bedeutet das, ein bisschen das Qualifying zu opfern, um im Rennen schneller zu sein. Diese kleinen Details machen den Unterschied im Rennen aus", erklärt Leclerc. Dabei spielte auch sein Teamkollege eine Rolle. "Ich habe viel von Seb gelernt", sagt er.

Im Laufe des Jahres hat sich zwischen Vettel und Leclerc eine Rivalität entwickelt. Diese gipfelte in einer teaminternen Kollision beim vorletzten Saisonrennen in Brasilien. "[Die Rivalität] macht mich zu einem besseren Fahrer. Sie pusht uns beide an die Limits. Wenn er vor mir ist, mag ich es nicht und arbeite noch härter und ich glaube, gleiches gilt für ihn", so Leclerc.

Vettel vs. Leclerc: Ferrari-Stallkrieg 2019 eskaliert

Doch die Rivalität hat nicht nur ihre positiven Seiten. In Monza kam es nach dem Qualifying zu einer teaminternen Auseinandersetzung, in Singapur zwei Wochen später verstand Leclerc die Welt nicht mehr, als ihm der sichergeglaubte Sieg durch eine schlechtere Strategie durch die Latten ging - und auch noch Teamkollege Sebastian Vettel siegte.

Schon beim nächsten Rennen im russischen Sotschi drohte der Stallkrieg zu eskalieren, als sich Vettel nicht an die abgemachte Stallorder hielt. Endgültig eskaliert ist der teaminterne Zweikampf aber erst in Brasilien, wo beide nach einer Kollision ausschieden.

"Wir sind zwei Konkurrenten und wir beide wollen gewinnen. Es wäre falsch, wenn es anders wäre. Manchmal können wir auf der Strecke den ein oder anderen Reibungspunkt haben. Aber wir sind reif genug, um zu wissen, dass das, was auf der Strecke passiert, eben auf der Strecke ist", relativiert Leclerc.

Brasilien-Kollision zwischen Vettel und Leclerc soll sich nicht wiederholen

Zwischenmenschlich passt es laut dem Youngster nach wie vor: "Außerhalb des Autos sind wir andere Personen. Da ist es wichtig, dass wir gut zusammenarbeiten. Vor allem abseits der Strecke, um das Auto bestmöglich zu entwickeln. Natürlich dürfen wir auf der Strecke nicht wie in Brasilien über die Limits gehen. Ich denke, es war eine gute Lektion für uns beide und wird nicht mehr passieren."

Auf der Strecke wurde es zwischen Charles Leclerc und Sebastian Vettel bereits beireits beim Saisonauftakt in Australien eng - Foto: LAT
Auf der Strecke wurde es zwischen Charles Leclerc und Sebastian Vettel bereits beireits beim Saisonauftakt in Australien engFoto: LAT

Damit die Rivalität außerhalb des Autos nicht eskaliert, nutzt Leclerc einen Trick: "Es gab Zeiten, in denen wir uns in manchen Situationen nicht wirklich verstanden haben. Ich glaube, es ist nie gut, direkt nach einem Zwischenfall zu sprechen. Nach Russland haben wir uns etwas Zeit gelassen und uns in Japan zusammengesetzt. Das war gut, glaube ich."

Vertragsverlängerung: Leclerc sticht Vettel aus

Das Rennen um einen neuen Vertrag hat der Monegasse bereits gewonnen. Während Vettels Kontrakt mit der Scuderia 2020 endet, wurde Leclercs Vertrag in der Winterpause bis einschließlich 2024 verlängert.

Für viele ist die langjährige Verlängerung ein klarer Fingerzeig seitens Ferrari: Leclerc ist die Zukunft. Der Monegasse sieht aber vor allem ganz pragmatische Vorzüge: "Es ist großartig. Es ist das erste Mal in meiner Karriere, dass ich einen so langen Vertrag habe. Stabilität ist gut und es ist gut zu wissen, was in den nächsten paar Jahren passiert. Jetzt kann ich relaxen und mich voll auf meinen Job konzentrieren."