Im ersten vollen Jahr ist die Ausbeute für den neuen Formel-1-Rennstall Racing Point enttäuschend. Die einstige Force-India-Mannschaft war nach Übernahme durch ein kanadisches Konsortium zwar plötzlich ihre Geldsorgen los, aber in der Endtabelle schnitt das Team trotzdem schlechter ab als im Vorjahr.

Platz sieben in der Team-WM, und Sergio Perez holte als bester Fahrer nur Platz zehn in der Fahrer-WM, das entsprach nicht ganz den großen Hoffnungen zu Saisonbeginn. Da hatte sich Racing Point noch ausgerechnet, im Kampf um den Titel 'Best of the Rest' - also viertbestes Team - prominent mitzuspielen, wie schon in den Vorjahren. Stattdessen dauerte es bis nach der Sommerpause, bis Perez und Konsorten in Fahrt kamen. Trotzdem gibt es für 2020 wieder Ansagen von der Teamspitze.

Racing Point: 2019-Ergebnis durch 2018-Geldmangel

Zuerst muss aber einmal aufgedröselt werden, warum Racing Point 2019 in der Formel 1 bis Spa brauchte, um im Mittelfeld ein ernstzunehmender Faktor zu werden. Verglichen mit den Vorjahren waren sie sogar unter ihren eigenen Maßstäben: Platz sieben in der Team-WM holten sie schon 2018, aber da wurden ihnen nach der Neugründung alle Punkte der ersten Saisonhälfte gestrichen.

Wer das miteinberechnet, findet einen klaren Abstieg: 2018 111 Punkte, 2019 73. "Wir waren nicht so gut wie sonst", gesteht Teamchef Otmar Szafnauer gegenüber Motorsport-Magazin.com, hat aber eine Erklärung: "Es ist verständlich: Als wir im Vorjahr zu entwickeln begannen, hatten wir massive finanzielle Probleme."

Als Force India starteten sie 2018 am finanziellen Limit in die Saison, in der Sommerpause meldete das Team Insolvenz an. Zu dem Zeitpunkt mussten sie aber schon das 2019er-Auto entwickeln.

"Das manifestiert sich immer im nächsten Jahr. Sechs, zwölf, 18 Monate später", sagt Szafnauer. Das Auto für 2019 wurde als Kompromiss gestaltet, mit dem Geldmangel im Hinterkopf: Das Chassis war praktisch ein 2018er-Modell, obwohl in diesem Jahr neue Flügel kamen und die Benzin-Kapazität (und damit das Gewicht) stieg. Als das Konsortium um Lawrence Stroll nach der Sommerpause das Team auffing und die Geldsorgen endeten, war es für das neue Auto schon zu spät.

Racing Point zufrieden mit 2019-Entwicklungsrennen

Mit großen Upgrades versuchte das Team die Probleme einzudämmen. "Ich glaube, wir haben mitgehalten und die anderen etwas überholt", ist Szafnauer damit zufrieden. "Anfangs konnten wir gar nicht in Q3 kommen, jetzt haben wir jedes Rennen eine Chance. Also haben wir ein paar Leute im Mittelfeld bei der Entwicklung geschlagen, aber du kannst deine Entwicklung nicht verdoppeln."

Den Fahrern will Szafnauer dabei die Schuld auch nicht geben: "Ich glaube, die Fahrer haben dieses Jahr gute Arbeit geleistet." Obwohl Lance Stroll sich deutlich von Sergio Perez zerreiben ließ: "Lance hat richtig viel gelernt, wurde immer schneller, hat gelernt wer wir sind. Und Sergio kennt uns schon lange, liefert immer stark ab, im Quali und im Rennen. Ich bin mit beiden zufrieden."

Am Ende des Jahres hatte Racing Point das Limit des Autos erreicht. Von der Sommerpause an legte Nummer-eins-Fahrer Perez einen guten Lauf hin und punktete in acht von neun Rennen. "Für die Zukunft stimmt es uns optimistisch", sagt Szafnauer. "Wir haben viel gelernt. Oft lernst du in solchen harten Jahren mehr als in den Jahren, in denen es läuft."

Racing Point für 2020 mit Ansage

Die gleichzeitig laufenden Entwicklungen für 2020 liefen endlich ohne Geldsorgen ab. Das Team hat in diesem Jahr außerdem Personal addiert und begonnen, eine neue Fabrik zu bauen. Die Stimmung ist bei Szafnauer gut: "Nein, es ist nicht einfach, du musst viel richtigmachen, aber was ich so sehe, machen wir das."

Vor dem Mittelfeld: Hier will Racing Point 2020 sein - Foto: LAT Images
Vor dem Mittelfeld: Hier will Racing Point 2020 seinFoto: LAT Images

Also lässt er sich zu einer klaren Ansage hinreißen: "Es gibt keine Entschuldigungen, wenn wir nächstes Jahr nicht abliefern. Wir sollten am vorderen Ende des Mittelfeldes sein." Er hat seine Ziele also schon ausgemacht: "Ja, auf jeden Fall McLaren, Renault. Es wird sicher ein großer Kampf. Platz vier ist wohl das Beste, was wir erreichen können."