McLaren schickt sich an, in Singapur die zuletzt in Monza wieder aufgekeimten Renault-Hoffnungen im Kampf um die Vorherrschaft im Mittelfeld der Formel 1 gleich wieder zu ersticken. Im Freien Training jedenfalls präsentierten sich Carlos Sainz und Lando Norris als orangene Bank. In beiden Sessions Best of the Rest.

Der Spanier, ein ausgemachter Singapur-Spezialist, erzielte dabei in gleich beiden Sessions den siebten Rang. Dementsprechend gut fällt die Laune aus. "Ein guter Start ins Wochenende. Ich konnte mein Gefühl fürs Auto Schritt für Schritt verbessern, indem wir die richtigen Setup-Entscheidungen getroffen haben. So haben wir den Tag zweimal in den Top-10 beendet", sagt Sainz.

Singapur-Rookie Norris schnell auf Speed

Doch gewonnen sei damit noch längst nicht - schon gar nicht in Singapur. "Wir müssen aber wachbleiben, denn hier ändern sich die Bedingungen auf den Samstag sehr", erklärt Sainz. Teamkollege Norris unterdessen musste zunächst einmal den Marina Bay Street Circuit kennenlernen. Für den Rookie ein Leichtes. "Ein klasse Tag. Es ist natürlich mein erstes Mal hier, aber ich finde, dass ich ziemlich schnell auf Speed gekommen bin", sagt der Rookie, in beiden Sessions in den Top-9.

Lediglich eine halbe Stunde habe er gebraucht, sich auf die für ihn neue Strecke einzuschießen. "Dann konnten wir schon anfangen, mit dem Auto zu arbeiten und Verbesserungen vorzunehmen", berichtet Norris. Und die gefielen dem Briten ähnlich gut wie Sainz. "Beide Fahrer sind happy mit dem Auto", freut sich Technikchef James Key. "Aber es sieht wie immer im Mittelfeld sehr eng aus. Wir müssen sehr hart arbeiten, um morgen das Maximum herauszuholen."

Hülkenberg fährt um Formel-1-Zukunft

Das gilt vor allem wegen Renault. Den Nimbus aus Monza haben die Franzosen trotz des nun völlig anderen Layouts längst nicht komplett verloren. Zumindest Nico Hülkenberg fuhr in beiden Sessions in die Top-8, war damit erster McLaren-Jäger. "In Singapur ist es immer knifflig, aber ich fühlte mich mit wenig Sprit sofort wie zuhause und bin gut in den Rhythmus gekommen", sagt der Emmericher. "Das Auto hat gemacht, was ich wollte."

Formel 1 2019: News nach dem Freitags-Training in Singapur: (6:18 Min.)

Auf dem Longrun jedoch sei es schwieriger gewesen. "Da hatte ich im zweiten Training etwas zu kämpfen und mehr Reifenabbau als einige der Kollegen. Da müssen wir jetzt anschauen, was da los war", fordert Hülkenberg. Dann sei alles drin. "Ich glaube schon, dass wir Top-10-Material haben", so Hülkenberg.

Hülks F1-Logik: Gutes Qualifying wegen schlechten Reifen nicht gut?

Gegen McLaren werde es allerdings eng. "Die waren schnell und diese Strecke passt gut zu ihrem Auto", weiß Hülkenberg. Doch weiß der Deutsche auch, dass Speed allein nicht alles ist. In Singapur zählt auch die Taktik. Hülkenberg überlegt einen Griff in die taktische Trickkiste: "Man muss schauen, ob es mit diesen Reifen überhaupt sinnvoll ist in den Top-10 zu starten. Im letzten Jahr war es mit den weichen Reifen da auch nicht so effizient ..."

Teamkollege Daniel Ricciardo sieht McLaren ebenfalls als schwer zu überwindende Hürde. "Ich wusste aber, dass es schwieriger werden würde als in Monza", sagt der Australier. "Aber wir sind auch nicht schlecht in Form. Wir können mitmischen, aber McLaren wird auch da sein. Toro Rosso hatte ebenfalls seine Momente", warnt Ricciardo jedoch von weiteren Gegnern.

Daniel Ricciardo: Potential da, aber McLaren stark

Zunächst einmal müsse er jedoch selbst besser in Fahrt kommen. Vor allem auf eine Runde fehlte dem Honeybadger noch der Biss. "Ich muss noch etwas im Shortrun finden, aber große Sorgen mache ich mir da nicht. Ich weiß, dass wir diese Pace ganz einfach finden können, da geht es nur um kleine Dinge", sagt er. "Die Longruns sahen etwas positiver aus. Das Auto war da, ich muss es nur zusammenbringen. Nico war heute ja den ganzen Tag in den Top-8, das zeigt das Potential des Autos!"

Das jedoch ließen auch andere aufblitzen. Etwa das bereits genannte Toro Rosso, vor allem im Longrun. "Die Pace sah klasse aus", schwärmt deren Pierre Gasly, auch auf eine Runde vorzeigbar - zweimal P10. Kein Zufallsprodukt: Teamkollege Daniil Kvyat wurde einmal Neunter, einmal Elfter.

Wundertüten Alfa Romeo und Racing Point

Im Kampf um die Mittelfeldspitze können also auch noch andere mitmischen. Womöglich auch Racing Point und Alfa Romeo. Beide zeigten im Training noch nicht ihr wahres Gesicht. Erstere wegen umfangreicher Aero-Tests mit Updates, Letztere mit technischen Problemen der etwas anderen Art: Ein Stromausfall in der Alfa-Garage sorgte für ein fast komplett wertloses FP1.