Die Verwarnung für Charles Leclerc beim Italien GP der Formel 1 am vergangenen Wochenende löste einige Diskussionen aus. Leclerc hatte im Kampf um die Führung Lewis Hamilton von der Strecke gedrückt und hatte dafür die schwarz-weiße Flagge gezeigt bekommen, das entspricht einer Warnung. Strafe gab es keine.

Später kam, vor allem von Mercedes-Seite, Kritik. In vorangegangenen Jahren hatten ähnliche Aktionen noch Strafen ausgelöst. Lewis Hamilton beschwerte sich über fehlende Beständigkeit, während sein Teamchef Toto Wolff aggressivere Manöver und mögliche daraus resultierende Kollisionen fürchtet. Rennleiter Michael Masi sieht da aber keine Probleme.

Masi bringt Verwarnungen zurück in die Formel 1: Warum nicht?

Verankert ist die schwarz-weiße Verwarnungs-Flagge auf jeden Fall als Option für den Rennleiter im sportlichen Regelwerk der FIA - als reines Mittel der Verwarnung ohne Strafe. Sie kann jedem Fahrer durch den Rennleiter gezeigt werden. "Eine der laufenden Diskussionen mit den Sportdirektoren war die Verwendung", erklärte Masi, der 2019 den Posten des Rennleiters von Charlie Whiting übernahm.

"Warum ich sie nicht verwendet habe liegt daran, dass ich, und viele andere, versucht haben herauszufinden, warum es nicht mehr verwendet wurde", erklärte Masi. "Und keiner konnte mir einem guten Grund nennen." Tatsächlich wurde eine förmliche Verwarnung durch eine schwarz-weiße Flagge zuletzt 2010 in Malaysia eingesetzt, danach verschwand sie - ohne Grund.

Also beschloss Masi, die schwarz-weiße Flagge in Spa wieder in sein Repertoire aufzunehmen. Das Ziel ist, damit 'hard racing' zu fördern, statt wie zum Beispiel bei Sebastian Vettel in Kanada Zeitstrafen auszusprechen. Die Fahrer bekommen, wie oft und von allen Seiten gewünscht, etwas mehr Spielraum.

"Es wurde am Freitagabend in der Fahrerbesprechung vorgebracht, dass das deine gelbe Karte ist", sagte Masi in Spa. "Jeder Sportdirektor und jeder einzelne Fahrer unterstützt die Verwendung." Erster Einsatz: Gegen Pierre Gasly, der sich in einer Anbremszone zu stark bewegte. Zweiter Einsatz: Leclerc gegen Hamilton in Monza.

Masi erklärt Verwarnungs-Flagge in der Formel 1

Wie funktioniert das System der schwarz-weißen Verwarnungsflagge also? Die Entscheidung liegt hier nicht bei den Stewards, die für die Strafen verantwortlich sind. Die Verwarnungsflagge setzt der Rennleiter, in der Formel 1 Masi, ein. "Bei uns ist es eine Warnung: Beim nächsten Zwischenfall geht es an die Stewards, und wird wahrscheinlich eine Strafe", so Masi.

FIA-Mann Michael Masi ist 2019 der Rennleiter der Formel 1 - Foto: LAT Images
FIA-Mann Michael Masi ist 2019 der Rennleiter der Formel 1Foto: LAT Images

Unabhängig vom Zwischenfall gibt es die schwarz-weiße Flagge nur einmal pro Rennen. Wer schon eine Verwarnung für Track Limits kassiert hat, kann keine zweite Verwarnung für eine Beinahe-Kollision bekommen. Alle weiteren Verstöße gibt Masi gleich an die Stewards weiter. Wenn sonst nichts passiert, erlischt die Verwarnung zu Rennende.

Randnotiz: Wenn Masi eine Verwarnung ausspricht, könnten die Stewards trotzdem selbstständig eine Untersuchung einleiten. "Wenn sie glauben, dass da mehr dran war, sind sie absolut in der Lage, eine Strafe auszusprechen", bestätigt auch Masi in Monza.

Masi sieht keine Verwarnungs-Gefahr für Formel 1

Kritische Stimmen - wie Wolff, oder wie Jacques Villeneuve - sorgten sich nach dem Leclerc-Zwischenfall in Monza allerdings schon wieder. Auch Leclerc selbst hat seit dem verlorenen Duell gegen Max Verstappen in Österreich mehrmals klar gesagt: Er hat die Gangart verschärft. Er wisse jetzt, was alles möglich sei. Und bei seinem Monza-Sieg hat er wirklich alle von der Rennleitung gesetzten Limits ausgereizt.

Rennleiter Masi sieht durch die neue lockere Herangehensweise aber keine größeren Gefahren: "Ich glaube nicht, dass sie gefährlicher fahren. Etwas mehr vielleicht, aber sie bewegen sich an der Grenze. Die können sie leicht überschreiten. In den beiden Fällen, in denen wir es bis jetzt verwendet haben, hat es für mich den Zweck erfüllt. Aber du musst jeden Zwischenfall neu beurteilen."