Nach einer kurzen Pause geht es für die Formel 1 in Silverstone mit dem zehnten Rennen der Saison 2019 weiter - und dem Rennen eins nach der Mercedes-Dominanz. Nach acht Mercedes-Triumphen in Folge sorgte Max Verstappen auf dem Red Bull Ring für den ersten Red-Bull-Sieg.

Zwei Wochen hat Mercedes Zeit, um sich vom Red-Bull-Schock zu erholen. Stellen sie in Silverstone die Hackordnung wieder her? Während Ferrari sieglos von Rennen zu Rennen reist und nach Auswegen aus dem Auf-und-Ab der Saison 2019 sucht. Findet man sie in Silverstone?

Mercedes vor Ferrari? Silverstone passt zum Paket W10

Wer vor Silverstone Optimismus sucht, sollte nicht ins Ferrari-Lager blicken. "Wir erwarten nicht, dass Silverstone unserem Auto besonders gut liegt", heißt es im Vorlauf von Teamchef Mattia Binotto. Ferraris Problem: Die starken Auftritte in Montreal und Spielberg waren den Umständen geschuldet. Lange Geraden, hohe Temperaturen, das hilft Ferrari. Dann können sie um den Sieg fahren.

Silverstone kommt wieder dem W10, dem Allround-Paket von Mercedes entgegen. Zwar verlangt der Kurs in England Motorenleistung, doch in Kombination mit guter Kurvenlage. Zeit wird hier in ultraschnellen Kurvenkombinationen gewonnen. Hinzu kommen enge Kurven-Abfolgen wie in Sektor eins, oder die Kombination Brooklands-Luffield nach der ersten langen Geraden.

Diese Mischung macht's, für Mercedes zumindest. "Einige unserer besten Saisonleistungen in diesem Jahr kamen auf Strecken, die eine breite Palette an Kurvengeschwindigkeiten boten. Somit sieht es auf dem Papier relativ gut für uns aus", sagt Teamchef Toto Wolff. Ihre Schwäche - ein Hitzerennen - droht indessen nicht, für Silverstone sind angenehme Temperaturen vorhergesagt.

Ein Duell Bottas gegen Hamilton leuchtet daher ein. Vorausgesetzt, dass Bottas gegen Hamilton ankommt. Zuletzt sah der Finne schwach aus - und gab zu, sich mehrmals bei Setup-Experimenten verrannt zu haben. Auf ein Comeback in Silverstone ist auch nicht zu vertrauen. Lewis Hamilton ist ein Spezialist für sein Heimrennen, fuhr hier sechs Mal auf Pole und fünf Mal zum Sieg.

Red Bull und Honda: Was geht an der Power-Front?

Red Bull reist zwar auf dem Hoch des Österreich-Sieges nach Silverstone, doch die Chancen auf den zweiten Saisonsieg in Folge sind nicht großartig. Eher deutet es auf die Rückkehr zum Kampf mit Ferrari um den letzten Podiums-Platz hin. Vielleicht sogar noch weniger, denn wie vorhin angesprochen braucht es in Silverstone Leistung. Leistung, die Honda besonders im Qualifying verglichen mit Mercedes und Ferrari noch nicht hat.

Auf das nächste Motoren-Upgrade muss noch gewartet werden. Max Verstappen muss wohl wieder aus wenig viel machen. Was er aber 2019 immer und immer wieder schafft. Wenn das Auto auch nicht siegfähig sein sollte, so ist er immer sofort zur Stelle und bestraft Fehltritte der Konkurrenz. Zumindest ein Red Bull kann dank Verstappen auch in Silverstone so auf dem Podium stehen.

Formel 1 2019: 5 Brennpunkte vor dem Großbritannien GP: (7:37 Min.)

Der zweite? Red Bull beschwört, dass Pierre Gaslys Sitz sicher sei. Mit einem Podium ist bei ihm aber kaum zu rechnen, die Form stagniert. In Österreich verlor er auf Verstappen erneut eine Runde und scheiterte im Kampf um Platz sechs erneut an einem McLaren. Bei allen Unterstützungs-Erklärungen: Es wird Zeit, abzuliefern. Wann (und ob) diese Zeit kommt, ist bei dieser Formkurve nicht abzusehen.

McLaren, die Mittelfeld-Spitze: Heimrennen zum Form-Beweis

McLaren beginnt sich im Mittelfeld langsam abzusetzen. "Wir kommen nach einer Serie von positiven Rennen nach Silverstone, wissen aber um Bereiche, in denen wir uns verbessern können", gibt sich Teamchef Andreas Seidl trotzdem vorsichtig. Fakt ist jedenfalls: McLaren ist der Mittelfeld-Maßstab, hat in den letzten Rennen und mit den letzten Upgrades alles richtig gemacht. Verlassen will sich das Team nicht darauf. "Die Lücke zu anderen Fahrern ist sehr klein", mahnt der WM-Siebte Carlos Sainz. "Jetzt liegt es an uns, sie zu halten."

Renault, nach Kanada und Frankreich gut aufgelegt und gerüstet, legte in Österreich hingegen eine Bruchlandung sondergleichen hin. "Wir hatten davor einen netten Lauf", sagt Daniel Ricciardo. "Das Ziel ist, da wieder hinzukommen." Nach Frankreich glaubten sie, ihre Stärken etabliert zu haben. Den Beweis sind sie schuldig geblieben. Woran der Österreich-Fehltritt lag? Vielleicht kann das Silverstone-Ergebnis Aufschluss geben. "Ich vertraue auf das Team, es in Silverstone wieder hinzubekommen", gibt sich Nico Hülkenberg optimistisch.

Renault vs. McLaren - zuletzt deutlicher Vorteil für McLaren - Foto: LAT Images
Renault vs. McLaren - zuletzt deutlicher Vorteil für McLarenFoto: LAT Images

Doch die Konkurrenz schläft nicht. Alfa, wieder erstarkt, ist ebenfalls ein Kandidat für Punkte. Abreißen lassen mussten dafür Racing Point und Toro Rosso, die blieben in der ersten Upgrade-Runde etwas zurück und haben seit drei Rennen nur mehr Außenseiter-Chancen. Immerhin besser als Haas. Die wirken nach wie vor planlos und bekommen die Reifen im Rennen nicht in den Griff. Die Haas-Performance für ein Wochenende 2019 vorauszusagen kommt momentan dem Raten der Lottozahlen gleich.

Neuer Asphalt in Silverstone - die Zweite

2019 erwartet die Formel 1 in Silverstone ein neuer Asphalt. Wie schon 2018. Da war neu asphaltiert worden, um sich den Bodenwellen zu entledigen. Statt besser wurde es schlimmer, nach einem Horror-Wochenende der MotoGP mitsamt Renn-Absage musste gezwungen noch einmal nachgebessert werden.

2018 floss am MotoGP-Wochenende in Silverstone das Wasser nicht ab - Foto: Yamaha
2018 floss am MotoGP-Wochenende in Silverstone das Wasser nicht abFoto: Yamaha

"Es wurde alles neu asphaltiert", bestätigt FIA-Rennleiter Michael Masi, dessen Team sich die Strecke vor ein paar Wochen ansah. "Basierend auf den Bildern, die ich gesehen habe, wurde alles nach einem sehr, sehr hohen Standard erledigt." Damit sollten die Bodenwellen endgültig Geschichte sein.

Macht der Asphalt die Strecke auch sonst schneller? Pirelli bringt jedenfalls die härtesten Reifen mit. Das ist Standard, das Silverstone-Layout fordert die Reifen. Mercedes und McLaren wählten konservativ auch nur acht Sätze Soft pro Fahrer. Die Mehrheit des Feldes setzt auf neunmal Soft, dreimal Medium, einmal Hard.

Formel 1: Die Strecke in Silverstone

Sonst gibt es an der Strecke selbst keine Veränderungen. Der Silverstone Circuit bleibt in seiner aktuellen Fassung ein Kurs, der sich vor allem durch seine Highspeed-Passagen bei vielen Fahrern beliebt macht. Die schnellen Richtungswechsel in den legendären Kurven Maggotts, Becketts und Chapel gehören zu den spektakulärsten Kombinationen im Kalender.

Formel-1-Wetter in Silverstone

Zugleich ist Silverstone notorisch für feucht-britisches Wetter. Das könnte die Formel 1 auch 2019 erwischen. Momentan wird die Regenwahrscheinlichkeit für den Qualifying-Tag mit 33 Prozent beziffert. Von der großen Hitzewelle ist nichts mehr zu spüren, die Temperaturen schaffen es an allen Tagen des Rennwochenendes gerade einmal knapp über 20 Grad Celsius.

Formel 1 Silverstone: Zeitplan, TV, Programm

Für die Formel-1-Fans bietet das Silverstone-Wochenende Standard-Programm. Gestartet wird um 15:10 Uhr am Sonntag, auch sonst sind die Uhrzeiten Standard. Gleichfalls das Rahmenprogramm: Formel 2, Formel 3 und Porsche Supercup stehen wieder am Start.