Nach den Freitags-Trainings der Formel 1 in Österreich sieht es im Mittelfeld nach einem Kampf zwischen McLaren, Haas und Alfa Romeo um die letzten Punkte aus. Doch bei Haas kann man sich bekanntlich nicht sicher sein: Die Amerikaner haben eine Albtraum-Serie am Laufen, haben nur in drei Rennen 2019 gepunktet.

Zuletzt dann auch noch das Eingeständnis: Wir wissen wirklich nicht, wie wir die Reifen in den Griff bekommen. McLaren steht auf der anderen Seite. Sie blieben nur in drei Rennen 2019 punktelos, und dominierten in Frankreich zuletzt das Mittelfeld. In Österreich sehen sie wieder stark aus - doch diesmal könnten sie sich selbst im Weg stehen.

Haas in Österreich zurück? Kein Alarm, keine Hoffnungen

"Kein Alarm heute, alles normal", versichert Kevin Magnussen nach dem Training von Österreich. Die Haas-Stimmung ist zumindest nicht mehr negativ. "Der Grip ist hier viel gleichmäßiger", so Magnussen. "Du hast diese Stellen mit wenig Grip, die es in Frankreich gibt, hier nicht."

Romain Grosjean fügt an: "Das Auto fühlt sich viel besser an. Es gibt noch ein paar Schwächen, an denen wir arbeiten müssen, aber das Auto fühlt sich besser an." McLaren erscheint so einmal in Reichweite.

Aber überbordender Optimismus klingt anders, wie Teamchef Günther Steiner unter Beweis stellt: "Das bedeutet momentan nichts. Es könnte morgen wieder ganz anders sein, mit dem Auf und Ab, das wir mit den Reifen momentan haben. Heute sind wir relativ zufrieden. Jedenfalls zufriedener als in Frankreich. Warten wir mal auf morgen, und auf den Sonntag, bevor wir wirklich glücklich sind."

McLaren überall stark - Strafe frustet Sainz

Solche Sorgen klingen bei McLaren gar nicht durch. Natürlich gibt es die üblichen Warnungen vor dem engen Formel-1-Mittelfeld, aber sonst? "Ich fühle mich definitiv komfortabel", freut sich Carlos Sainz, der seinen McLaren schon wieder, wie schon in Kanada und Frankreich in die Top-6 gebracht hat. "Ich kann sehr glücklich sein, weil ich mich auf das Rennen vorbereitet habe, und mich trotzdem im Qualifying-Trimm gut gefühlt habe. Das sind immer gute Nachrichten."

Trotzdem schafft Sainz nach dem Training nur ein gequältes Lächeln. Er hat nämlich sämtliche Motoren-Komponenten getauscht, um ein Renault-Upgrade zu erhalten. Das bedeutet zwangsweise aber einen Start vom Ende der Startaufstellung. "Es könnte so ein gutes Wochenende sein, ohne die Strafe", ärgert er sich.

McLaren testete in Österreich Renn-Setups - Foto: LAT Images
McLaren testete in Österreich Renn-SetupsFoto: LAT Images

Genau deshalb arbeitete McLaren auch bei ihm nur am Renn-Setup. "Ich bin deshalb enttäuscht", räumt Sainz ein. "Hoffentlich ist es das Motoren-Upgrade wert." Er sagt einen langweiligen Samstag für sich voraus, viel wird er nicht zu tun haben. Für ihn geht es nur darum, das Auto für die Aufholjagd am Sonntag bestmöglich vorzubereiten.

McLaren baut Renn-Pace aus

Auch beim zweiten McLaren von Lando Norris wurde am Freitag vorwiegend am Renn-Setup gearbeitet. Aus anderen Gründen, erklärt Norris: "Weil in Paul Ricard war ich da nicht ganz so stark."

Am Ende sahen beide Autos stark aus, aber Norris stapelt tief: "Es war ein guter Freitag für uns, aber es gibt noch einige Dinge, die wir verbessern müssen. Es könnte besser sein, oder schlechter. Auf den schnellen Runden habe ich einige Fehler eingebaut, aber auf den Longruns habe ich mehr Runden erledigt und fühle mich jetzt etwas vertrauter. Habe eine bessere Idee davon, was ich mache."

Im Qualifying wird nach es nach der Sainz-Strafe an Norris liegen, die Kohlen in Q3 aus dem Feuer zu holen. "Ich glaube, es ist immer möglich", meint Norris. "Es sah ziemlich gut aus, aber andere können sich immer verbessern, und es war sehr eng heute. Aber solange wir keine Fehler machen, glaube ich, dass es möglich ist."

Räikkönen im Top-10-Mix: Nicht übertreiben

Zwischen die Haas und McLaren schob sich am Freitag in den Trainings noch Kimi Räikkönen im Alfa Romeo. Der scheint nach ein paar schwierigen Rennen seit Frankreich wieder zu funktionieren, und sowohl Räikkönen als auch Teamkollegen Antonio Giovinazzi hinterließen den Eindruck, dass Alfa in Spielberg die drittstärkste Kraft im Mittelfeld sei.

Kimi Räikkönen mischte in Österreich mit - Foto: LAT Images
Kimi Räikkönen mischte in Österreich mitFoto: LAT Images

"Das Auto fühlte sich in FP2 besser an, aber übertreiben wir mal nicht", sagt Kimi Räikkönen danach. "Es ist zu früh, um festzustellen, wo wir im Vergleich zu unseren Rivalen stehen. Das werden wir erst morgen und im Rennen herausfinden."

In der Zeitentabelle sahen die McLaren am Ende des Tages wieder wie die Favoriten aus. Sie waren auf allen Reifensätzen etwas schneller, Haas und Alfa Romeo fuhren im Longrun etwas hinterher. Doch wer das Mittelfeld kennt, der weiß: Eine kleine Änderung kann große Auswirkungen haben. Noch ist alles offen.