Renault schien bereits beim vergangenen Kanada GP als klarer Leader des Mittelfelds der Formel 1 endlich den Aufschwung eingeleitet zu haben. Doch erst zum Heimrennen, dem Frankreich GP an diesem Wochenende, sollte das eigentliche Update seinen Weg an die R.S.19 von Nico Hülkenberg und Daniel Ricciardo finden, den wahren Quantensprung liefern.

Eine komplette überarbeitete Frontpartie, ein neuer Unterboden und eine ganze Reihe weiterer Teile rund ums Bodywork, etwa erweiterte Turning Vanes am Eingang der Seitenkästen zählen dazu.

Ricciardo bekommt Motor-Update, Hülkenberg muss warten

Ricciardo erhielt on top eine vorgezogene Power Unit der zweiten Generation für den Grand Prix in Le Castellet. Hülkenberg soll mit der B-Spec erst bei einem späteren Event nachziehen. Der Emmericher würde wegen des Pleuel-Defekts an seinem Aggregat in Bahrain sonst bereits ausgerechnet beim großen Renault-Schaulaufen daheim strafversetzt.

Das wollten die Franzosen natürlich genauso vermeiden wie eine insgesamt schwache Vorstellung. Doch genau die unterlief Renault im Training am Freitag. Trotz der unzähligen Neuerungen nur die Ränge zwölf und P14 für Ricciardo und Hülkenberg. Ist das groß angekündigte Update also gefloppt? Ein Rohrkrepierer statt einer französischen Revolution?

Hülkenberg: Keine Sekunde ans Auto geschraubt, aber …

Nein. Da widersprechen die Fahrer nach ihren ersten Eindrücken mit dem neuen Paket entschieden. "Wir haben jetzt sicher keine Revolution und eine Sekunde ans Auto geschraubt", sagt Hülkenberg zwar. Doch das wäre in der Formel 1 ohnehin mehr als nur eine Welt. Stattdessen seien es "eher ein paar Zehntel", so der Emmericher. Und das wäre letztlich noch immer ein ordentliches Pfund. "Aber das ist eben schwieriger zu fühlen", ergänzt Hülkenberg.

Insgesamt tut sich der Renault-Pilot nämlich schwer, ein erstes Fazit zu ziehen. Das hänge jedoch mehr mit den Bedingungen und dem Verlauf seines Trainings zusammen. "Kein Grund zur Panik", beruhigt er. Das wäre bei einem 'Hulk' auch kein gute Idee ... Doch warum keine Panik? "Wir waren auf eine Runde heute vielleicht nicht so zügig wie wir wollten. Aber im Longrun ging es ganz ordentlich", betont Hülkenberg.

Renault im Longrun dran an Mercedes? Hülk schwer beeindruckt

Den habe er immerhin direkt hinter Lewis Hamilton abgespult. "Und der ist mir nur ganz langsam weggefahren, da war ich schwer beeindruckt!", schwärmt Hülkenberg, allerdings auch mit einem leichten Augenzwinkern. Gut betankt gewesen sei sein Renault allerdings dabei aber schon, ergänzt der Emmericher auf Nachfrage von Motrosport-Magazin.com jedoch.

Formel 1 2019: 5 Brennpunkte vor dem Frankreich GP: (9:14 Min.)

Bleibt die fehlende Pace auf eine Runde. Hülkenbergs Erklärung komprimiert: einfach eine unsaubere Session. "Der Run mit wenig Sprit war nicht ganz optimal. Ich bin den auch etwas früher gefahren als viele andere Kollegen, hatte Verkehr und habe auch selbst meine Runde nicht ganz getroffen", führt der Renault-Mann aus. Soll heißen: Da ist leicht noch deutlich mehr drin. "Aber wir müssen da auch schon noch etwas finden", ergänzt Hülkenberg allerdings.

Eklig und schwammig: Soft-Pneu plagt Renault

Wie alle anderen Teams auch litt Renault in Le Castellet unter der enormen Hitze, speziell durch Graining auf dem Soft-Pneu. "Das fühlt sich etwas schwammig an und der Grip ist dann nicht ideal", sagt Hülkenberg. "Das fühlte sich ziemlich eklig an. Mit dem Soft war es bei dieser Hitze, als würdest du gar nicht vorwärts kommen, weil er mit der Strecke verschmilzt", bestätigt Ricciardo und scherzt in unnachahmlicher Honigdachs-Manier: "Wie geschmolzene Schokolade - könnte auch lecker sein!"

Deshalb und wegen der großen Unterschiede zum vorherigen Kurs in Montreal sei es auch so schwer das Update ganz genau zu bewerten. "Aber ich denke schon, dass sie in die richtige Richtung gehen", sagt Ricciardo zu Motorsport-Magazin.com. "Wir haben heute nur wegen der Reifen nicht das Maximum herausgeholt."

Hülkenberg: Ricciardo mit B-Spec natürlich im Vorteil

"Vom ersten Eindruck würde ich sagen, ja [dass es besser ist]", bestätigt Hülkenberg. "Aber wir haben viele Daten gesammelt, die wir jetzt erst zwischen den beiden Autos vergleichen müssen. Diese Strecke ist auch einfach ganz anders als Montreal. Deshalb ist es für die als Fahrer so direkt recht schwer herauszupicken, dass es jetzt viel besser ist. Das ist wie Äpfel mit Birnen vergleichen."

Nicht ganz so extrem sei es in Sachen Motor. Immerhin fährt Ricciardo jetzt mit einer höheren Ausbaustufe. "Heute spielte das keine übergeordnete Rolle, aber schauen wir mal, wie es morgen ist. Er hat natürlich einen kleinen Vorteil", sagt Hülkenberg, recht entspannt.

McLaren: Ärgert der Kunde Renault beim Heimrennen

Größere Anspannung herrscht wegen eines anderen Kontrahenten - dem eigenen Renault-Kunden McLaren. "Die sahen heute sehr, sehr schnell aus. Wir hatten zu kämpfen, ihre Pace zu gehen. Das war grundsolide. 31.8 ist sehr, sehr sportlich", so Hülkenberg. Spätestens im Rennen glaub der Emmericher jedoch, den Spieß umdrehen zu können. "McLaren hat seine Stärke mehr im Quali als im Rennen", sagt Hülkenberg.

Daniel Ricciardo ist sich der orangenen Gefahr nicht minder bewusst: "Die sahen zumindest heute stärker aus. Selbst als ich dachte, mit dem Hard einen guten Run erwischt zu haben, war Lando auch auf Hard vier Zehntel vorne. Sie waren einfach schnell. Er war ja sogar vor beiden Red Bull! Aber ich denke, das können wir bis morgen ausräumen." Das Q3 sei für Renault noch drin: "Heute waren wir da zwar nicht, aber da steckt noch Rundenzeit drin!"

Sicher ist sich der Australier dessen vor allem, weil es ihm schlicht nicht gelungen sei, sich mit Soft zu verbessern - Asphaltverschmelzung hin oder her. "Allein damit haben wir etwas liegen gelassen, Ich bin überzeugt, dass wir das morgen schaffen werden und im Q3 sind", sagt Ricciardo. "Es ist also nicht so schlecht, wie es auf dem Papier aussah. Wir haben uns auf jeden Fall nicht verloren, nur den Quali-Trimm auf Soft nicht hinbekommen."