Haas ging 2019 mit großen Zielen in die vierte Formel-1-Saison der Teamgeschichte. Sie wollten das Mittelfeld anführen, und nachdem sie 2018 auf vielen Strecken das viertbeste Auto hatten, schien das mehr als realistisch. Kevin Magnussens sechster Platz beim 2019er-Auftakt in Australien schien die Ansprüche zu bestätigen.

Aber in Bahrain und in China sackte Haas ab. Nach dem viertbesten Auto auf dem Grid sah das gar nicht mehr aus. Im Renn-Trimm ging es für Kevin Magnussen und Romain Grosjean nur mehr rückwärts. Die Probleme waren, so zieht das Team nach zwei Rennen den Schluss, ganz klar die Reifen. In Australien funktionierten sie, aber das war mehr Ausnahme als Regel.

Stattdessen erwiesen sich ab Bahrain Renault, Alfa Romeo, McLaren und zuletzt auch Toro Rosso und Racing Point im Rennen als deutlich stärker, während Magnussen und Grosjean mit ihren Autos zu kämpfen hatten. Vor Baku hat das Team wieder Angst - die Probleme werden wahrscheinlich nicht gelöst werden.

Haas kämpft: Reifen-Fenster nicht zu finden

Die Probleme treten bei Haas erst im Rennen auf. Im Qualifying auf nur eine Runde ist das Auto schnell, Q3 ist immer möglich. Aber über mehrere Runden lang kann man die Reifen nicht unter Kontrolle behalten. Es geht um das Arbeitsfenster: Die Pirellis der Formel 1 arbeiten, wie alle Rennreifen, nur bei bestimmten Temperaturen gut. Allerdings sind die Pirellis berühmt für enge Arbeitsfenster, und in diesem engen Bereich kann Haas sie nicht über mehrere Runden lang halten.

In China wurde Haas zuletzt Opfer des restlichen Mittelfeldes - Foto: LAT Images
In China wurde Haas zuletzt Opfer des restlichen MittelfeldesFoto: LAT Images

"Wir wissen einfach, dass wir die Reifen im Rennen nicht zum Arbeiten bringen. Wie groß das Fenster ist, und wie man drin bleibt, ist schwer zu definieren", sagt Haas-Teamchef Günther Steiner. "Wir bekommen es definitiv nicht ins Fenster, also würde ich auch nicht wissen, was es braucht, um die Reifen ins Fenster zu bekommen."

Haas fürchtet Baku: Werden Glück brauchen

Das sind keine guten Nachrichten für das nächste Rennen der Formel 1 in Baku. "Baku wird ein weiteres schwieriges Rennen für uns werden, wegen den langen Geraden und den langsamen Kurven, die wenig Energie aufbauen", sagt Steiner. Wenig Energie, das bedeutet wenig Temperatur. Und wenig Temperatur bedeutet, dass Haas die Reifen im Rennen wohl nicht genügend aufheizen kann. Das hat zur Folge, dass die Reifen nie den optimalen Grip erreichen. Stattdessen rutscht das Auto von Anfang bis Ende, was die Reifen nur noch schlechter macht.

Die Hoffnung auf ein gutes Ergebnis in Baku hält sich bei Haas daher in Grenzen. "Du erwartest immer das Unerwartete, aber wir müssen irgendwann Glück haben", sagt Steiner. "Bis jetzt hatten wir nämlich kein Glück." Zusätzlich zu den Reifenproblemen hat besonders Romain Grosjean bis jetzt viel Pech. Ausfall in Australien nach losem Reifen, und Ausfall in Bahrain nach unverschuldeter Kollision mit Lance Stroll.

Für Baku ergeht sich Haas daher mehr in Hoffnungen als in fixen Prognosen. "Hoffentlich funktionieren ein paar unserer Lösungen, an denen wir seit dem Bahrain-Test arbeiten", so Steiner. Und: "Hoffentlich sind wir in einer guten Position, wenn etwas passiert, und können etwas Gutes für uns rausholen."

Haas arbeitet an Lösung: Hoffentlich nach Baku

Dass Haas auf funktionierende Lösungsansätze hofft, das bedeutet zumindest: Man hat das Problem grundsätzlich identifiziert. Aber die Lösungsansätze sind bis jetzt dürftig, das gibt Haas selbst zu. "Ja, wir haben auch während den zwei Testtagen nach dem Bahrain-GP viel gelernt", erklärt Steiner. "Wir verstehen es, aber können einfach nicht so schnell Lösungen bringen, weil man diese Lösungen und die Teile dafür entwickeln muss."

Renault unter Druck: Was ist bei den Gelben los?: (11:15 Min.)

Da die Formel 1 inzwischen von Melbourne nach Sakhir, dann nach Shanghai und jetzt nach Baku fliegt, sind die Ressourcen für die Problemlösung bei Haas begrenzt. Einfach ist die Lösung nicht, und es braucht einiges an Zeit. Ein weiteres "hoffentlich" gibt es daher von Steiner noch: "Hoffentlich können wir das Problem ausräumen und im Rennen so wettbewerbsfähig sein wie im Qualifying."