Bei Racing Point F1 sind im ersten vollen Jahr nach der Neugründung des Formel-1-Teams die ersten großen Umbauten und Umstrukturierungen angelaufen. Vor einigen Wochen verkündete das Team offiziell die Pläne für die neue Fabrik. Jetzt rückt Racing Point aber erst einmal näher an Mercedes heran - im Laufe des Jahres wird man deren Windkanal in England nutzen.

Keine ganz neue Entwicklung für Racing Point, die schon länger mit Mercedes in einem Naheverhältnis stehen. Momentan erhalten sie Motor, Getriebe und Hydraulik von ihnen, das Nutzen des Windkanals stellt also nur eine weitere, engere Zusammenarbeit dar. Racing Point sieht darin primär eine praktische Entscheidung, aber natürlich wirft es Fragen nach einem zukünftigen B-Team-Arrangement zwischen ihnen und Mercedes auf, bei dem möglichst alle vom Reglement freien Teile zwischen den Teams geteilt werden.

Racing Point: Windkanal-Wechsel von Köln nach Brackley

Tatsächlich ist der Umzug des Windkanals für Racing Point aber logistisch eine große Erleichterung. "Unsere Aero-Abteilung liegt in Brackley, der Mercedes-Windtunnel liegt in Brackley", erklärt Racing Points Technik-Boss Andy Green, als er in China auf die ausgebaute Partnerschaft angesprochen wird. "Es ist für uns viel einfacher, in Brackley zu testen, als in Köln."

Racing Point hat nämlich sowieso keinen eigenen Windkanal. Das im englischen Kernland beheimatete Team nutzte in den vergangenen Jahren daher den Windkanal von Toyotas deutscher Motorsport-Niederlassung TMG. Der befindet sich aber in Köln, was für Racing Point folglich einen beträchtlichen logistischen Aufwand darstellte. "Also war es eine offensichtliche Entscheidung, als wir das Angebot bekommen haben, dort zum Testen hinzugehen", sagt Green im Hinblick auf den Mercedes-Windkanal.

Mercedes und Racing Point: Beziehung für 2021 noch offen

Mercedes gehört gegenwärtig in der B-Team-Frage sowieso nicht zu den großen Spielern. Von Teamchef Toto Wolff gab es in den letzten Wochen immer wieder unterstützende Worte in Richtung des B-Team-Modells. Er habe kein Problem damit, es würde dem Sport nur helfen, mehr Teams zu holen. Gegenwärtig sind die Mercedes-Kunden aber nicht so eng an das Hauptteam gebunden wie Toro Rosso an Racing Point oder gar Haas an Ferrari. Haas kauft jedes Teil, das man nicht selbst bauen muss, zu.

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Aus der langsam enger werdenden Beziehung zwischen Mercedes und Racing Point sollte man aber auf keine Haas-artige Kombination schließen, da sind sich Wolff und Andy Green von Racing Point einig. "Unser Modell ist sehr anders. Wie vorhin gesagt, Andy und sein Team wissen sehr gut, was sie mit ihrem Auto erreichen wollen", sagt Wolff. "Sie haben eine solide Gruppe an Technikern und werden in diese Richtung arbeiten."

"Sie werden Teile unserer Infrastruktur nutzen, und wir werden sehen, wie sich das durch die 2021er-Regeln entwickelt", erklärt Wolff. Momentan sind diese neuen Regeln ja noch in der Schwebe. Gut möglich, dass unter dem Argument des Kostensparens weitere Kooperationen dann für die beiden Teams Sinn machen. "Wenn das entschieden ist, werden wir uns entscheiden, in welchen Bereichen wir zusammenarbeiten wollen und wo es regeltechnisch möglich ist", sagt Wolff.

Racing Point plant groß: Neue Fabrik für 2021

Racing Point bereitet sich indessen mit einer neuen Fabrik auf die Saison 2021 vor. Schon da sieht man grundsätzliche Verschiedenheiten zum Haas-Ansatz: Racing Point hat in Silverstone die alte, vom ehemaligen Jordan-Team betriebene Fabrik übernommen. Mit dem neuen Geld, das durch die Übernahme von Lawrence Stroll in die Kasse kam, will man diese Fabrik jetzt erweitern und modernisieren.

Pläne für die neue Racing-Point-Fabrik gibt es schon - Foto: Racing Point F1
Pläne für die neue Racing-Point-Fabrik gibt es schonFoto: Racing Point F1

Schon allein das zeugt von einer anderen Philosophie als bei Haas. Racing Point ist schon ein etabliertes Team, hat jetzt schon genügend Ressourcen zum Selbstbauen und expandiert gegenwärtig noch weiter. Sich zu eng an ein Top-Team wie Mercedes zu binden hat man also gar nicht nötig.

Aber wie es tatsächlich mit der Zusammenarbeit zwischen Racing Point und Mercedes weitergeht, bleibt von den neuen Regeln abhängig. "Wir wollen unser Team so aufbauen, dass es so effizient wie möglich im Rahmen dieser Regeln arbeitet", sagt Andy Green, "und wenn diese Regeln finalisiert wurden, dann werden wir eine gute Idee haben, was wir machen müssen."