Vietnam GP 2020: Erstes Onboard-Video der neuen F1-Strecke: (2:35 Min.)

Auf 71 verschiedenen Rennstrecken trug die Formel 1 seit 1950 ihre bislang 1.000 Rennen aus - 2020 kommt mit Hanoi Kurs Nummer 72 hinzu. In der vietnamesischen Hauptstadt wird derzeit mit Hochdruck am neustem Zuwachs des Formel-1-Kalenders gearbeitet. Motorsport-Magazin.com zeigt exklusiv das erste Onboard-Video.

Möglich ist das dank einer neuen Technik des zuständigen Ingenieurs- und Architekturbüros Tilke. Dort lässt sich nun das geplante Streckenlayout in eine Simulationssoftware - hier beispielsweise Assetto Corsa - übertragen und schon vorab im Simulator erfahren. Anschließend können die gedrehten Runden aus allen erdenklichen Perspektiven animiert werden.

Die neue Technik ist für die Streckendesigner nicht nur eine Spielerei - so können beispielsweise auch kleinere Clubstrecken ihren Weg in Rennspiele finden -, sondern auch ein weiteres Tool, um die Strecken in Zukunft besser zu machen.

Dadurch lassen sich schon im Entstehungsprozess die Streckencharakteristiken erfahren und optimieren. Für die Strecke in Vietnam kam die neue Simulationsmethode erst im Nachhinein zum Einsatz. Trotzdem gab es vorab schon von anderer Seite Input. Das Layout entstand in enger Zusammenarbeit mit den Formel-1-Bossen von Liberty Media. Spezialisten der F1 haben die Strecke dabei in Simulationen vor allem auf Überholmöglichkeiten optimiert.

Hanoi Street Circuit: Streckenlayout des Vietnam GP

Das sieht man der Strecke auch an: Drei lange Geraden sollen für reichlich Windschattenduelle sorgen. Die längste Vollgaspassage misst dabei satte 1,5 Kilometer und führt durch einen kleinen Rechtsknick. Der Radius von Kurve zehn nach zirka zwei Dritteln der 'Geraden' durfte nicht zu eng gewählt werden, damit ohne Schwierigkeiten noch eine DRS-Zone an dieser Stelle eingerichtet werden kann.

Markant: Die 1,5 Kilometer lange Gerade des Hanoi Street Circuits - Foto: Tilke GmbH & Co. KG
Markant: Die 1,5 Kilometer lange Gerade des Hanoi Street CircuitsFoto: Tilke GmbH & Co. KG

Weil die Strecke zu rund zwei Dritteln auf bestehenden öffentlichen Straßen durch Hanoi führt, war es keine einfache Aufgabe, die G-Kräfte DRS-verträglich zu gestalten. Das restliche Drittel der Strecke wird extra für den neuen Formel-1-Kurs erbaut, wird aber keine permanente Rennstrecke.

Nur das Boxengebäude wird als einziges Bauwerk permanent für die Formel 1 erbaut. Interessant dabei: Die Boxengasse ist so gestaltet, dass Aus- und Einfahrt möglichst kurz sind. Tatsächlich wird sogar ein klein wenig abgekürzt. "Eine Forderung der Formel 1", erklärt Dr. Carsten Tilke. "Dadurch wird die Zeit, die man beim Boxenstopp verliert, minimiert. Das Ziel ist es, unterschiedliche Strategien zu ermöglichen, die das Rennen taktisch interessanter werden lassen."

Tilke: Hanoi sorgt für viel Renn-Action

Carsten Tilke, Sohn von Hermann Tilke und seit 2017 Geschäftsführer der Tilke GmbH & Co. KG, war bei der Planung des Streckenlayouts in Hanoi aktiv beteiligt und fuhr die ersten virtuellen Runden auf dem 5,57 Kilometer langen Kurs. Carsten Tilke, selbst mit reichlich Erfahrung aus dem GT-Sport, hat Gefallen an Vietnam gefunden. "Es ist eine spannende Mischung aus Stadtkurs und klassischer Rennstrecke", so der Deutsche.

"Der erste Abschnitt erinnert mich an die Mercedes-Arena des Nürburgrings", so Tilke. "Dazu gibt es sehr unterschiedliche Passagen: Highspeed-Kurven, die fast ein wenig an die Esses in Suzuka angelehnt sind und für gute Überholmöglichkeiten lange Geraden mit harten Bremspunkten."

"Insgesamt ist es fahrerisch eine sehr herausfordernde Strecke, die sicherlich für viel Renn-Action sorgen wird", urteilt Tilke. Seine aktuell persönlich schnellste Runde mit 1:39,4 liegt dabei noch etwas hinter der prognostizierten Rundenzeit von 1:36,2 Minuten. "Es ist schwierig, auf dieser Strecke eine fehlerfreie Runde zu fahren. Außerdem hatten wir in der Simulation nur die harten Reifen zur Verfügung und noch kein gutes Setup fürs Auto gefunden", erklärt Tilke mit einem Augenzwinkern. "Aber mit ein bisschen Training ist sicher noch eine bessere Rundenzeit drin."